HOME PAGE

VATER SCHWEIN UND SOHN SCHWEIN

 

Ein gefräßiger Vater Schwein und ein gefräßiger Sohn Schwein waren im Wald und fluchten, weil sie keine Eicheln fanden.

- Verdammter Wald! Es gibt nichts zu essen! Schön ist es dort, wo man ganz viele Eicheln auf einem Haufen findet -, so sprach der gefräßige Vater Schwein. Sie gingen fort und wer weiß, wohin es sie verschlagen hat ...

- Und noch ein gefräßiger Vater Schwein und noch ein gefräßiger Sohn Schwein setzten ihre Füße in diesen selben Wald.

- Nimm, iss! Eine kleine Eichel! -, sagte Vater Schwein zu Sohn Schwein. Sie trotteten weiter …

- Nimm, iss! Noch eine Eichel! Diese ist schön groß! -, sagte wieder Vater Schwein zu Sohn Schwein.

- Vati, noch eine Eichel! -, und Vater Schwein aß sie.

- Vati, noch eine! -, und Sohn Schwein aß sie.

- Hast du gesehen, Sohn Schwein, dass wir mit einer Eichel hier und einer Eichel dort, jeden Tag, jeden Monat und jedes Jahr zu essen haben? Man braucht Geduld auf dieser Welt, Sohn Schwein!

Da hast du noch zwei Eicheln, Sohn Schwein! -

- Ich habe drei Eicheln und eine Kastanie gefunden, Vater Schwein! -

- Und ich eine Eichel und vier Kastanien, Sohn Schwein. -

- Vater Schwein! Vater Schwein! Vater Schwein! Ich habe einen Haufen Eicheln und Kastanien gefunden! Da gibt es ganz viele! -

Er stampfte mit den Hüfchen auf der nach Alpenveilchen, Minze und Süßholz duftenden Erde auf, rückte mit dem Rüssel die Blätter zur Seite und schnaubte und grunzte laut, weil er glücklich war.

 

- Hast du gesehen, Sohn Schwein? Wer Geduld hat, dem ist das Glück gewogen! Das Glück will gesucht sein. Das Leben, wenn es auch seltsam ist, ist immerhin geregelt von … -

- Vater Schwein! Vater Schwein! Schau mal, schau mal an! -, unterbrach ihn Sohn Schwein. - Was ist das, was ist das? Zwei weiße Blätter haben plötzlich begonnen zu fliegen! So ein Schreck! -

- Wie dumm du bist, Sohn Schwein! Siehst du nicht, dass es Schmetterlinge sind? -

- Schmetterlingeee? -

- Es sind Tiere wie wir, aber sie sind ganz klein und fliegen. Sie heißen … Schmetterlinge sind nichts anderes als geflügelte Insekten, Sohn Schwein. -

- Vater Schwein, warum können wir nicht fliegen? -

- Grundgütiger Himmel! Aber was redest du denn da? Es wären ellenlange Flügel notwendig, damit unsereins fliegen könnte, Sohn Schwein! -

- Und wo fliegen sie hin? -

- Sie fliegen über diese Blumen... über diese gelben Blumen hinweg und über die Bäume dort... -

- Und … dann, was gibt es, was gibt es jenseits dieser Blumen und dieser Bäume dort, Vater Schwein? -

- Noch mehr Blumen und noch mehr Bäume, Sohn Schwein. -

- Und danach, Vater Schwein? -

- Noch mehr Bäume und noch mehr Blumen. -

- Und wieder danach? -

- Da gibt es Häuser mit Menschen darin, Sohn Schwein. -

- Wer sind die Menschen, Vater Schwein? -

- Wer sie siiind? Oh Gott, oh Gott, Sohn Schwein … Sohn Schwein! -

Vater Schwein begann, wie ein verdorrtes Blatt zu zittern und seine Beinchen wurden ganz schlaff.

- Vater Schwein, Vater Schwein! Was ist los mit dir? Vater Schwein! Oh Gott, oh Gott, er hat fast die Besinnung verloren. Wa-was mache ich jetzt ganz allein im Wald mit einem kranken Vater Schwein? -

- I-Ich fühle mich schlecht, Sohn Schwein. Ich habe mich ... dich und mich gesehen, in ellenlange Bratwürste und Knackwürstchen verwandelt! Oh Gott, was für ein Schmerz, was für eine Angst!... Mein Gesicht ist feuerrot geworden und mit Schweiß verschmiert. Aaach, ich habe fast einen Nervenzusammenbruch … Hör mal zu … Eine Kleinigkeit ... Achte darauf ... Nimm niemals Eichelhaufen von Menschen an, Sohn Schwein, sie bieten sie dir an, weil sie dich schön fett machen, und dann essen sie dich auf. Wer wenig gibt will alles wiederhaben. So ist das, so ist das, es ist der Lauf der Welt!

Niemand gibt etwas für nichts, Sohn Schwein. Sehen wir zu, dass wir Eicheln und Kastanien finden! Eine hier und eine dort, eine da, eine hier, aber, aber in Ruhe und Frieden! -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FUCHS RUSTIKUS UND FUCHS SILBERFELL

 

Eines Tages begegneten sich zwei Füchse auf einem Feldweg und sie sahen sich misstrauisch an. Und dann, wer weiß, wie sie es machten, schüttelten sie sich die Pfoten und ...

Freut mich, Fuchs Rustikus. -

Sehr erfreut, Fuchs Silberfell. -

  • Und sie schlossen Freundschaft.
  • Fuchs Rustikus hatte einen schönen Sack Kartoffeln bei sich und Fuchs Silberfell trug auf dem Rücken eine große Tüte mit Papieren, voll geschriebenen Papieren und Dokumenten.
  • Hier nimm: eine schöne große Kartoffel! Der Bauer hat sie mir gegeben, weil ich seine vielen Hühner und sein Schaf im Schafstall beschützt habe. -
  • Und Fuchs Silberfell nahm die Kartoffel an und er verschlang sie mit einem Biss.
  • Gut, gut, diese Kartoffel, sie ist wirklich naturrein! Ist sie in der Erde gewachsen? Ich ... ich meine, in der Erde oder auf den Bäumen? -
  • In der Erde! Die Kartoffel entwickelt sich unter der Erde, genau wie die Karotte zum Beispiel. Sie ist eine Knolle, die Kartoffel. -
  • Ach, du bist mit den Bauern befreundet? Ich studiere Musik, Rhythmik und Harmonie und ich schreibe sehr viele Gedichte und außerdem studiere ich mit einem Wolf, der mein Freund ist ... Geschichte und Geographie und ich weiß auch, wo sich Ponza und Pantelleria befinden. Wenn du ihn siehst, wirst du sehen, was für ein Professor er ist! Er weiß alles besser als alle anderen. Vielleicht, vielleicht weiß er auch mehr als ich ... Na ja, wer weiß das schon ... wer weiß. Aber eines Tages wirst du ihn durch mich kennen lernen. Es wird dir nützen, du wirst sehen. -
  • Und Fuchs Rustikus begriff, er fühlte sich klein und errötete.
  • Geographie? -
  • Ja. Geographie, Musik, Rhythmik und Harmonie, und viele andere Fächer studiere ich ... und ... mit vielen Professoren, die meine Freunde sind. Fuchs Geologe, zum Beispiel, wie ist er tüchtig, er ist mein Freund und hat promoviert! Er lehrt da und dort. Stell dir vor: Er hält sogar Konferenzen ... Überall! In den Wäldern von Afrika und Alaska. Fuchs Geologe ist genial! Er hat dort in Alaska entdeckt, dass das Eis schmilzt, wenn man es aufs Feuer legt. -
  • Und Fuchs Rustikus mit seinem Sack Kartoffeln fühlte sich wirklich unwissend und fragte mit leisem Stimmchen:
  • Wo gehst du denn jetzt hin? -
  • Wo ich jetzt hingehe?
  • Die Erde studieren und ich will versuchen zu sehen ... zu begreifen, warum das Meerwasser salzig ist, und warum sich das Wasser in Tröpfchen teilt, und wie die Glocken in den Glockentürmen es machen, dass sie so laut klingen. Ja, ja, so viel! Gibst du mir bitte noch eine Kartoffel? -
  • Sicher, sicher. -
  • Gut, gut. Aber ... aber Fleisch ... Fleisch hast du keines? -
  • Nur Kartoffeln. Wenn ich dich vor einigen Tagen getroffen hätte, dann hätte ich dir ein wenig toten Hund gegeben. Hundefleisch ist sehr gut. Ich gehe oft an einen Ort ... Eine Straße. Dort fahren viele Wagen vorbei und häufig kommen die Hunde unter die Räder und ... und dann sind sie schön tot. Sie schmecken sehr gut, die toten Hunde. Und außerdem hat man eine Woche daran zu essen, an einem Hund. -
  • Oh ja, das ist wahr: An einem toten Hund hast du wirklich eine Woche zu essen. Äh, weißt du, ich habe keine Zeit für diese Dinge. Fast jeden Tag gebe ich Geschichts- und Geographieunterricht, und wie ich dir vorhin sagte, ich ... ich weiß, wo sich Ponza und Pantelleria befinden. Und dann, und außerdem, wie geht mir das Herz auf, wenn ich Musik und Rhythmik und Harmonie studiere! Und zu begreifen wie eine Glocke klingt, die dort oben im Glockenturm hängt, und dann die Vöglein, die dort sitzen, sie fliegen fort, so als ob sie die Noten der Glocke, die sich so klar und rein in den Himmel hinauf schwingen, mit ihren Schnäbeln aufpicken wollten. Und ... hast du je davon gehört, dass man von unten an einer Glocke zieht, mit einem Seil? Und ... und weißt du, warum die Glocke klingt?
  • Sie klingt, weil innen in der Glocke drin, da schlägt ein Dings an! -
  • Ah, innen schlägt ein Dings an? Und ... und mit dem Seil zieht man an der Glocke oder am Dings? -
  • An der Glocke oder am Dings? Das studiere ich ja gerade. Es ist ein Geheimnis. Bis jetzt ist es niemandem gelungen, dahinter zu kommen. Gut, ich gehe. Du hast also nur Kartoffeln? Dann los, los, gib mir noch eine Kartoffel. -
  • Eine? -
  • Sagen wir zwei, mach schon! Ich verabschiede mich von dir, Fuchs Rustikus. Und ich bitte dich, lass dich wieder mal sehen. -
  • Oh ja, ich schaue gerne vorbei, denn ich habe viele Dinge von dir zu lernen und hoffe, dass ich dich ein wenig toten Hund kosten lassen kann, sobald ein Wagenrad über ihn hinweg fährt. -
  • Oh ja, wir werden uns wieder sehen und du wirst mich sicher ein bisschen toten Hund probieren lassen; und hoffen wir, dass ein zarter Hund unter das Wagenrad kommt, damit unsere etwas kranken Zähne keine Funken sprühen. -
  • Und Fuchs Silberfell entfernte sich mit seiner Tüte mit Papieren und Papieren und Dokumenten und dasselbe tat auch Fuchs Rustikus mit seinem Sack Kartoffeln.
  • Es vergingen einige Tage und Fuchs Rustikus, der ein gezähmter Fuchs war, war immer wieder die Feldwege entlang gelaufen und hatte sehr vielen Hirten und Bauern geholfen: Am Abend brachte er die verirrten Schafe in die Schafställe zurück und tagsüber bewachte er die Felder, indem er viele Maulwürfe und Mäuschen verjagte, die an den Wurzeln der Bäume knabberten, die sonst dadurch vertrocknet wären.
  • Und er hatte von den Hirten ein wenig Käse bekommen und von den Bauern Äpfel und eine halbe Hühnerbrust und abends, mit dem Säcklein auf dem Rücken, kehrte er nach Hause zurück.
  • Und ... – Fuchs Silberfell! Was machst du hier um diese Zeit? Was machst du hier im Dunkel der Nacht? – Fuchs Silberfell gestikulierte mit erhobenen Pfoten. – Und du? - ... – Ich? Ich bin auf dem Heimweg zu meiner Höhle. Heute habe ich ein bisschen Käse bei den Hirten und wenige Äpfel und eine halbe Hühnerbrust bei den Bauern verdient. Aber du? Was machst du? Denkst du an das Dings und an die Glocke? Hast du es entdeckt? -
  • Noch nicht, Fuchs Rustikus. Ich bin hier seit heute Morgen und habe entdeckt, dass die Schmetterlinge zwei Flügel aus Stoff haben und in der Mitte der Flügel ein klein wenig Fleisch, und dass sie schöner sind als die Fliegen. -
  • Wie viele schöne Entdeckungen du machst, Fuchs Silberfell! -
  • Ja, die mache ich, die Entdeckungen. Und so viele Kollegen habe ich und alle sind sie wichtig! Sieh nur, im Gebirge! Da ist meine Freundin Schildkröte, die mit einem durchlöcherten Rohr die Sterne zählt. In ihrem Köpfchen hat sie einen Pfuhl der Wissenschaft. Sie studiert alles mehr als alle anderen, genau wie der andere Freund von mir, der Professor, der über alles mehr weiß als alle anderen. Du wirst sehen, eines Tages lernst du sie durch mich kennen. Du wirst schon sehen. -
  • Kennen lernen? Ja, ich will sie wirklich kennen lernen, deine Freunde, die Professoren. - Und dann fühlte sich Fuchs Rustikus ganz klein und errötete.
  • Aber ... aber sag mir, hast du heute noch gar nicht gegessen, Fuchs Silberfell? -
  • Wenig, wenig, denn ich hatte keine Zeit um Nahrung zu suchen. -
  • Also dann nimm und iss! -
  • Danke! Ein wenig Hühnerbrust würde mir wirklich gut tun. Gut, gut! -
  • Fuchs Silberfell aß sich satt. Er aß auch Käse und zwei Äpfel. Er sprach ein bisschen über Rhythmik, Musik und Harmonie und dann, und dann beschloss er zu gehen.
  • Und ... und Fuchs Rustikus verbrachte die ganze Nacht wach in seiner Höhle, darüber nachdenkend was die Musik und dann die Rhythmik und die Harmonie wohl sein mochten und er dachte an die Glockenstränge und an die Glocken. Und dann, ohne geschlafen zu haben, ging er zur Kirche und begann mit seinen Äuglein zum Glockenturm hinaufzuschauen und er bemerkte hoch oben das Stückchen Seil, und dann die Glocke mit dem Dings darin.
  • Mit dem Dings darin! -, rief er, - Mit dem Dings darin! -, rief er erneut.
  • Plötzlich hörte er einen lauten Klang und er sah, wie die Glocke sich bewegte und wie am Seil gezogen wurde und wie das Dings in der Glocke tanzte.
  • Ich habe es entdeckt, ich habe es entdeckt! Mit dem Seil zieht man an der Glocke und es ist das Dings, ein hängendes Pendel, das darin tanzend schlägt, kräftig an die Wände der Glocke schlägt! Und ich muss Fuchs Silberfell überall suchen und ich muss ihm sagen, dass ich die Entdeckung gemacht habe. -
  • Fuchs Rustikus begann zu rennen wie ein Verrückter, alle Feldwege entlang, und nach einer Weile, verschwitzt wie ein Schwamm, sah er Fuchs Silberfell in einem Gebüsch und rief:
  • Fuchs Silberfell! Fuchs Silberfell! Komm hier her! Ich habe entdeckt, dass man mit dem Seil an der Glocke zieht und nicht an dem Dings! Ich habe es entdeckt! -
  • Wer weckt mich da? Ach, bist du es, Fuchs Rustikus? Was gibt’s, hast du mir ein bisschen toten Hund mitgebracht? -
  • Nein, etwas viel Wichtigeres als den toten Hund! Eine gute Nachricht: Mit dem Seil zieht man an der Glocke! -
  • Mit dem Seil zieht man an der Glocke? Und ... und nicht an dem Dings? Wer hat dir das gesagt? Unmöglich! Mit dem Seil zieht man an dem Dings. -
  • Man zieht an der Glocke. -
  • Man zieht am Dings. -
  • Man zieht an der Glocke! -
  • Unmöglich! Ich bin mehr als sicher: Mit dem Seil zieht man an dem Dings das in der Glocke drin ist! -
  • Aber nein! Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, ich schwöre es dir! Mit dem Seil zieht man an der Glocke und ich habe auch entdeckt, dass man neue Glocken konstruieren könnte, bei denen man mit dem Seil an dem Dings ziehen könnte und die Glocke könnte fest stehen, weil ... weil der Name ‚Glocke‘ wirklich aus der Glocke herauskommt. Aber diese, die man jetzt benutzt, ich meine, die ‚Glocken‘... Jedenfalls: Mit dem Seil zieht man an der Glocke, nicht an dem Dings, dem pendelnden Pendel! Man könnte die Glocke auch zum Läuten bringen, indem man mit dem Seil am Dings zieht; aber heute, wirklich heutzutage, zieht das Seil an der Glocke. -
  • Was sagst du? – , rief Fuchs Silberfell während er wütend wurde, -Waaaas sagst du?
  • Du bist Fuchs Rustikus und kannst nicht lesen und du warst immer unter Hirten und Bauern! Was weißt du schon von Glocken und Tropfen im Meer und von Mond und Sternen? Du weißt nur etwas von Kartoffeln und toten Hunden. Ich, der ich unter Professoren geboren bin, die mehr wissen als alle anderen ... Das Seil zieht an dem Dings! Und du Fuchs Rustikus, du weißt nichts von den Wissenschaften, also ordne dich unter. -
  • Fuchs Rustikus sah ihn an und begriff und errötete nicht und ging fort.
  • Und auch in der folgenden Nacht schlief Fuchs Rustikus die ganze Nacht nicht, in seiner Höhle. Er wusste, dass er ein Fuchs vom Lande war und er wusste auch dass er es wusste. Er dachte an das Seil, das Dings und die Glocke; und an das Wasser und das Eis und den Mond und die Sonne und die Sterne und ... Und er schwor, wenigstens ein bisschen von all dem, was ihn umgab, zu lernen.
  • Er verließ die Höhle und begab sich auf die Feldwege, um sein Brot zu verdienen.
  • Ein Bauer sah ihn und bat ihn, ihm seine Hühner zu hüten. Der Tag ging zu Ende und es begann die Nacht und der Fuchs machte sich auf den Weg zu seiner Höhle, mit einem Apfel, einer Birne und vier Eiern, die in einen Küchenlappen eingewickelt waren, und während er einen dornigen Pfad entlang schnürte, hörte er leises Rufen: - Fuchs Rustikus, Fuchs Rustikus! Ich bin’s, Fuchs Silberfell! -
  • Oh, du bist’s? Was willst du, Fuchs Silberfell? -
  • Hast du den toten Hund geholt? -
  • Heute ist kein Hund gestorben. Ich habe vier Eier, die ein lebendes Huhn gelegt hat, einen Apfel, der unter der Erde geboren wurde und eine Birne, die ich aus dem Bauch eines Kürbisses entnommen habe. -
  • Und hör mal! Würdest du mir zwei Eier geben, die das lebende Huhn gelegt hat? -
  • Und hör mal du! Woran zieht man mit dem Seil zuerst: am Dings oder an der Glocke? -
  • An der Glocke! -
  • Nein! Heute habe ich erneut entdeckt, dass man mit dem Seil an dem Dings zieht, und nicht an der Glocke. Du hattest Recht. Und sage mir, warum ausgerechnet du, wo du all diese Dinge weißt, nicht fähig bist, dir Nahrung zu beschaffen? Und warum ich, der ich ein unwissender Landbewohner bin, dich aushalten sollte? Ich wollte von dir nur gute Worte und Freundschaft! Aber jetzt, wo ich entdeckt habe, dass du eingebildet bist und auf Kosten anderer leben willst, indem du vorgibst von allem mehr zu wissen als alle anderen, geh weg! Und behalte auch deine lieben, lieben Freunde für dich, diese falschen Professoren, die genauso wie du niemals etwas geben können. Geh weg, geh weg, und iss das Dings und die Glocke! –
  •  
  •  
  • DAS MÄUSCHEN UND DER ELEFANT
  •  
  • Es war einmal ein Elefant, der vorhatte, eine lange Reise zu machen.
  • Es war einmal ein Mäuschen, das vorhatte, eine lange Reise zu machen.
  • Sie einigten sich und reisten zusammen.
  • Das Mäuschen nahm einen Stofffetzen und legte etwas Brot und etwas Käse hinein.
  • Der Elefant besorgte sich zwei große Körbe, stopfte sie mit Stroh voll und stellte sie sich auf den Buckel.
  • - Los geht‘s! - Und sie reisten ab.
  • Der kecke Elefant lief bequem auf seinen vier großen Füßen dahin und bewegte sich so, als ob die ganze Welt ihm gehöre und er schwenkte den langen Rüssel hin und her, dass der nur so durch die Luft pfiff.
  • Um mit ihm Schritt zu halten, bewegte das Mäuschen seine Pfötchen rasend schnell und stolperte so über die Enden des Stofffetzens. Es überschlug sich zwischen den Steinen und troff vor Schweiß wie ein undichter Wasserhahn.
  • Das Mäuschen war totenbleich und begann keuchend zu stammeln: - Warum? Warum hat die niederträchtige Natur mich so klein geschaffen? Die Verdammte! Konnte sie mich nicht ein Elefant werden lassen? Die Verdammte! Sie konnte mich zumindest eine Giraffe werden lassen! Die Verdammte! Ich hätte mich sogar damit zufrieden gegeben, ein Pferd zu sein. Die Verdammte! -
  • Der Elefant trompetete mit seinem Rüssel und das Mäuschen wurde gegen einen Baum geschleudert und blieb an einem Zweig hängen, weil der Stofffetzen mit dem Brot und dem Käse sich dort verfangen hatte. Und der Trompeter hatte dies nicht einmal bemerkt.
  • - Verdammt soll sie sein! Verdammt soll sie sein! Verdammt soll die Natur sein! Und schau dir einmal den dort an, der mich mit einem Atemstoß ruiniert hat! -
  • Und es fuchtelte hysterisch mit den Pfötchen, weil es hinunter wollte.
  • Und die so oft ‘Verdammte’ Natur erschien:
  • - Was schreist du? Was schreist du? Ich bin‘s, die Natur! Da bin ich! Schnell! Sprich! Ich muss gleich wieder fort. -
  • - Die … die … die Natur? Oh Gott, bist du wirklich die Natur? -
  • - Ja! Ich bin wirklich die Natur! Schnell! Sprich! Ich muss sofort wieder gehen. Oder besser … Warte mal, warte! Sei still! Ich habe schon alles verstanden: Du möchtest ein Elefant werden? -
  • Die Natur begann zu zählen, zählte eilig viele Nummern auf und sprach hastig:
  • - Du wirst ein Elefant sein und der Elefant wird ein Mäuschen sein; ich muss auf dieser seltsamen Welt dafür sorgen, dass die Rechnungen aufgehen. -
  • Und die Natur verschwand.
  • Der Ast brach unter dem zu großen Gewicht ab. Und das Mäuschen entdeckte sich als Elefant wieder. Als Erstes war er hungrig. Er blickte sich um und fand nur ein winziges Stückchen Brot mit Käse. Er verschlang es, aber ohne Wirkung, weil in seinem großen Magen so ein winziges Stückchen nur herumkullerte.
  • Wenig später entdeckte der Elefant, dass er ein Mäuschen war und er fühlte sich plötzlich von den Strohkörben zerquetscht und …
  • - Verdammte Natur! Warum? Warum bin ich nicht ein Elefant oder eine Giraffe? Aber … aber, aber ich bin ein Mäuschen und das macht nichts. Ja, ich bin ein Mäuschen. -
  • Und blutig gekratzt kam es unter der schweren Last hervor.
  • Es wurde Nacht und es wurde Morgen.
  • Das neue Mäuschen und der neue Elefant begegneten sich zufällig.
  • Der Elefant hatte eine lange Reise zu machen.
  • Das Mäuschen hatte eine lange Reise zu machen.
  • Sie einigten sich und machten sich wieder gemeinsam auf den Weg.
  • Der Elefant war sehr hungrig und blickte wie ein Verrückter um sich, um einige Grashalme zu finden. Es gab aber kein Gras, weil jenes Gebiet kahl und voller Steine war.
  • Das Mäuschen fand zufällig eine Kartoffel, es nagte davon die eine Hälfte ab und sättigte sich. Die andere Hälfte bot es dem Elefanten an, der sie gierig in den großen Magen hinunterschlang, was aber nichts nützte, weil die wenige Nahrung wie ein Wassertropfen in einem leeren Fass war.
  • Dann bekam er Durst. Das Mäuschen sah eine Pfütze, fand im Schlamm wenige Tropfen Wasser, trank sie und stillte seinen Durst. Dann rief es den Elefanten, aber der richtete nichts aus.
  • Die Sonne brannte unbarmherzig auf die Erde herab, es war zum Umkommen heiß und es gab nicht einmal ein wenig Schatten. Der Elefant war am Ende. Das Mäuschen fand den Schatten: Es fand einen Schatten in Form eines Elefanten und saß im Kühlen. Dann rief es den Elefanten, um ihm ein bisschen Schatten abzugeben, und seltsamerweise, wer weiß aus welcher Laune der Natur heraus, lief der Schatten immer vor dem Elefanten davon.
  •  
  • Es wurde Nacht und es wurde Morgen.
  • Das Mäuschen quietschte laut, weil es glücklich war: Es hatte zehn kleine Würmer gefunden und gefressen.
  • Der Elefant erwachte und versuchte mit Mühe aufzustehen: Seine Beine fühlten sich schwach an. Er zwang sich und stand auf.
  • Sie machten sich wieder auf den Weg und … und plötzlich brachen aus den Büschen viele Jäger hervor, die mit grinsenden Gesichtern den Elefanten verfolgten, um ihm das Elfenbein vom Maul zu reißen. Und dieser musste sich so sehr anstrengen, um sich zu retten, dass er dabei sieben Unterhosen durchschwitzte. Elefantenunterhosen!
  • Es wurde Nacht und es wurde Morgen.
  • Und … und der Elefant erwachte an einem Ort.
  • Und … und das Mäuschen erwachte an einem anderen Ort.
  • Das Mäuschen machte sich alleine wieder auf den Weg.
  • Der Elefant machte sich alleine wieder auf den Weg.
  • Der Elefant lief und lief und ... und plötzlich wurde er vor Durst und Hunger ohnmächtig. Die Sonne brannte voll auf ihn herab.
  • Da näherte sich ihm ein kleiner sonderbarer Mann, der ein Gesicht wie eine Biene hatte und schwarz wie ein Mistkäfer war. Er war eingehüllt in eine lange löcherige Decke und erfrischte ihn mit großen Eimern voll Wasser. So erholte sich der Elefant und der Mann fragte ihn mit seinem Besorgnis erregend dünnen Stimmchen: - Möchtest du für mich arbeiten und das ganze Leben lang ein Sklave sein? Es gibt viel großes und langes Holz zu tragen. Ich werde dir aber auch viel Wasser und viel Nahrung geben. Es ist das Beste für dich. Viele, viele Elefanten machen das schon, sie werden sicherlich an Altersschwäche und mit intaktem Elfenbein am Mund sterben. Los! Steh’ auf! Es ist das Beste für dich. -
  • Es wurde Nacht und es wurde Morgen.
  • Das Mäuschen wachte auf und quietschte vor sich hin und es verstand und dachte: - Was ist es doch manchmal für ein Glück, ein Mäuschen zu sein! -
  • Und … und was meint ihr dazu? Wollen wir dem Mäuschen eine schöne Katze begegnen lassen? Nein, nein! Machen wir es so: Lassen wir es in Frieden! Es verdient den Frieden, weil es sich immer mit wenig begnügt hat!

 

GUCCIO UND CIOPPINO UND DER ESEL FLÒ

  •  
  • Sabatino. Sabatino summte vor sich hin: - Der Glöckner Bruder Martin läutet die Glocke ding dang dong. Ding dang dong ... - Dann schrieb er eine weitere, lange, lateinische Regel auf Lateinisch und fühlte sich wie ein Pünktchen, zwischen den großen, schwarzen Massivholzbänken.
  • Seit er ganz klein und die Welt schön gewesen war, wollte Sabatino immer Glöckner werden. Aber die Glocken erschreckten ihn, weil sie ihm oben in den Glockentürmen riesig erschienen, und er dachte: - Wer weiß, ob es mir gelingen wird, sie zum Klingen zu bringen. - Und er sah sich von den Seilen auf den Glockenturm hinaufgezogen, mit ausgebreiteten Armen und Beinen im Leeren.
  • Die Lehrerin von Sabatino war schön und außerdem sang sie ihm vor: „Giro giro tondo com’è bello il mondo! Centocinquanta la gallina canta ...“ Und jetzt hatte er den Füllfederhalter in der Hand und wollte sich nicht weiter diese hässlichen, lateinischen Regeln auf Lateinisch diktieren lassen. Er wollte seine Lehrerin wiederhaben, die ihn unter dem Kinn streichelte und zu ihm sagte: „Orsù, orsù!“ *, und außerdem ... außerdem war es auf diese Weise geschehen, dass Sabatino Jesus „Gesù“ kennen gelernt hatte.
  • Pater Cuomo diktierte der ganzen Klasse die Regeln und er war schon sehr alt und wer weiß, ob er sich an die Melodie erinnerte: „Der Glöckner Bruder Martin läutet die Glocke ding dang dong!“
  • Wer weiß, ob sich Pater Cuomo wohl erinnert, „Der Glöckner Bruder Martin läutet die Glocke, ding dang dong! ... Giro giro tondo com’è bello il mondo ...“, und ob auch ihn die Lehrerin unter dem Kinn streichelte und ihm Mut machte und ob auch er, wenn er „orsù, orsù“ hörte, an Jesus denken musste? -, dachte Sabatino. – Und wer weiß, weshalb er nicht Glöckner geworden ist, Pater Cuomo! Vielleicht hatte auch er Angst vor den Glocken? Und auch er sah sich von den Seilen auf den Glockenturm hinaufgezogen, mit ausgebreiteten Armen und Beinen im Leeren? -
  • Und von Traurigkeit erfasst, begann Sabatino, einen Esel ins Heft zu zeichnen, der mit einem Strohhalm Pepsi Cola aus der langhalsigen Flasche trank; dann blinzelte er, mit vom Schulterror verdüsterten Augen, zu dem kleinen Hafenbecken hinüber, das sich hinter dem kleinen Brücklein verbarg, zu dem kleinen Hafenviertel von Pozzuoli, zu den Booten, und ein Boot hieß Flò.
  • Und Sabatino schrieb unter den gezeichneten Esel, der mit dem Strohhalm Pepsi Cola schlürfte: „Ich will der Esel Flò sein! Und nieder mit dem Latein!“
  • Und Sabatino lachte still eine ganze Minute lang vor sich hin.
  • Pater Cuomo bemerkte, dass er vor sich hin kicherte, mit dem Füller im Mund, und mit Schrittchen, so langsam wie eine Schnecke, lief er los, in dem Raum zwischen einer Schulbank und der anderen, und rief:
  • Schreibst du die Lateinregeln auf? -
  • Sabatino zitterte und machte das Heft zu und sein Herz begann mit hundertzwanzig Schlägen in der Minute zu rasen. Und der kalte Schweiß überschwemmte ihn kaskadenartig und so wurde er zu einer Prise Salz.
  • Lass mal das Heft sehen? Ah! Tüchtig, tüchtig ... du fängst früh an ... -
  • Pater Cuomo war ernst wie ein Soldat, die anderen Schüler drehten sich ruckartig um und bombardierten ihn mit Blicken. Er spürte, wie ihre Augen ihn kitzelten.
  • Tüchtig, tüchtig ... Wissen es deine Eltern, dass du der Esel Flò sein willst? Flò. Ich werde sie rufen lassen und dann werde ich es ihnen sagen ... So werden sie dich in einen Stall bringen, zusammen mit anderen Eseln. Somit werden sie nichts bezahlen! Deine Eltern haben dich ins Internat gebracht, damit du lernen sollst! Sie zahlen eine Menge, deine Eltern, damit du hier sein kannst, weißt du das? In Sankt Paulus. Und merke dir ... – , sagte er mit halb erhobenem Finger, – memini! Effrenate parve puer, Esel bist du und Esel wirst du bleiben ... saeculum saecolorum ... -
  • Pater Cuomo riss das Blatt mit dem Esel Flò darauf nicht aus dem Heft heraus und dann kratzte er sich mit der Hand an der Kutte und ging davon.
  • Der Glöckner Sabatino läutet die Glocken ding dang dong ... , läutet die Glocken ding dang dong ... Kopf hoch, gib einen Kuss wem du willst, gib einen Kuss wem du willst!
  •  
  • Der Zwerg Cioppino schlief die ganze Nacht nicht.
  • In einem Weinkeller des Dorfes Porcospino, während dem einen und dem anderen Glas Wein, hatten am Abend vor diesem Morgen Cioppino und andere Bauern, und außerdem war da auch noch der sabbernde Zwerg Nenio, begonnen, ernsthaft darüber nachzudenken, warum eine Menschenrasse die so aussah, hier entstanden war, und eine andere Menschenrasse, die soundso aussah, dort entstanden war.
  • Mit etwas flachem Gesicht und Mandelaugen kommen sie dort zur Welt und ... und jene anderen, die Hellblonden, mit der Haut, weiß wie Frischkäse, sie sind da geboren und sie sind groß, groß wie die Pinie da hinten ... Da hiiinten! Und klein, klein wie ein Cello, sind sie im Dorf Trabello.
  • Die Diskussion war entstanden, weil man in einer Straße des Dorfes Porcospino, gerade dort wo sich der kleine Bauernhof von Cioppino befand, drei Abende zuvor eine rote Ziege hatte entlang trippeln gesehen.
  • Man hatte aber in Erfahrung gebracht, dass Guccio, der Sohn des Schreibwarenhändlers, der vor Zeiten von zu Hause ausgerissen war um mit einer Freundin im Schlaraffenland zu leben, aus dem Geschäft seines Vaters die Farben herausgeholt hatte, die hätten verkauft werden sollen, aber nie verkauft worden waren, und er hatte begonnen, die Ziege des Großvaters rot anzumalen. Und er hatte sie sehr, sehr rot angemalt, so gut, dass man meinen konnte, sie wäre wirklich rot auf die Welt gekommen. Von dort war die Diskussion ausgegangen ...
  • So und so beschaffen und da und dort geboren!? – , murmelte entschieden Cioppino, mit dem Kopf in das Kissen versunken, welches aus Maisblättern gemacht war.
  • Warum wurde König Formisino als König Formisino geboren und regierte das Dorf Porcospino? – , plapperte Elektra, die Schwester von Cioppino, die mit dem Bruder im selben schönen Bett schlief.
  • Nein! Was hat der König Formisino damit zu tun? Der König Formisino mit den Rassen ... Du hast nichts begriffen ... Du redest ins Blaue hinein! Du überlegst nicht! Iss lieber Klebstoff! Kleeebstoff ... Damit du den Mund hältst! -
  • Vielleicht, vielleicht wird dieses Geheimnis ...
  • Und Cioppino stand früh morgens vom Bett auf und zog sich an und wusch sich und holte den Esel Flò aus dem Stall heraus und ritt mit ihm fort.
  • Wo gehen wir hin? – , sagte iahend der Esel Flò, der noch vom Schlaf verklebte Augen hatte.
  • Zu Guccio, weil ich ihn fragen will, warum er die Ziege angemalt hat, und warum ausgerechnet feuerrot. -
  • Weil er doof ist! – , antwortete der Esel Flò.
  • Mag sein. Aber die Medizin, die ich dir gebe, damit du nicht stirbst, hat man auch aus Schimmelpilzen gemacht! Unter den hässlichsten Dingen kommt oft, wenn du ein wenig kratzt, etwas Gutes heraus; deshalb, wenn Guccio die Ziege rot gemacht hat, kratze, kratze ... was kommt dabei hervor? -
  • Und auf der Piazza, unter einem sehr grünen Baum, da war Guccio. Mit kohlschwarzen Ringen unter den Augen, von den Schlägen, die er bezogen hatte, saß er auf der Rückenlehne einer Bank.
  • Guccio! Was tust du hier am frühen Morgen? Auf der Rückenlehne der Bank sitzend? -
  • Ich tue was ich tun muss – , antwortete Guccio, ganz fertig vor Ärger.
  • Oh Gott, wie haben sie dich denn zugerichtet! Wo ist die knallrote Ziege? –, fragte ihn Cioppino.
  • Sie haben sie gewaschen! Sie haben sie gewaschen! Diese Schurken! -
  • Und warum hattest du sie rot gemacht? Um Prügel zu beziehen? -
  • Nein. Weil hier im Dorf Porcospino alles weiß ist und ich mir also dachte, da mache ich die Ziege rot! -
  • Guccio, aber ... vielleicht ... hätte die Natur sie an einem weißen Ort weiß gemacht, damit sie nicht auffällt. Das wird es sein. -
  • Aber die Ziege ist weiß. -
  • Schon! Aber es gibt auch schwarze Ziegen. -
  • Ja. Aber hier haben wir weiße Ziegen ... Danach erst haben sie das Dorf Porcospino gebaut: So weiß, dass es deine Augen blendet! Die Natur wusste nicht ... -
  • Iaaaah, Iaaaah -, machte der Esel Flò.
  • Schon, schon, das ist wahr. Still Flò! -
  • Ich weiß nicht recht! Ich habe sie rot gemacht! Ich sah sie rot, die Ziege, in einem Dorf, das ganz aus weißen Häusern besteht. Damit man sie bemerken sollte. Auch die Natur macht das in gewissen Fällen. Nicht immer will die Natur unauffällig sein. Außerdem gibt es die Anpassung ... Die Giraffe zum Beispiel, mit ihrem endlos langen Hals, die Giraffe hat sich einen langen Hals wachsen lassen ... -
  • Wer hat das gemacht! Den Hals der Giraffe lang? -
  • Sie selbst. Die Giraffe! –
  • Sie selbst? Früher hatte die Giraffe einen kurzen Hals? -
  • So sagt man. Cioppino, die Dinge sind kompliziert. -
  • Sehr kompliziert – , nickte Cioppino und stellte sich dabei auf die Zehenspitzen.
  • Die Natur schafft das Leben ... dann, aus dem einen oder dem anderen Grund, ändern sich die Dinge, man hat eine andere Umgebung und die Lebewesen passen sich entweder schön langsam an, oder sie verschwinden! -
  • Und der Esel Flò schnaubte heftig mit den Nüstern über die Erde, wo ein kleiner Ameisenhaufen war, und er ließ die Puppen durch die Luft fliegen und Cioppino drückte seine kleinen, schwieligen Händchen gegen die Stirn, wie ein Kind.
  • Meine Ziege ist immer noch eine Ziege, verstehst du? Egal ob sie weiß oder rot ist! Und hier in Porcospino sehe ich die Ziegen rot. Als die Natur die Ziegen verteilte, hat sie sie auf der Grundlage der Farben verteilt, des Lichtes ... der Welt. Das schneeweiße Dorf Porcospino ... gab es da noch nicht! Die Natur hört uns zu, manchmal spricht sie zu uns, ganz langsam wechselt sie die Knöpfe an ihrem Kleid. -
  • Aber ... darin liegt der Anfang ... Du sagst Dinge, die eines Professors würdig sind, Guccio. Da habe ich die Fäden des Betrugs in der Hand! Des wahren Betrugs. -
  • Und der Esel Flò lachte und iahte wie ein Dummkopf.
  • Und Cioppino dachte nach und dachte nach, vier Nächte lang und drei Vormittage, und er grub keine zwei Frösche aus hundert Löchern aus, aber eine Fliege mit gebrochenen Beinen.
  • Und dann verzichtete er darauf, weil die Sache schwierig zu begreifen war ...
  • Und es trug sich zu, dass eine Tante von Cioppino starb, und weil sie keine Kinder gehabt hatte, hinterließ sie ihm und seiner Schwester alles was sie hatte: Drei Stück Ackerland.
  • Die drei Äcker befanden sich jeweils in der Nähe dreier verschiedener Dörfer. Und Cioppino konnte nachts nicht mehr schlafen, weil er das Land hier und dort zu bestellen hatte.
  • Wann hat mir Tante Partorina das Land gegeben, damit ich es bearbeite? Ausgerechnet jetzt, wo ich alt geworden bin und bald sterbe! -, sagte er mit zeternder Stimme zu seiner Schwester Elektra.
  • Keife nicht herum! Verkaufe es! -
  • Ich verkaufe es nicht! Keife du nicht! -
  • Und er begab sich mit dem Esel Flò zu einem der drei Äcker, beim Dorf der Karotten, um tatsächlich Karotten zu sähen.
  • Er band den Esel an einem schattigen Plätzchen an einer Kartoffelpflanze an, und mit dem Sack voller Samen auf dem Rücken, stapfte er auf dem Feldweg los.
  • Ein winziges Mäuschen huschte ihm über die Schuhe und dann lief es davon. Eine Zikade sah ihn an und murmelte einer kleinen Ameise alles zu, was ihr gerade in den Sinn kam.
  • Eine riesige Hornisse kreiste einige Male brummend um ihn herum und wollte ihm in den Kragen hineinschlüpfen, bei einem Loch, das er im Unterhemd hatte, und Cioppino erschrak, und als er die Händchen hob, um sie zu vertreiben, rutschte er weg und fiel in einer Drehbewegung hin, wobei er sich in den Dornenhecken verhedderte. Er bekam überall am Körper Blasen von den Brennnesseln und die Karottensamen kamen haufenweise aus dem Sack heraus und verteilten sich auf der Erde.
  • Cioppino war todmüde, zumal er an diesem Tag schon am frühen Morgen losgegangen war um die Birn- und Mandelbäume im Dorf Porcino und im Dorf Biancospino zurückzuschneiden.
  • In seinem Bauch rumorte es, weil er den ganzen Tag über nur ein bisschen Brot, eine Tomate, eine Zwiebel und drei Tropfen Wein bekommen hatte.
  • Fix und fertig und ärgerlich ließ er den Sack mit den Karottensamen auf der Erde liegen und er setzte sich unter eine dichte, grasgrüne Hecke.
  • Im Dorf der Karotten gibt mir die Erde nur Karotten und wenig anderes, im Dorf Porcino gibt mir die Erde nur Äpfel und wenig anderes und im Dorf Biancospino gibt mir die Erde nur Mandeln und ich muss neue Werkzeuge kaufen ... Und sieh mal: Ich habe vier Äcker in vier verschiedenen Dörfern und muss überall etwas anderes aussäen! Donnerwetter, Tante Partorina! Jetzt, wo ich alt bin! Schon, schon, hier ist die Erde so beschaffen, dort ist sie anders ... Es wäre schön, wenn all das Land, das ich habe, mir nur Äpfel geben würde! Äpfel sind teuer auf dem Markt von Flappoli! – , rief er aus.
  • Und dann schlief er ein.
  • Er hatte sich zusammengerollt wie ein Kind. Er schnarchte dreimal.
  • Wo mag nur der Esel Flò hingegangen sein? Ah, dort ist er. Angebunden an der Kartoffelpflanze. Die Natur kann alles und ... Feuchter Boden ... kalkreicher ... stickstoffhaltiger Boden, ammoniak- und nitrathaltig ... Das Pferd und der Affe und die Eule ... und der Hund und die Katze und die Maus ... Es ist schön so! ...Vier Stück Land, hier und dort. Das Pferd und der Affe und die Eule ...
  • Oh Mutter Gottes! Der Esel Flò hat sich auf dem Land verirrt, er hat sich losgemacht, weil er die Kartoffelpflanze aufgegessen hat.
  • Elende Schweinerei! Wie konnte er nur die Kartoffel essen? Der Esel Flò hat noch nie Kartoffelpflanzen gegessen! Wo mag er nur hingegangen sei? Der Dummkopf hat sich befreit! -
  • Und: - Such hier und such dort und bleib hier stehen und bleib dort stehen und lauf und lauf ! -, die ganze Nacht hindurch... Cioppino gelang es nicht, den Esel Flò zu finden. Und er sah hohe braune Berge und dann niedrige Berge mit Schnee darauf und mit vereinzelten Bäumen, dann einen Bären, der einen Bienenstock zerstörte und den Honig daraus verzehrte und sich mit den Pfoten auf die Brust schlug, und dann einen Wolf und ein Krokodil namens Othello, das gemütlich Äpfel knabberte, die auf einem Schemel lagen, im Dorf Trabello.
  • Und da tritt aus einem kahlen Gebüsch die Natur hervor, eingehüllt in einen gelbgrünen Mantel.
  • Suchst du den Esel Flò? – , murmelte sie.
  • Oh Gott, oh Gott! Wer bist du? -
  • Die Natur! Der Esel Flò ist losgegangen, sich eine Eselin zu suchen, weißt du? Der Esel Flò weiß, seit er geboren ist, und das sind neun Jahre her, nicht wie eine Eselin geschaffen ist! Er weiß nur, dass die Eselin einen Schwanz wie ein Handfeger hat! Er muss säen, der Esel Flò. Verstanden? Die Esel verschwinden langsam vom Antlitz der Erde! Verstanden? -
  • Cioppino zitterten die Ohren.
  • Sie... wirklich die Natur? -
  • Ja. Guten Abend. Willst du noch Fragen stellen ... so und so gemacht und wie und wo geboren... ? Vielleicht? Ja? -
  • Aahh! Wie gemacht und was und wo geboren! Ja, ja! -
  • Die Natur macht ein wenig dasselbe wie der Bauer ... Alle lebenden Arten habe wirklich ich ausgesät, weißt du das? -
  • Wie ... wie? Auch den Esel Flò? Ja? Wirklich? -
  • Die Natur nickte.
  • Also erzähle, erzähle! -
  • Ja. Den Ururgroßvater des Ururgroßvaters des Esels Flò, den habe ich gesät, und dann und dann ... haben sie alles selber gemacht, die Esel! -
  • Und Guccio? -
  • Den Ururgroßvater des Ururgroßvaters, ja, das war ich. -
  • Und bei mir? -
  • Auch ich! Bei allen lebenden Wesen. Mit ganz vielen Säcken voller Samen. Ganz, ganz, ganz viele Säcke und viele Samen für jede Art. Wie es der Bauer macht. Diese Samen für diesen Boden ... andere Samen für andere Böden ... Mandeln hier und Birnen dort ... Bei den Pflanzen habe ich es so gemacht und bei den Tieren, die Menschen eingeschlossen ... Genauso! -
  • Cioppino war noch mehr zusammengeschrumpft und während er verblüfft die Natur betrachtete, sprach er leise: - Flò lebt hier und das Kamel lebt dort. Wegen der Samen? -
  • Ja. In der Wüste erwachte der Samen des Kamels zum Leben. -
  • Aus Kamelsamen? -
  • Ja! Genau so! Am Anfang war es so! Dann, als ein Lebewesen herangewachsen war ... zum Beispiel ... Nun kann Flò ... die Hufe in die Wüste setzen; für kurze Zeit, wenn er sich gut schützt in einer Hütte und ... und wenn er ein bisschen hinausgehen wollte, müsste er sich eine Decke überziehen. Dort brennt die Sonne unendlich heiß. -
  • Aber ... Aber jetzt säst du nicht mehr aus? -
  • Ich säte die Ururgroßväter der Ururgroßväter der Ururgroßväter ... Dann, mittels der ersten Samen wuchsen die Lebewesen heran und produzierten wieder Samen ... Jetzt ist meine Aufgabe beendet. Hin und wieder komme ich hierher um zu sehen, wie ihr das Aussehen der Erde verändert habt. -
  • Wie „das Aussehen der Erde“? -
  • Ja. Mit Intrigen und mit Kriegen! -
  • Ah, schon! Die Kriege. Schä...schän...schändlich, die Kriege! Donnerwetter: Ich bin so erschüttert, dass ich das Wort nicht herausbrachte. -
  • Jenes Lebewesen ist so hässlich ... Jenes andere ist so nicht recht ... Diese Rasse hier, jene Rasse dort ... Ich dachte, dass der Mensch das perfekteste aller Lebewesen sei ... Er hat die Naturgesetze auf den Kopf gestellt! Ihr habt nicht das Geringste verstanden. Ich bin die Natuuur!!! Versteht ihr? Alle Lebewesen sind schön! Schööön! Ja! Diese hier und jene dort und überall! -
  • Und die Natur zog eine furchterregende Grimasse und dann setzte sie sich ins grüne Gras und weinte und weinte eine ganze Weile lang. Und aus ihren Augen kamen ganz viele grüne Tränen heraus und ein Grashalm.
  • Cioppino hatte einen ganz starren Blick bekommen.
  • Der Erste erschafft, der Zweite erhält und der Dritte zerstört! `A fatica mia … Meine Arbeit, meine Mühe ... -
  • Wie? -
  • Nichts, nichts. Das ist neapolitanisch. „`Sti quattro scicchignacchi dint‘ `a butteglia“ * * ...Was begreifen sie schon! Geh, geh, den Esel Flò suchen, er hat schon gesät. -
  • Und da wachte der brave Cioppino auf, schüttelte die Müdigkeit ab, indem er sich an den niedrigsten Ästen eines kleinen Pflaumenbaumes hochhangelte, gähnte dreimal und dann noch eineinhalbmal, und wie er so dastand, mit offenem Mund, halb aufgerichtet, da erblickte er den Esel Flò.
  • Zunächst klaubte er die Karottensamen von der Erde auf und dann ging er zu ihm hin und fragte ihn, ob er tatsächlich die Kartoffelpflanze verzehrt habe.
  • Ah, hast du sie aufgegessen, die Kartoffelpflanze? -
  • Vielleicht ja, vielleicht nein – , antwortete der Esel Flò.
  • Ah, du hast sie gegessen, und nicht das Stachelschwein! Dir schmeckte die Kartoffelpflanze doch nie! Vielleicht ja, vielleicht nein? Und wer wird dich je wieder an einer Kartoffelpflanze anbinden? Siehst du das hier? Das sind Karottensamen, und wenn ich sie ausgesät haben werde, und wenn sie gewachsen sein werden, dann werde ich dich an den Karotten festbinden! -
  • Dann kletterte er auf Flòs Rücken, wobei er sich am Zaumzeug fest hielt, welches aus ineinander verflochtenen Schnüren bestand, und brav machten sie sich auf den Heimweg.
  • Und so trotteten sie dahin, wie zwei betrunkene Kumpane, zuerst geradeaus, dann weniger geradeaus, auf der weißen staubigen Straße, heim zu den weißen Häusern in dem weißen Dorf Porcospino.
  • Eh, Flò, heute hätten wir beinahe, um ein Hennenhaar hätten wir die rote Ziege gehabt! Aber sag mir Flò, hast du wenigstens gesät? Du bist davongelaufen, weil du die Kartoffelpflanze gegessen hast und ... aber hast du gesät? -
  • Iaaaah, iaaaaah! – , iahte der Esel Flò, – vielleicht nein vielleicht ja! -
  • Und ich dagegen, hier ... siehst du? Ich habe ein nebulöses Durcheinander in meinem verwirrten Gehirn. Wer weiß, wer weiß, vielleicht habe ich geträumt? Kennst du das Kamel? Eh, Flò! Ich habe wirklich geträumt. Aber ob es wohl wahr ist? Ah, ah, ah! Die Natur! Es würde mir gefallen, die Natur zu sein, weißt du? ... Flò! Jetzt, wenn wir im Dorf ankommen, weißt du was ich tue? Rate mal! Ich kaufe Farbe und ich mache dich grün wie das Gras, ah ah ah, und verlass dich drauf, niemand wird dich abwaschen! Und du sei still! Mache nicht iaaah! Ah, ah, ah ... Alles weiß ... und hellgraue Esel, fast wie das Weiß in Porcospino! Das geht wirklich nicht. Das geht nicht. -
  • Und der Esel Flò iahte, iahte und iahte.
  • Und dann.....................................................................................................
  • Dann gefiel sich Flò in Grün und er blieb so und es begegnete ihm ein schönes hellblaues Kind und es schloss Freundschaft mit ihm und es ritt auf ihm.
  • Und Guccio?
  • Und Guccio überlegte und überlegte und malte sich schwarz an und er gefiel sich so gut, dass er so blieb.
  • Und ... und die Leute dort, von dem Ort?
  • Sie überlegten, überlegten, überlegten, und alle malten sich mit Pinseln und Lackfarben in tausend und abertausend Farbtönen an und machten das Dorf Porcospino so schön bunt wie einen Regenbogen am Himmel; dann schrieben sie an die Hauswände: „HOCH SOLLEN SIE LEBEN! GUCCIO UND CIOPPINO UND DER ESEL FLÒ!“
  • Und ... und der Papa von Guccio? Er wurde reich. Er verkaufte die Farben kübelweise! Und vor Freude malte er die Ziege wieder rot an.
  • Und Elektra? Nichts zu machen. Sie wollte nicht einmal Lippenstift benutzen!
  • Und jeden Abend, während Cioppino mit seinem kleinen Mündchen musikalisch schnarchte, schlief sie so im großen Bett ein, mit dem weißen Nachthemd, mit der weißen Haube auf den Haaren, die jeden Tag weißer wurden, und sie träumte davon wunderbare Abenteuer zu erleben, mit dem König Formisino, am Ufer des Flusses, im Wald von Porcospino.
  • Teil eines Kinderreimes. Wörtlich: Ringelreihen, wie schön ist die Welt! Hundertfünfzig die Henne singt ...
  •  
  • * Nur Mut, Kopf hoch!
  •  
  • * Diese vier Männchen, die in der Flasche auf und ab springen. (Neapolitanische Redensart)

DIE SCHNECKEN

  •  
  • Am Abend und am frühen Morgen regnete es so sehr, dass sich der Bauer Cioppino mit dem Esel Flò zu Tittino, einem Freund von ihm, begab, und ihn einlud, zwischen den Dornen nach Schnecken zu suchen.
  • Tittino, Tittinooo, ich bin’s, Cioppino! Cioppino. -
  • Welcher Cioppino!? – , kam unversehens, wie der Blitz, dieser Satz aus einem winzigen Landhaus, bei welchem mitten aus dem Dach eine majestätische Palme hervorspross!
  • Cioppino aus Porcospino! Wo bist du? Ich sehe dich nicht! -
  • Ich rasiere mir gerade die Härchen ab. -
  • Welche Härchen? Ich sehe dich nicht, wo bist du denn? -
  • Ein großer Hahn von muskulösem Aussehen pickte mit dem Schnabel, der wie eine Zange aussah, nach den Hufen des Esels Flò. Und Flò begann auszuschlagen und zu iahen.
  • Was ist los mit dir, Flò? -, murrte Cioppino verwirrt.
  • Iaaah iaaah! Jag den Hahn fort, er kitzelt mich an den Hufen! – , iahte Flò und hielt dem Himmel sein langes, bananenförmiges, ungläubiges Eselsgesicht hin.
  • Ksch, ksch, böser Hahn, geh zur Henne! -
  • Und der ging noch ein wenig weiter nach vorne, vor die Augen von Flò, und Flò versetzte ihm einen Tritt in den Hintern und der Hahn floh mit hoch erhobenen Flügeln!
  • Und aus einem kleinen Türchen trat Tittino heraus, mit blutigem Gesicht.
  • Was willst du Cioppino? – , sagte Tittino.
  • Mutter Gottes, wie hast du dir dein Gesicht zugerichtet? Hast du mit den Katzen gestritten? Es scheint, dass eine Verrückte sich mit Krallenhieben über dein Gesicht hergemacht hat. -
  • Nein. Ich habe mich rasiert ... mit dem Rasierer ... schau her! –
  • Aber ... siehst du denn nicht, dass der Rasierer ganz verrostet ist? Kauf dir doch einen neuen, im Supermarkt! -
  • Ja, ja, du hast Recht. Lässt du mich auf dem Esel Flò zum Supermarkt reiten? -
  • Iaaaah, iaaaah! -
  • Natürlich nicht. Still Flò. Einen Esel leiht man nicht aus. Flò hat nie einen Huf in einen Supermarkt gesetzt und deshalb sagt er iaaah. Es hat begonnen zu regnen, gehen wir Schnecken suchen, zwischen den Dornensträuchern! Man findet sehr viele davon! Wir ertränken sie mit Wein. -
  • Eh? -
  • Bist du taub? Du hast wohl die Ohren mit Ohrenschmalz verstopft, Tittino! -
  • Ah, wir ertränken sie mit Wein? Gehen wir! Warte, ich nehme den Schirm mit. Und ... und wo gehen wir hin? -
  • In den Libellenwald. -
  • Und Cioppino und Tittino vertrauten sich dem Esel an und ritten los.
  • Flò trippelte ein bisschen und Tittino sagte zu Cioppino: - Aber wo tun wir die Schnecken denn hinein? In den Schirm?
  • Wir haben vergessen, die Körbchen mitzunehmen! -
  • Ja, in den Regenschirm. Ich habe den Hut! -
  • Der Esel Flò iahte und schwankte.
  • Hör auf Flò! Du vertreibst die Schnecken! -, zeterte Cioppino.
  • Isst Flò sie denn, die Schnecken? – , fragte Tittino.
  • Flò mag keine Schnecken. Er mag gebratene Sardellen. -
  • Gebratene Sardellen? Und trinkt er Wein? -
  • Er trinkt ihn. Ein bisschen Weißen und sehr viel Roten. -
  • Flò war nicht daran gewöhnt, zwei Personen auf seinem Rücken zu tragen, und auf dem Weglein, das in den Wald führte, begann er mit seinen Hufen, um die sich Dornenranken gewickelt hatten, zu rutschen und zu schlittern.
  • Steig ab vom Esel, Tittino! Flò wird ohnmächtig. -
  • Und nur Cioppino blieb auf dem Esel sitzen.
  • Flò bekam Atemnot und verdrehte die Augen und streckte die Zunge heraus.
  • Cioppino, Flò hat eine gelbe Zunge! -
  • Kümmere dich nicht darum! Er bekommt sie, wenn er arbeitet, die gelbe Zunge. Geh nach hinten und schiebe Flò. Vorwärts Flò! Mach schon Flò, tritt fest mit den Hufen auf, damit du dich in der Erde einhaken kannst. -
  • Und Flò gelang es, die Hufe auf ein ebenes Stück Erde, klein wie ein Taschentuch, zu setzen und dann entdeckte er mit müden Augen eine Libelle, die mit ihren Flügeln die kühnsten Sturzflüge ausführte, und er blieb stehen.
  • Iaaah, iaaaaah, iaaaaaah ... – , machte er immer wieder, und, indem er einen Huf hochhob, wollte er zeigen, dass dies dort der Wald war!
  • Und dort im Libellenwald band Cioppino den Esel Flò an einer Ginsterpflanze fest.
  • Und Tittino mit dem Schirm und Cioppino mit dem Hut, so begannen sie Schnecken zu suchen, zwischen Dornsträuchern und Kastanienstrünken.
  • Tittino, ich habe eine schöne große Schnecke mit buntem Häuschen gefunden! – Und während Cioppino sie in den Hut legte, streichelte er sie und gab ihr den Namen Lorella. Vom Waldboden stieg der Duft von Alpenveilchen auf.
  • Tittino, ich habe drei kleine Schnecken gefunden! – Und während er sie in den Hut legte, streichelte er sie und nannte sie Ornella und Manuella und Fusella. Und Tittino sah eine schöne Schnecke, und als er sie fangen wollte, verhedderte er sich mit dem Regenschirm in den Dornen; und er schaffte es nicht mehr, aus diesem Gestrüpp herauszukommen! Er verkratzte sich die Ohren und die Nase und dann, ganz langsam, mit dem Kopf nahe der Erde, wie ein Kaninchen, schaffte er es, mit nicht geringen Schwierigkeiten, hinaus zu gelangen.
  • Und Cioppino lachte und lachte mit seinem kleinen Mündchen. Tittino aber gelang es, die Schnecke zu fangen, und er setzte sie in den Schirm.
  • Fünfzehn Schnecken! – , schrie plötzlich Cioppino, - fünfzehn Schnecken auf einem Haufen! Sie sind alle schön. - Und während er sie in den Hut setzte, streichelte er sie alle und nannte sie Orsetta, Coniglietta, Tarquinia, Gelsomina, Pierina, Faustina, Geppina, Nina, Clementina, Partorina, Budina, Peppina, Giacomina, Pasqualina und ... und Eldorada!
  • Und das Gesicht von Tittino wurde gelb und grün, als er den Hut von Cioppino sah. Er hatte nur eine einzige Schnecke im Schirm!
  • Cioppino, warum legen wir sie nicht zusammen, die Schnecken? Bilden wir eine Gesellschaft. Wir legen sie alle zusammen, meine Schnecken und deine, im Hut oder im Schirm? -
  • Tittino, sag mir, willst du es so machen, wie meine Schwester? Wer wenig hat, will seine Sachen mit dem mischen, der viel hat, und dann halb und halb teilen oder noch ein wenig mehr? Bist du bescheuert? -
  • Ich bescheuert? – , antwortete Tittino.
  • Und gemeinsam, einer neben dem anderen, liefen sie über abschüssiges Gelände und Tittino fädelte ganz vorsichtig und langsam die Spitze seines Schirmes zwischen die Beine Cioppinos ein! Und Cioppino rollte mit den Schnecken im Hut hinunter, und auch Tittino, der sich absichtlich fallen ließ, rollte ganz vorsichtig und langsam hinunter, mit seiner Schnecke im Schirm!
  • Hast du dir wehgetan, Cioppino? Oh Gott, oh Gott, deine und meine Schnecken haben sich vermischt. Vermischt, verstehst du? Und was machen wir jetzt? -
  • Was soll das heißen, ‚was machen wir jetzt‘? Du wolltest sie absichtlich miteinander mischen, deine Schnecke mit meinen, und dann willst du halbe-halbe machen! Genau wie es meine Schwester immer gemacht hat! Du hast mir die Schirmspitze zwischen die Beine gehalten und ... und das tut man nicht! Tittino, du bist ein kleiner Schwindler! -
  • Was, ... ich die Schirmspitze? ... Aber was denkst du dir da aus, Cioppino? Das Gestrüpp! Auch ich bin hingefallen. Und außerdem hatte ich jede Menge Schnecken im Schirm! -
  • Und der Esel Flò, der die Ginsterpflanze aufgegessen und sich befreit hatte, war dorthin gelaufen, und nachdem er gesehen hatte, wie sich die Szene abgespielt hatte, begann er zu schreien wie ein Irrer! – Iaaaah, iaaaaah, iaaaaah! -
  • Was lachst du, Flò? Hast du den Ginster aufgegessen und dich befreit? Eh, du wolltest den Ginster doch sonst nie essen! Du mochtest ihn nicht. Das nächste Mal werde ich dich an einem Steinpilz festbinden. -
  • Und Cioppino war ganz schwarz vor Schlamm, nachdem er vom Boden aufgestanden war.
  • Tittino, du hattest nur eine Schnecke im Schirm! -
  • Das ist nicht wahr! Viele! -
  • Warte und du wirst es sehen! -
  • Und Cioppino, der seinen Hut von der Erde aufgehoben hatte, begann seine Schnecken zu rufen:
  • Lorella, Ornella, Manuella, Fusella, Orsetta, Coniglietta, Tarquinia, Nina, Gelsomina, Pierina, Faustina, Geppina, Clementina, Partorina, Budina, Peppina, Giacomina, Pasqualina und ... und Eldorada! -
  • Und die Schnecken stellten sich auf, alle in einer geraden Reihe, und sie krochen schön langsam in den Hut.
  • Und auf der Erde war brav Tittino‘s Schnecke zurückgeblieben, die mit leiser Stimme rief:
  • Ich will nicht in deinen Schirm hinein! -
  • Gut. Geh nur in den Hut, geh ruhig in den Hut! Vermische dich, los, los, für den Rest sorge ich! – , zwitscherte Tittino.
  • Ohne Namen bleibe ich hier auf der Erde. Es ist nicht gerecht, dass... -
  • Und Cioppino und der Esel Flò lachten sehr, und die Schnecken, mit ihren phantasievoll bunten Häuschen, die es sich schön artig bequem gemacht hatten, im Hut, sie wurden in Ruhe ... und im Wald gelassen!
  • Weil ... weil sie die Freundinnen von Cioppino und dem Esel Flò und von Tittino geworden waren und nicht mehr gegessen werden konnten!
  • Und außerdem hatten Tittino und Cioppino und der Esel Flò allen Grund, wegen der Schnecken zu lachen ... Clementina, Partorina, Budina ... im Weinkeller des Dorfes Porcospino, und Wein zu trinken und Brot zu essen, und viele Feigen!

 

 

 

 

 

ZERRISSENE SEITEN

  •  
  • Es war später Vormittag und Gioppino verließ sein Häuschen, das in einen Felsblock eingefügt war, mit ganz vielen Fensterchen, wie die eines Schlosses. Und der Hahn hüpfte mit seinen kräftigen Beinen stolz auf die Mauer und hielt sich für einen Falken, mal krähte er morgens, mal krähte er nicht, und auch die Henne war da, und weil sie so klein war wie ein Küken, hatte sie sich geweigert Eier zu legen. Auch, weil der Hahn sie sowieso verspeiste, und die Henne in seiner Willkür in den Kopf pickte. Außerdem waren da die sieben Frösche, die in einem Bottich saßen und es endlich geschafft hatten, eine Kaulquappe großzuziehen. Eine ganz kleine! So klein!
  • Die Sonne schlief noch, sie hatte sich beim Aufgehen verspätet.
  • Die Luft war frisch und in den Feigenbäumen schnäbelten die Amseln.
  • Und um das Land sauber zu halten gab es einen sabbernden Zwerg namens Menio, der eigens dafür aus dem Dorf Orciasi gekommen war. Geboren und aufgewachsen war er in einem Märchenbuch eines Autors, der ein bisschen verrückt ist.
  • Menio war sehr befreundet mit Gioppino, auch wenn er ihn einst, als er ihn noch nicht kannte, hatte einsperren lassen, nachdem er den Esel Flò der Königin zurückgegeben hatte. Und Cioppino aus dem Dorf Porcospino, der Onkel von Gioppino, war geflohen. Dann entdeckte man, dass der Esel Flò gar nicht der Königin gehörte. Eine sehr komplizierte Angelegenheit.
  • Tatsache war, dass Menio und Gioppino früher in zwei unterschiedlichen dicken Märchenbüchern lebten, die eines auf dem anderen auf einem kleinen, rustikalen Holztischchen lagen, das in einer großen Küche in der Ecke stand, und, dass dann ein kleines Kind, dem der Rotz aus der Nase lief, und das weinte, weil das Kindermädchen ihm keine Schokolade geben wollte, aus Trotz begonnen hatte, den Spielsachen, die im Hause waren, Fußtritte zu verpassen, und es hatte ein Glas zerbrochen, und dann hatte es sich die Bücher gegriffen, und mit den Händchen, die ganz und gar aus Nerven bestanden, hatte es begonnen, die Seiten herauszureißen, und diese hatte es dann in kleine Schnipselchen zerfetzt! Und dabei ein Durcheinander veranstaltet!
  • Das Kindermädchen war mit fliegenden Beinen gerannt, und, nachdem sie ihm die Nase geputzt hatte, und das Kind mit ganz viel Schokolade zufrieden gestellt hatte, hatte sie so gut wie möglich, mit heiliger Geduld und ganz viel Klebstoff und Klebeband, die vielen Schnipselchen wieder vereint ... Und in dieser Anhäufung zerrissenen Papiers begann sie von Kopf bis Fuß zu schwitzen. Einer der beiden Einbanddeckel eines Buches war verschwunden. Das Kindermädchen wusste aber nichts von seiner Existenz, und, ohne es zu erkennen, dachte sie, dass das Ganze nur ein einziges Buch sei!
  • Und die halben, zerrissenen Seiten wurden so ... per Zufall wieder zusammengefügt ... Um eine ganze Seite daraus zu machen. Und jedes Blatt hatte sie schön zusammengestellt aus einer halben Seite aus dem einem Buch und einer halben aus dem anderen ... und jede halbe Seite war zusammengesetzt worden aus kleineren und ein bisschen größeren Papierschnipseln ... hier ein Schnipsel von einer Seite, da ein Schnipsel von einer anderen Seite, nachdem diese bereits ihrerseits aus zehn und dreissig noch winzigeren Papierschnipselchen zusammengesetzt worden waren, die wundersam zusammenpassten!
  • Und ein Schnipselchen, das ein „Fü“ trug wurde an eines angeklebt, das ein „chsin Schiel“ trug, und noch an ein anderes auf dem „auge“ stand. Und dabei war die ‚Füchsin Schielauge‘ herausgekommen, und Punkte und Kommas und Strichlein und Namen und Zahlen, alles eine Mischung! Und das Ganze hatte sich in ein einziges Buch verwandelt, und in viele, viele Märchen. So waren auf einmal viele Persönlichkeiten mit komischen und extravaganten Namen aufgetaucht. Die Füchsin Schielauge, der Wolf Räubergesell, die Gans Quackquack, die Fliege mit den langen Haaren, das dumme Krokodil Othello ... dann ... viermal acht achtundvierzig und dreimal drei dreiunddreißig und die Farbe Grün ist männlich und die Farbe Rot ist weiblich ... und die grüne Farbe heiratet die rote Farbe und es kommen die Grünroten dabei heraus!
  • Aber ... wirklich seltsam, so wie die Blätter angeordnet waren, wirklich durch Zufall, ergab wunderbarerweise alles einen Sinn. Geheimnis der Kunst!
  • Und auf einer der vielen wieder zusammengesetzten Seiten hatte sich Gioppino, ohne es zu wollen, im Gespräch mit Menio, dem sabbernden Zwerg wiedergefunden, und sie hatten Freundschaft geschlossen und sie hatten sich dies und jenes erzählt! „...... ..... ....“
  • Gioppino, sie wollten mich im Krieg nicht dabei haben! -
  • Auch mich nicht. Sie wollten mich nicht haben im Krieg! Wie schön! Besser zwei lebendige Zwerge als zwei tote Kolosse! -
  • Warum machen sie Krieg? -
  • Weil die Mächtigen die Dinge untereinander ausmachen und die Zwei wird zur Drei und die Drei wird zur Fünf und dann befehlen sie der Drei und der Fünf, dass sie zusammen die Fünfunddreißig machen sollen und sie schicken die Soldaten in die Schlacht! -
  • Gioppino, wird der Krieg je aufhören zu existieren? -
  • Das ist eine Frage für zweihundertsechsunddreißigtausend Weinfässer. Alles ist im Sinne der Mächtigen. -
  • Gioppino, aber wie sind sie, die Mächtigen? -
  • Sie haben zwei Arme und zwei Beine! -
  • Aber haben sie ein Gehirn? -
  • Ja, Menio! -
  • Wirklich? -
  • Ja. Alle. Das Huhn hat ein Gehirn, das ihm befiehlt, Eier zu legen, hierhin und dorthin. Aber die Hühner machen keinen Krieg! -
  • Aber ... Ja, das ist wahr, aber jene anderen benutzen es, um Krieg zu machen! Das Gehirn. -
  • Aber ... sterben sie, die Mächtigen? -
  • Ja. -
  • Wenn sie Krieg machen? -
  • Mit Sicherheit sterben sie! Aber im Krieg nur manchmal, nicht immer. -
  • Sie wollten mich nicht haben im Krieg! Dann hat mich die Königin geholt, um in ihrem Schloss zu wohnen ... ... -
  •  
  • Aber heute waren Menio und Gioppino dort zusammen, zwischen so viel Land und so viel Meer! Und ... und sie wollten sich erinnern ...
  •  
  • Erinnerst du dich daran, dass ich dich gefangen nehmen ließ? Und dass sie der Königin den Esel gestohlen hatten? Eh, Gioppino? Und du weintest, du weintest und fragtest mit nassem Gesicht, über und über voller dicker Tränen, die Wachen nach einem Taschentuch! Erinnerst du dich? Eine verworrene Angelegenheit ... Dann entdeckten wir, dass es der Räuber Elviro gewesen war, der den Esel gestohlen hatte ... seine Bande ... den Esel Flò ... -
  • Ja. Wie könnte ich mich nicht an den Esel Flò erinnern! Bring mich ein wenig zum Lachen, erzähl ein bisschen! Genau wie es gewesen ist! -
  • Warte, ich lege die Harke beiseite, ich setze mich in den Schatten und erzähle. Na also. Ich verstelle die Stimme und erwecke sie dir wieder zum Leben, so als ob sie alle hier wären ... die Personen: Cioppino, der Esel Flò, die Wache, die Königin. Ich erzähle dir nur die letzten Ereignisse, weil ich dann hacken muss. Aber befiehl deinem Hahn hinterher, mir eine Korbflasche Wein zu bringen. Weißen aber. Ich beginne:
  • „Iaaah, iaaah, iaaah!“ , machte der Esel Flò und zeigte seine gelbe Zunge.
  • „Was hast du, Flò? Was ist los mir dir? Du kannst doch nicht müde sein! Du bist doch erst vor kaum einer Viertelstunde aus dem Stall gekommen! Direkt aus dem Stall. Und ... warum hast du so eine gelbe Zunge? Eh, Flò?“
  • „Iaaah, iaaah, iaaah!“ , machte Flò wieder.
  • „Beruhige dich, sei brav! Jetzt erleichtere ich dir den Rücken, siehst du, ich bin auf der Erde. Mach keinen Unsinn! Los, gib deiner Zunge ihre natürliche Farbe wieder. Hast du zufällig gelbe Pfirsiche gegessen?“
  • „Iaaah, iaaah!“ Und der Esel Flò sackte auf der Erde zusammen.
  • „Flò, sag ‚iaaah‘! Sag, was mit dir los ist!? Los, sag ‚iaaah‘, ich bitte dich! Oh Gott, oh Gott, er sagt nicht mehr ‚iaaah‘. Vielleicht ist er tot ... Nein, er bewegt sich. Die Beine.“
  • „Das ist der Esel der Königin! Er war im Schlosshof angebunden! Gib mir den Esel wieder oder ich rufe die Wachen“ , rief ich aus, ich, während ich mit meinen Händchen in der Luft herumfuchtelte.
  • „Still! Flò iaaaht nicht mehr.“
  • „Das ist der Esel der Königin!“
  • „Aber nein ... Genug davon! Ich besitze ihn seit drei Jahren, diesen Esel! Heute Morgen, eben gerade, habe ich ihn aus meinem Stall geholt.“
  • „Unmöglich! Vor einer Minute war er noch an der Mauer des Schlosshofes festgebunden. Mit diesem Esel treibt man keine Scherze, er gehört der Königin! Sie ist die Gemahlin des Königs Formisino, der sich gerade in einer Schlacht gegen die Misiner befindet“, stammelte ich und hüpfte dabei auf und ab wie ein Page.
  • „Ich besitze ihn seit drei Jahren, diesen Esel! ... Oh Gott, oh Gott! Flò versucht aufzustehen!“
  • „Warte!“ Und ich setzte mich auf einen Hocker und mit meinen kleinen Händchen öffnete ich das Maul des Esels. „Er hat eine gelbe Zunge! Im ganzen Königreich hat nur der Esel der Königin eine gelbe Zunge. Verstehst du? Du hast ihn gestohlen. Ich gehe die Wachen rufen!“, rief ich aus.
  • „Seine Zunge sieht so aus, weil er gelbe Pfirsiche gegessen hat. Verstehst du denn nicht?“
  • Und der Esel Flò sackte wieder auf der Erde zusammen.
  • „Cioppino, Cioppino! Was ist dem Esel Flò zugestoßen? Ich sehe, dass er schlaff und ohnmächtig auf dem Boden liegt!“, schrie Gioppino, der Enkel von Cioppino, während er einen Eimer herumschlenkerte, der über und über mit gelber Lackfarbe bespritzt war.
  • „Flò hat eine gelbe Zunge im Maul! Und er macht nicht mehr ‚iah‘!“
  • „Wachen! Da sind sie! Nehmt sie fest, sie haben der Königin den Esel gestohlen!“
  • „Flò hat die gelbe Lackfarbe getrunken, deshalb hat er eine gelbe Zunge! Er stirbt, begreift ihr nicht! Wachen, ich schwöre euch, ich sage die Wahrheit! Haltet ein, bitte!“
  • „Lügen! Wachen, nehmt sie fest, sie sind Diebe! Wir werden sie dem Dunkel des Gefängnisses überantworten!“
  • „Dem Dunkel des Gefängnisses? Oh Gott, Flò, dann fliehe ich! Bleib du dort auf der Erde liegen. Stirb nicht! Versuche, dir die Zunge mit den Hufen zu reinigen. Kratze mit den Hufen daran!“
  • „Wohin fliehst du, Cioppino? Bleib hier, wir haben nichts getan!“
  • „Ich fliehe, ich habe Angst, mit den Wachen zu verhandeln!!“
  •  
  • Gioppino lachte so sehr, dass er die Beine zusammenzwicken musste um sich nicht in die Hose zu machen. Er war wie ein Kind. Dann bekam Menio Durst und er bat den Hahn, ihm die Korbflasche mit dem Wein zu bringen.
  • Weil Menio es sich im Gras bequem machte um zu trinken, wurde er dann doch nicht fertig damit, die Erde zu hacken, und, während er ihm mit den Augen folgte, die genau wie Murmeln herumrollten, flatterte der Hahn auf die Mauer; und dann die Müdigkeit vom Wein und die starke Sonne ... Menios Augen verwandelten den Hahn in einen Löwen und der wurde umrahmt von vielen Schmetterlingen und zwei Hornissen und am Himmel waren drei Adler.
  •  
  • Und dann finden wir Cioppino und Gioppino und Menio und den Esel Flò, alle zusammen finden wir sie wieder im Weinkeller des Dorfes Porcospino, wo sie über komplizierte Dinge nachdenken, die diesem und jenem widerfahren waren, und auch darüber, wie Guccio die Ziege rot angemalt hatte.
  • Und ... Und die anderen Personen?
  • Die leben in anderen Märchen!
  • Und das Kindermädchen? Ist es noch dort und streitet mit dem Kind, das immerzu nur Schokolade will?
  • Das Kind?
  • Das ist ein schlaues Köpfchen und vielleicht, vielleicht mache ich es, so wie es ist, ganz zu Schokolade und wenn es in einem Märchen vorkommt, dann vertraue ich es zuerst einer Hexe an und dann einer Fee und einer Zikade!
  • Und ...
  • Und Punkt und Schluss! Bohnen mit Nudeln, die Nudeln die esse ich und die Bohnen die gebe ich der Katze und wenn sie die Katze nicht isst, bekommt sie eine Fratze! Und dreihundertvier, die Wachtel singt mit mir. Und ich singe und du singst und dann singen der Hahn und die Henne und alle zusammen die ich kenne, sie machen kuckuck kuckuck kuckuck und der Zug bleibt stehen und macht nicht mehr den kleinsten Ruck!

 

  •  

 

 

DAS SCHWEIN

  •  
  • Und es war einmal ... es war einmal ... es war einmal ...
  • Ein Krokodil oder ein Dilokrok?
  • Weder Krokodile noch Dilokroke!
  • Auf dem Hof des Bauern Potty lebten einst ein Hund und ein Schwein.
  • Der Hund war noch ein Welpe, das Schwein war schon erwachsen.
  • Der Bauer Potty war von kleiner Statur und lief breitbeinig wie eine Ente auf dem Hof herum und er war kugelrund, kugelrund, mit einem Spitzbäuchlein, und, obwohl er schon gehörig in die Jahre gekommen war, der Ärmste, Donnerwetter, Donnerwetter, wollte er heiraten, um jeden Preis!
  • Seit Monaten hatte er seinen schönen Bauernhof vernachlässigt, um einer sehr dicken Frau nachzusteigen, die genau oberhalb der Dorfkirche wohnte.
  • Du bist alt geworden, siehst du das nicht? Was willst du? Du musst dich um den Bauernhof kümmern, und um die vielen Neffen und Nichten, die wir dir geschenkt haben, und für die du sorgen musst! Es sind viele, eh! -,
  • so schrien ihm die Schwestern in die Ohren, indem sie ihm ihre sauren Münder an die spitzigen Ohrmuscheln legten; sie wollten ihn um jeden Preis daran hindern, zu heiraten. Diese Verdammten wollten erben!
  • Aber er, der Arme, hatte nie erfahren, wie eine Frau geschaffen ist, weil, zum Donnerwetter, er sie nur so kannte ... im äußeren Umriss und vom Gesicht her. Es war nicht seine Schuld, es war die Natur, die rebellierte, sodass er nur den Teil der Frau begehrte, den man aus Schamgefühl nicht herzeigen konnte.
  • Und so hatte er in einer einzigen Minute seinen Bauernhof, den Hund und das Schwein vergessen.
  • Was wussten sie schon davon, diese muffeligen Käseköpfe, eine dreizehn und eine vierzehn Jahre alt, wo sie doch, schön wie das Meer, schon alles gemacht hatten. Und er? Jetzt wo er gekonnt hätte, musste er dort angewurzelt bleiben, wie ein Dummkopf, mit dem Finger in der Nase? Und die Natur? Was hätte er der Natur gesagt? Das seine Schwestern ... den Bauernhof hätten, und den Hund und das Schwein? Genug! Genug jetzt!
  • Wie auch immer, weder der Hund noch das Schwein wussten, was dieser Halunke trieb! Sie waren verlassen. Und dann noch dieses Kornfeld, mit seinen angeschwollenen Ähren, die schon Bauchweh hatten, so gerne wollten sie aufplatzen; ein bisschen entfernt von dem Platz, wo das Schwein und der Hund saßen, hatte es alle Vögel des Dorfes angelockt, und jeder hatte sich zwei Kilo davon genommen, genau wie die Tauben, die sich vor der Kirche aufhielten.
  • Der Pfarrer des Dorfes, Don Osvaldo, hatte ihn an einem grauen Abend, als nur zwei Sterne am Himmel standen, einer hier und einer dort, zu sich rufen lassen, und er hatte ihm klipp und klar gesagt, dass er in der Sünde lebe. Unzucht!
  • Potty, in deinem Alter ... so und so und so ... Unzucht! - Und ...Und Potty, mit der schmutzigen, glänzend schwarzen Samtmütze zwischen den Fingern, ging mucksmäuschenstill davon, ohne sich auch nur von Don Osvaldo zu verabschieden, er war gedemütigt wie eine kleine Gans, die vom Hahn gepickt worden war!
  • Nichts zu machen, er hat sogar die Ratschläge von Don Osvaldo zurückgewiesen! –, keifte sein Schwager.
  • Dann brachten seine Schwestern, die so schwarz waren wie der Teufel mit seinen Hörnern, rasch dem Schwein etwas zu essen, damit es wenigstens nicht starb, doch um den Hund kümmerten sie sich nicht.
  • Der Hund hatte die Schwindsucht bekommen und durch die schmutzige Haut hindurch konnte man die Knochen zählen; und so entschloss er sich, das Schweinezeugs zu essen. Und eines Tages schlüpfte er zwischen den alten Holzbrettern des halb vermoderten Türchens hindurch in den Schweinestall und begann den ekelhaften Mansch zu probieren ...
  • Das Schwein bemerkte es und raste hinter ihm her, wobei es ihm einen Biss verpasste.
  • Der Hund, der Angst bekommen hatte, flog mit den Pfoten durch die Luft und sprang auf die niedrige Mauer des Geheges, und von dort aus schrie er dem Schwein zu: - Bitte, um Himmels willen, lass mich etwas essen ... ein wenig von diesem Mansch, auch wenn er mir nicht schmeckt, so muss ich nicht in die Grube gehen! Ein bisschen Mansch ... Ich bitte dich! -
  • – Weg hier! Ich will dir nichts abgeben! -, schrie ihn das Schwein an. Und es tauchte den Kopf und die Schlappohren in den Trog ein und aß mit den typischen Geräuschen, wie die Schweine sie machen.
  • Auf, los, tu eine gute Tat! -, wiederholte der verzweifelte Hund.
  • Nie und nimmer! –, schrie ihm das Schwein wieder ins Gesicht.
  • Wenigstens ein bisschen von dem Schaum, der oben auf dem Mansch schwimmt, so kann ich meinen Durst stillen! -
  • Nie und nimmer! -, sagte das Schwein immer wieder, so wie es seine Art war.
  • Der Hund sprang es vor Wut an und steckte ihm die lange Schnauze ins Ohr, und er schimpfte:
  • Iss, iss, iss nur für dich allein! Aber du wirst dick und fett für die anderen! Du wirst dick und fett für die anderen, und, vielleicht, vielleicht, wenn ich es schaffe zu überleben, ein bisschen auch für mich! -
  • Das Schwein grunzte ganz laut und es begriff nicht.
  • Der Hund erhob sich auf die Hinterpfoten und schwor immer wieder im Antlitz der Sonne, dass es ihm gelingen würde, zu überleben, ausschließlich dafür, um ein wenig, nur ein wenig, von diesem bösen Schwein unter dem Sternenhimmel zu verzehren.
  • Aber der Hunger war so groß, die Wut alleine reichte nicht aus, um zu überleben. Als der Hund von weitem eine kleine weiße Ziege sah, lief er zu ihr hin, und dann, als er ganz nahe bei ihr war, lernte er das Gras kennen und er aß es; und dann die Schnecken und die Würmer, die sich unter den feuchten Tuffsteinen befanden, welche die Oreganohecken stützten. Es verging ein wenig Zeit und endlich gelang es dem Bauern Potty, das zu tun, was er tun wollte: Er heiratete!
  • Glücklich feierte er an einem Sommerabend mit der Braut und den geladenen Gästen und mit den erbosten Schwestern, deren Ärger schnell verraucht war, und mit dem Schwein.
  • Und es war so schön fett geworden, das Schwein, dass die Gäste dem Hund sehr viel Fleisch hinwarfen, und nicht einen einzigen Knochen!
  • Der Mond, der am Himmel stand, begann plötzlich so zu lachen, dass er zitterte, und auch die Sterne taten das Gleiche, als sie davon erfuhren, und sie versprachen, dass sie bei der Ablösung alles der Sonne erzählen würden. Hat dir diese Geschichte gefallen? Donnerwetter, du bist ja eingeschlafen.

AURORA

  •  
  • Auf einem herb duftenden Stück Land, das in langen, schmalen Terrassen angelegt war, und das viele, aus dem Tuffstein ausgehöhlte Wannen enthielt ... und Trockenmauern aus Lavagestein, mit Tausenden von Spalten ... und große und kleine Mäuse, mit ihren weitläufigen Höhlen, die sie hier und dort in den seltsamsten Formationen angelegt hatten, lebte eine Freesie, die tausend Farben besaß. Die Mäuschen hatten ihr den Namen Aurora gegeben.
  • Und außerdem hatten sie nie, niemals versucht, ihre Zwiebel aufzuessen, die aus fleischigen Schichten bestand, weil sie alle wussten, dass Aurora daraus geboren war.
  • Aurora war unter eine Hecke gesetzt worden, und so bekam sie die Hacke des Bauern nicht zu spüren.
  • Und eines Tages legte ein sehr seltsames Vöglein, das halb erschöpft war, und zirpte wie ein Frosch, wer weiß, wie es das machte, vielleicht mit dem Schnabel, einen Unkrautsamen ausgerechnet dort hin.
  • Auf Anhieb bemerkte niemand etwas davon. Niemand. Nicht einmal die Mäuschen, die ganz eifrig dabei waren, möglichst viele Sachen in ihre Höhlen zu tragen, manch eines hatte dort drin sogar Wein!
  • Und durch die Sonne und die viele, viele Erde, und außerdem durch die leichte Meeresbrise, die kam und ging, streckte sich aus dem Samen ein lebhafter und kapriziöser Keim hervor, der an die Luft wollte!
  • Niemand bemerkte etwas davon. Die Mäuschen immer eifrig bemüht ... es fehlte ihnen nur noch das Brot und der Wein! Wirklich! Nur das Brot und der Wein fehlte den Mäuschen.
  • Aurora ging es dort gut. Sie war stolz darauf, dass sie allein dort eine richtige Blume war. Es gab da einige ärmliche Blümchen, die aus ärmlichem Gras hervorguckten, fast so als ob sie sich schämten, und außerdem kleine weiße, die wie Pünktchen waren, und nur Mitleid erregten, und dann die Sumpfdotterblumen, die mit ihrem Gelb, das noch gelber als gelb war, endlos Insekten anlockten. Manchmal kamen die Hornissen. Donnerwetter! Die brummten dort wie verrückt herum, mehr als bei jeder anderen Blume, und sie waren so groß, dass man meinen konnte, sie würden sich von Schweineschmalz ernähren. Aber Aurora war zart und deshalb hasste sie es auf den Tod, wenn sie sich auf ihr niedersetzten ... Aurora war eine intelligente Blume!
  • Aber jener lebhafte und kapriziöse Unkrautkeim wurde augenblicklich so groß und aufdringlich, dass den verblüfften Mäuschen der Mund offen blieb und Aurora ganz unterdrückt wurde, wirklich wie in einem Kloster!
  • Siehst du, was du getan hast, du Unverschämter, dass du mich ganz niedergedrückt hast, wie eine Zange? -
  • Das Unkraut antwortete nicht und tat, als ob nichts wäre.
  • Wo es so viel Platz gibt, hier auf dem Land ... Wenn dich schon jemand hierher gesetzt hat, konntest du dich auch vom Wind forttragen lassen, aber du Dummkopf konntest ja nicht warten und wolltest sofort Wurzeln schlagen, die wie Klebstoff sind. -
  • Das Unkraut antwortete wieder nicht, weil es genau wusste ... und außerdem ... hatte es gesehen, wie schön sie war! Sie hatte tausend Farben. Es war besser, eng neben ihr zu stehen, als neben der Sumpfdotterblume oder unter diese weißen Blümchen ... Außerdem war da noch der Bauer, der in dieser Ecke, zwischen den Steinen, niemals die Hacke ansetzen würde.
  • Die Mäuschen waren traurig. Und sie hatten auch versucht, etwas zu tun ... Sie hatten mehrmals abwechselnd in den Eindringling hineingebissen, aber der enthielt bittere, schwarze Säfte, sodass sie niesen mussten!
  • Wer weiß, wer weiß, womöglich machen sie aus diesem Unkraut das Gift, das sie gegen uns benutzen! –, argwöhnte ein Mäuschen.
  • Wer weiß, we...er we...iß, a...auch m...ir scheint es so, wirklich ... -, deutete ein anderes Mäuschen an, das ein Stotterer war.
  • Und bei so viel Sonne und so viel Erde und so viel leichter Meeresbrise erhob sich das Unkraut noch ein bisschen weiter in den Himmel.
  • Aurora aß und aß, ganz viel Erde, um den Eindringling zu überwinden, denn den Himmel, den sah sie nicht mehr.
  • Dann dachte sie wieder und wieder nach ... Der Bauer würde so viel Unkraut sehen und zack, ein Schlag mit der Hacke! ... Sie versuchte also, die Zwiebel in Sicherheit zu bringen, indem sie sie mit aller Kraft unter die Erde drückte.
  • Werde nicht mehr größer bitte, sonst ergeht es auch dir schlecht! Der Bauer hackt uns heraus, aus Angst, dass du sein Land heimsuchst. Wenn du schon da bist, dann mach dich wenigstens klein, so dass er dich nicht sieht. Ich werde dich mit meinen Blättern verstecken. Ich weiß, dass auch du leben musst ... aber ... -
  • Ich bin nützlich, denn oft ziehen wir großen Unkrautpflanzen Substanzen aus der Erde, die wir dann weitergeben ... -, plapperte das Unkraut.
  • Ja, ja, alles was du willst, aber du erstickst mich. -
  •  
  • Und eines schönen Morgens war Tittino, der Bauer, zur Stelle. Er machte sich auf den Feldweg und während er unterhalb der Mauer mit den vielen Ritzen dahinging ...
  • Ha! Sieh mal an, dieses Unkraut und diese Blume da! Schau dir das an! Wenn ich es langsam mit den Händen entferne ... wer hackt mir dann die Erde? Ein Schlag mit der Hacke, denn wenn ich erst anfange hier Zeit zu vertrödeln ... Wenn ich es langsam mit den Händen mache, wer hackt mir dann die Erde? Zack! Schade, welch schöne Blume ... Aber ... ich schere mich nicht um Blumen, und Verlobte habe ich auch keine. Tittino ist klein und hässlich –, sagte Tittino.
  • Und die Mäuschen weinten alle, als sie Aurora dort tot auf der Erde liegen sahen. Sie trugen sie aus der Sonne fort.
  • Die Zeit verging. Sie verging. Sie setzte sich auf dem Pfirsichbaum nieder, dann auf dem Kirschbaum und auf dem Aprikosenbaum, auf dem Pflaumenbaum und sie machte auch die Eberesche froh und den Birnbaum und den Apfelbaum und den Nussbaum und dann und dann ... Die Zeit fuhr fort, sich niederzusetzen ... Im Oktober heiterte sie den Granatapfelbaum auf.
  • Die Zeit ... und die Zeit, eingehüllt in einen Mantel ohne Farben, lief und lief ... Die ganze Welt drehte sich ... Es schmeichelte der Schnee ... Es streichelte das Meer ... und dann ...
  • Ein Mäuschen schrie: - Aurora! Aurora! Aurora ist wieder da! Sie war gar nicht tot, sie lebt! Sie ist hübsch, die Kleine, mit ihren tausend Farben! Sie lebe hoch, sie lebe hoch! Es ist nicht mehr da, das böse Unkraut, es ist nicht mehr da, das böse Unkraut! -
  •  
  • Wie sind sie manchmal seltsam, die Fabeln: Sie machen, dass man immer und immer wieder darüber nachdenken muss, zumindest derjenige, der es will mit Genuss! Die Mäuschen habe ich dargestellt, hübsch und nett, die Hornissen dagegen hässlich und fett, so dass sie Schweineschmalz zu essen schienen, und dann ... die Blümchen ... das Vögelchen ... die Sumpfdotterblumen ... der kleine hässliche Bauer Tittino und die schöne Aurora, die aus tausend Farben gemacht ist ...
  • - DAS BÖSE UNKRAUT taucht nicht mehr auf! -, rief ein Herr von einem Balkon herab ...
  • Hallo Kinder, versteht ihr das? Ich manchmal, aber nicht immer.
  • Und gefällt euch besser der kleine hässliche Bauer Tittino oder die Mäuschen? Vielleicht die Hornissen ...
  • Bestimmt gefällt euch Aurora am besten, da bin ich sicher, denn ihr tragt Schürzchen und Westen und esst die gute Gemüsesuppe der Schwestern.
  • Mir gefällt auch das arme böse Unkraut und ... und ein wenig der Bauer Titti ...
  • Ich habe etwas Hunger und Durst. Auf Wiedersehen! Ich gehe ein bisschen Wein trinken und esse eine Wurst.

 

 

 

 

 

 

 

LEHRERIN SCHILDKRÖTE UND DIE DINGE DES LEBENS

  •  
  • Vor langer Zeit lebten in einem der vielen Wälder Alaskas viele, viele kleine, gutmütige und unschuldige Tiere, und die Steinmarder und Füchse und Wölfe metzelten sie nieder!
  • Und als eines Tages eine alte Schildkröte, die so alt war, dass ihr Panzer von Holzwürmern durchlöchert war, diesen Massakern beiwohnte, beschloss sie, die Lehrerin der Dinge des Lebens zu werden.
  • Und sie errichtete eine Schule und alle Tiere des Waldes waren glücklich, ihre Kinder dorthin schicken zu können.
  • Die Schule von ‘LehrerinSchildkröte’ bestand aus nur einem großen Klassenzimmer, welches die Höhle der Schildkröte war. Und dort unterrichtete sie mit sehr viel Liebe!
  • Und alle Tage von drei Uhr Nachmittags bis zum Abend.
  • Hinten stand ein verrosteter Eisenkübel als Katheder und links und rechts jede Menge Holzklötze und in der Mitte war ein großer Gang, der ‘LehrerinSchildkröte’ dazu diente, beim Unterricht, den sie sehr lebhaft und anschaulich gestaltete, auf und ab zu gehen.
  • Allen Tieren gefiel es sehr, dass ‘LehrerinSchildkröte’ beim Unterricht hin und her lief, weil sie, während sie sich bewegte, häufig die Füße verwechselte, und sich den Kopf am Boden anschlug, und der schwere Panzer drückte sie nieder, und Kaninchen und Gans und Hahn mussten ihr schnell zu Hilfe eilen, weil sie sich immer beinahe den Mund dabei verletzte.
  • Sie begann den Unterricht so: - Traut den Wölfen nicht und geht niemals mit ihnen auf Nahrungssuche! Denn, wenn sie etwas finden, dann geben sie euch nichts ab; und wenn sie nichts finden, dann werden sie sagen, dass es eure Schuld ist, und sie werden euch in ihre Bäuche einsperren! Ihr müsst wissen, dass der Wolf ein Wolf ist, und dass er immer essen muss, und dass sein Magen nichts von vernünftigen Überlegungen wissen will. Traut ihnen nicht! Sie bringen euch nur Unglück und sonst nichts! -, sagte ‘LehrerinSchildkröte’ zu ihren Zöglingen. Und sie fragte sie ab: - Du, ‚KleinesWeißesKaninchen‘, was sagte die Küchenschabe? -
  • Und ‚KleinesWeißesKaninchen‘ stellte sich ganz schüchtern auf die Hinterpfötchen und strengte sich an, um sich zu erinnern... – Die Küchenschabe ... sagte: „Wenn es Tinte regnen sollte, schwärzer als ich sowieso schon bin, könnte ich wirklich nicht mehr werden“. -
  • Tüchtig, ‚KleinesWeißesKaninchen‘! –, sagte ‘LehrerinSchildkröte’.
  • Und ... und erkläre allen, was das bedeutet! -
  • Es bedeutet ... es bedeutet, dass zum Beispiel ... die Küchenschabe, da sie schon schwarz ist ... auch wenn es Tinte vom Himmel regnen würde ... nie noch schwärzer werden könnte, als sie schon ist! Und deshalb ... deshalb würde die Küchenschabe aus ihrer Höhle herauskommen, ohne sich auch nur im Geringsten Sorgen zu machen, auch wenn es in diesem Moment Tinte regnen würde. -
  • Ein Beispiel, ein Beispiel! ‚KleinesWeißesKaninchen‘, die Erklärung dessen, was die Küchenschabe sagte, wissen wir alle, das ist mehr als einfach. Ein Beispiel! Los! -
  • Das kleine weiße Kaninchen bekam rote Ohren und einen roten Mund und fuhr fort: - Die Küchenschabe ... Frau Lehrerin ... ist sehr schwarz. Sie fürchtet die Farbe ... die Farbe Schwarz nicht mehr. Wenn ich zum Beispiel zur Küchenschabe sagen würde: „Ich ... ich mache dich schwarz!“, dann würde mir die Küchenschabe ... die Küchenschabe antworten: „Mach mich ruhig schwarz, das macht mir nichts aus, ich bin schon schwarz!“, und sie würde nicht davonlaufen. Sie würde nur davonlaufen, wenn ich zu ihr sagen würde: „Ich male dich ... dich grün an“. Somit ... somit ... um es zusammenzufassen: Die schwarze Küchenschabe würde nur davonlaufen, wenn ich sie weiß, grün oder in vielen anderen Farben anmalen wollte. -
  • ‘LehrerinSchildkröte’ lachte ein bisschen und sagte dabei zu dem Kleinen: - Du hast nicht gut gelernt. Ich will ein praktisches Beispiel aus dem täglichen Leben. Lass die Küchenschabe Küchenschabe sein! Sie stellt sich tot, die Küchenschabe. Sie tut so als ob sie zerquetscht worden wäre, die Küchenschabe. Du sollst konkreter werden! Die Dinge des Lebens konkretisieren. Die Tatsachen, die Tatsachen! Kleiner, du hast nicht gelernt! Am Anfang beginnst du gut und dann verzettelst du dich. -
  • Und das kleine weiße Kaninchen schämte sich und begann zu weinen.
  • Vorsicht vor den Wölfen, Vorsicht vor den Wölfen, Kleiner! Wenn du das Leben nicht kennst, fressen sie dich auf! Nur ein Bissen, nur ein Bissen!
  • Du, Henne ‚KaputtesEi‘, leg los! -
  • Die Henne ‚KaputtesEi‘ stieß mit ihrem Schnabel aus: - Coccoccocooo Coccoccooo! -
  • Dann: - Die Küchenschabe ist schwarz, und wenn sie schwarz ist, ist sie schwarz und die Tinte ist schwarz, und sie könnte noch schwärzer werden, die schwarze Küchenschabe, mit der schwarzen Tinte! Ich weiß alles, ‘LehrerinSchildkröte’! -
  • Und alle lachten lauthals mit weit offenen Schnäbeln, eine ganze Weile lang.
  • Frau Lehrerin ... Frau ‘LehrerinSchildkröte’! Sie haben doch gelacht, weil ich es richtig gesagt habe? -
  • Alle lachten wieder, noch lauter, aus vollem Halse, mit weit offenen Schnäbeln.
  • Henne ‚KaputtesEi‘, du bist nicht dumm. Aber du bist bescheuert. Das ist noch schlimmer! -
  • ‚StieglitzLebhaft‘, erkläre du ‚KaputtesEi‘, was der Unterschied zwischen dumm und bescheuert ist. -
  • ‚StieglitzLebhaft‘ flog auf den Rand der Tafel und begann: - Der Dumme hat immer den Mund offen oder zu und er weiß, dass er nichts weiß und von anderen abhängig ist; der Bescheuerte dagegen glaubt, alles zu wissen, und mehr als alle anderen; er hält nie den Mund und fast immer ist er sehr lebhaft dabei, die Dinge zu tun, aber er macht alles falsch und ruiniert sich mit seinen eigenen Pfoten, und wenn du dich ihm näherst, und nicht merkst, dass er bescheuert ist, ruiniert er am Ende auch dich.
  • Um es abzuschließen: Der Dumme kennt seine Grenzen, der Bescheuerte nicht. Den Dummen kannst du benutzen, er gehorcht; der Bescheuerte nicht: Er ist störrisch und versucht, dich in seine falschen Dinge mit hineinzuziehen
  • Sogar die Dummen verstehen sich nicht mit den Bescheuerten, sie werden schlecht und besserwisserisch behandelt.
  • Mehr als alle anderen liebt es der Bescheuerte zu befehlen!
  • Im vierten Jahrhundert vor dem Zeitalter der Schildkröte, in der Schlacht des Krokodils auf dem Eselsberg, zwischen Füchsen und Wölfen war ein bescheu... -
  • ‘LehrerinSchildkröte’ unterbrach ihn: - Es reicht, es reicht, die Zeit vergeht. Nicht jetzt die Geschichte! Morgen. Fliege an deinen Platz zurück, ‚StieglitzLebhaft‘!
  • Lerne sie gut, die Geschichte, ‚StieglitzLebhaft‘! Nach sechshundertfünf vor dem Zeitalter der Schildkröte, unter der Dynastie der listigen Falken, wurde die Schlacht des Krokodils geschlagen, und nicht auf dem Eselsberg, sondern genau zwischen dem Fluss ‚KahlesSchaf‘ und dem Fluss ‚SchafohneWolle‘. Sag mir: Bist du bescheuert oder dumm? -
  • Alle lachten mit erhobenen Pfoten.
  • Lacht nur, lacht, denn das Lachen bedeutet Leben. Also, machen wir weiter ... ‚KleinesKaninchen‘ und Henne ‚KaputtesEi‘, lernt gut was ihr aufgeschrieben habt: Es sagte die Küchenschabe: „Sollte es Tinte regnen, schwärzer als ich schon bin könnte ich wirklich nicht werden“.
  • Gans ‚Quackquack‘, könntest du es richtig erklären? Die Küchenschabe sagte: „Sollte es regnen ...“ -
  • Gans ‚Quackquack‘ stand auf und machte ein bisschen „Quack quack quack quack quack“, dann nieste sie und putzte sich den Schnabel mit dem Flaum ihres Bäuchleins und erklärte: - Wenn ein Tier Hunger hat, und vor Hunger stirbt man, das ist bekannt, dann nimmt es auf nichts mehr Rücksicht ... auf die Gefahren ... um überhaupt etwas in den Magen zu bekommen, nimmt es auf nichts mehr Rücksicht ... gerade dann ist es sehr gefährlich, das Tier ... Dies ist eines der Beispiele ... zum Beispiel. -
  • Du bist die Schulbeste! -, rief ‘LehrerinSchildkröte’ aus, – sehen wir mal ... sehen wir mal ... ‚HochmütigerHahn‘, hast du gelernt? -
  • Kikeriki, kikerikii ... ii kikeriki ikkiii kikkii kikirikkiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii! -
  • ‘LehrerinSchildkröte’ sprang ein paar Mal hoch, beim ohrenbetäubenden und unangenehmen Gesang des hochmütigen Hahnes und fiel beinahe in Ohnmacht. Sie fragte ihn äußerst selten ab, weil sich der hochmütige Hahn immer so anstellte, und häufig war er auch jähzornig und hatte schlechte Manieren und einmal hatte er sie ganz fest in ihren sowieso schon löcherigen Panzer gepickt, so dass ihr ein Loch davon geblieben war.
  • Und einmal, auch dort in der Schule, hatte er die schielende Katze in den Kopf gepickt, sodass ihn diese beinahe umgebracht hätte!
  • Er hatte einen harten und gelben Schnabel, der aus Eisen zu sein schien, und einen hohen, dicken und roten Kamm und große Füße mit Krallen, die aussahen wie Haken.
  • Sag mir, ‚HochmütigerHahn‘: Was tat der Esel? -
  • Der Esel? ‘LehrerinSchildkröte’! Eines Tages kam ein junger Esel zu der Überzeugung, ein Hirsch zu sein, und er wollte über einen Graben springen und er sprang und brach sich dabei alle vier Beine, und als er sich mit gebrochenen Beinen wiederfand, sagte er: „Ich bin gar kein Hirsch, und doch glaubte ich es ... “ Und ein Schaf, das dort war um zu weiden, betrachtete ihn; mit einem Büschel Gras im Mund blökte es ihn an und antwortete ihm: „Jetzt bist das gleiche Fohlen wie zuvor, aber mit gebrochenen Beinen! Bist du nun zufrieden?“ Und es kam der Schäfer, der der Besitzer des Fohlens war, und er rief aus: „Du bist ein Esel! Unglück über den Esel, der ein Hirsch sein und springen will!“ Er zog ihn an den Ohren auf den Karren hinauf und fuhr ihn zum Schlachthof. Dort, auf dem Schlachthof, metzgerten sie ihn, den Esel. -
  • Tüchtig, ‘HochmütigerHahn‘, von dir hätte ich mir wirklich keine so schöne Erklärung erwartet: „Der ist ein Esel, der sich für einen Hirsch hält, wenn er über den Graben springt ...“ Tüchtig! -
  • Und der hochmütige Hahn begann befriedigt so zu krähen: - Kikki ... kikeriki ... rikki ... kki ... kikkerikikikkerikiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii! - Und alle erschraken darüber, wie der Hahn krähte.
  • Und ‘LehrerinSchildkröte’ wurde ärgerlich, aber sie sagte nichts, aus Furcht, wieder in den schon löcherigen Panzer gepickt zu werden.
  • Und der hochmütige Hahn hörte auf zu krähen und begann, den Wänden der Höhle mächtige Schnabelhiebe zu versetzen, um nach ein paar Würmern zu suchen ...
  • Sei brav, ich bitte dich, sonst fällt die Höhle ein, siehst du nicht, dass ich alt bin und mir keine neue bauen könnte?
  • Ich bitte dich, hör auf, sei brav, ‚HochmütigerHahn‘! Sei brav, du lenkst ‚KleinesKaninchen‘ ab, ‚KaputtesEi‘, Gans ‚Quackquack‘ und die anderen. Es sind keine Würmer da, ich habe sie schon früher aufgegessen. Los, setzen wir den Unterricht fort!
  • Macht euch Notizen! Ich werde euch die Themen des Monats diktieren:

  • „‘Springe wer kann!‘, sagte der dicke Frosch“; „Der Schmetterling fliegt immer wieder um die Kerze herum, bis er sich verbrennt“; „Das Blut der Laus ist süß“; Es tut weniger weh, von einem Fuchs, als von einem Wolf gefressen zu werden“; „Wer hinter dem Blinden hergeht, der landet im Graben“; „Einigkeit macht stark“; „Schlechte Gesellschaft bringt die Henne zum Fuchs“; und schließlich: „Die Zikade singt und singt und dann platzt sie“.
  • Arbeitet schon ab jetzt zu Hause in euren Höhlen diese Themen aus und fragt eure Eltern, auf der Basis ihrer Erfahrungen, was sie darüber denken, macht sie zum Diskussionsthema, und, wenn möglich, sollen sie euch von einen Fall erzählen, der ihnen oder anderen wirklich zugestoßen ist.
  • Die heutige Unterrichtsstunde ist, dem Himmel sei Dank, beendet, und ich bitte euch: Studiert und denkt nach in euren Höhlen, denn das sind Dinge, die ihr wirklich braucht. Und jetzt geht langsam, langsam hinaus aus der Höhle, in Zweierreihen und kehrt schleunigst in eure Höhlen zurück und haltet euch nicht im Wald auf, denn dort liegen Wölfe, Füchse und Steinmarder auf der Lauer. -
  • Und der hochmütige Hahn war noch dort geblieben, um nach Würmern zu suchen, wobei er mit dem großen Schnabel kleine Erdrutsche an den Höhlenwänden verursachte und ‘LehrerinSchildkröte’ sah es und ärgerte sich, aber sie sagte nichts, aus Angst, einen weiteren großen Schnabelhieb in den löcherigen Panzer zu bekommen.
  • Alle standen schon aufgereiht da, bereit zu gehen ... da ...
  • Drei Steinmarder blockierten den Ausgang und zwangen sie in die Höhle zurückzukehren und ‘LehrerinSchildkröte’ rutschte das Herz in die Hose vor Angst und die Gans ‚Quackquack‘ war halb ohnmächtig und quakte terrorisiert und erschöpft und der hochmütige Hahn krähte wie blöde.
  • Setzt euch alle! Denn wir müssen euch in Ruhe aufessen! –, schrien die drei Steinmarder mit glänzenden Augen.
  • Noch nie haben wir zu einer Mahlzeit so viele verschiedene Tiere gefangen! –, schrie der erste Steinmarder.
  • Welch seltsame Welt –, sagte der zweite Steinmarder.
  • Was ist das, was ist das, was ihr da machtet? –, fuhr der dritte Steinmarder fort.
  • Esst mich, esst mich! -, rief ‘LehrerinSchildkröte’.
  • Diiich? –, gab der erste Steinmarder zurück. – Bist du verrückt geworden? Wer soll dich essen, so alt wie du bist und mit dem Panzer, den du trägst?
  • Sag mir, was das bedeutet, so viele verschiedene Tiere in einer einzigen Höhle? Habe nie so etwas gesehen, was ich jetzt sehe, seit ich geboren bin. -
  • Es ist die Schule der Dinge des Lebens. Die Einzige in allen Wäldern Alaskas. Ich ... ich bin die Lehrerin. -
  • Der erste Steinmarder näherte sich dem kleinen weißen Kaninchen und schrie: - Ich ... ich fange an zu essen! -
  • Und er wollte gerade das Maul öffnen, aber der zweite Steinmarder hielt ihn zurück.
  • Beruhige dich. Warte, ich will das besser verstehen. Nur keine Eile, du bist wirklich unwissend und denkst nur ans Essen! Oooh! -
  • Und ‘LehrerinSchildkröte’ atmete durch ihre kleine Nase erleichtert auf.
  • Und ... und was studiert ihr? Los, sagt mir etwas! Dinge des Lebens? Gut! Sehen wir mal, sehen wir mal, wollen wir sehen ob ich mich ausgerechnet heute amüsiereee? Lass mir etwas sagen ... zum Beispiel ... von dieser Gans dort! -
  • Ga-ga-gans ‚Quackquack‘, komm her! –, rief ‘LehrerinSchildkröte’.
  • Los, auf, hab keine Angst und pass auf was ich sage! Was sagte die Küchenschabe? -
  • Die Gans ‚Quackquack‘, mit ihrem verschwitzten Köpfchen, quakte zuerst ein wenig, „quack quack quack quack quack ...“
  • Und die drei Steinmarder lachten sich schief, so komisch war die Gans ‚Quackquack‘ als sie „quack quack quack“ machte. Und während sie sich mit den Pfoten auf ihre Bäuchlein schlugen, schrien sie lachend: - Quack quack quack, wir stopfen dich! -
  • ‘LehrerinSchildkröte’ dachte nach und sah alle in der Höhle fest an und hoffte, dass ihre Lehren in diesem Augenblick sehr hilfreich sein würden.
  • Los, Gans ‚Quackquack‘, hab keine Angst und erkläre den Steinmardern, was wir studieren, gerade vor kurzem habe ich gesagt dass Einigkeit ... Und Einigkeit macht ... Und sag, sag schon, was die Küchenschabe sagte! -
  • Die Gans ‚Quackquack‘ fasste Mut und sagte ganz laut: - Wenn es Tinte regnen würde, sagte die Küchenschabe, schwärzer als ich schon bin könnte ich wirklich, wirklich nicht mehr werden! -
  • Und als sie dies sagte, verstanden alle Tiere in der Höhle, dass sie nicht mehr als aufgegessen werden konnten, und gemeinsam schrien sie: - Klar zum Entern! Die Schlacht des Krokodils! –, und sie stürzten sich auf die Steinmarder und ‚StieglitzLebhaft‘ und Henne ‚KaputtesEi‘ und die schielende Katze und ‚KleinesWeißesKaninchen‘ und die anderen bildeten einen großen Haufen auf den Steinmardern und der hochmütige Hahn hackte kräftig auf sie ein, erst auf den Ersten, dann auf den Zweiten, dann auf den Dritten, und er ließ sie dort auf der Erde liegen, schwer betäubt und fast tot! Und der hochmütige Hahn wollte sie ganz erledigen, indem er noch weiter auf ihre Köpfe einhackte und er wollte ihnen mit dem Schnabel die Augen auspicken. Diesmal wurde ‘LehrerinSchildkröte’ wirklich zornig, und sie sagte, dass man niemanden töten dürfe, und dass die wahre Schule gerade die sei, die lehre, die Dinge des Lebens zu begreifen, und abschließend sagte sie, dass dies die wahre Kultur sei.
  • Und dann fügte sie hinzu: - Ich hatte einen Onkel, der wusste weder etwas von Geschichte noch von Geographie oder Astronomie. Er verstand aber die Dinge des Lebens, man hatte ihn gelehrt, immer gut zu sein, niemandem Böses zu tun und sich hellwach und mit Güte vor den Bösen zu verteidigen. Er ist für mich das Vorbild wahrer Kultur! Geht in eure Höhlen! Es ist spät. Sorgt euch nicht um mich ... ich habe einen Panzer, auch wenn er Löcher hat, wird er mich schützen. - Sie war gerührt und weinte ein bisschen und dann noch ein bisschen.
  • Und der hochmütige Hahn: - Kikeriki! Kikkerikiiiiiiiiiiiiiiiiii! - Und die Gans ‚Quackquack‘: - Quack quack quack quack quackquackquack quack quack. -
  • Und ... und in Zweierreihen verließen sie die Schule und durchquerten den Wald von Alaska, um in ihre Höhlen oder in ihren Hühnerstall zu gelangen, und um dann zu erzählen: - Wie schön ist es in der Schule von ‘LehrerinSchildkröte’!!! -
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  • Der hysterische Mann, der Mispelbaum und der Zitronenbaum
  •  
  • Es war einmal ein einigermaßen hysterischer Mann, der einen schönen, mit Rasen und Blumen angelegten Garten besaß.
  • Eines Tages hatte er Lust, einen Mispelbaum zu pflanzen. Bei Tagesanbruch ging er zum Markt und kaufte einen Mispelbaum in einem Topf.
  • Er brachte ihn nach Hause und pflanzte ihn an einer Stelle des Gartens ein.
  • Dann überlegte er es sich anders und dachte, dass der Mispelbaum dort nicht gut hinpasste, er riss ihn aus dem Boden heraus und pflanzte ihn an einer Stelle, an der viele Fettpflanzen wuchsen, wieder ein.
  • Dann dachte er wieder nach und überlegte, dass der Mispelbaum dort auch nicht gut hinpasste, er riss ihn aus dem Boden heraus und pflanzte ihn wieder ein, an einer Stelle, wo er mitten unter vielen Weißdornbüschen stand.
  • Dann überlegte er es sich noch einmal anders, dass der Mispelbaum auch dort nicht gut hinpasste, er riss ihn aus dem Boden heraus und pflanzte ihn wieder ein, inmitten vieler Begonien und …
  • - Oh Gott, oh Gott, ich sehe, dass deine Zweige und deine Blätter schlaff sind, vertrocknest du etwa? -, sagte der hysterische Mann zu dem Mispelbaum.
  • Ja, ich vertrockne, du hässlicher Trottel! Du hast mir durch das Hin- und Hertragen die Wurzeln zertrümmert! Es wäre besser gewesen, wenn du mich im Topf gelassen hättest! -
  • Es vergingen drei Tage und der Mispelbaum war verdorrt.
  • Bei Tagesanbruch ging der Mann wieder zum Markt und kaufte einen Zitronenbaum in einem Topf.
  • Er brachte ihn nach Hause und pflanzte ihn an einer Stelle des Gartens ein.
  • Dann überlegte er wieder und dachte, dass der Zitronenbaum dort nicht gut hinpasste, er riss ihn aus dem Boden heraus und pflanzte ihn nahe bei einem Brunnen wieder ein.
  • Dann überlegte er es sich nochmals, dass der Zitronenbaum dort nicht gut hinpasste, er riss ihn aus dem Boden heraus und pflanzte ihn wieder ein, im Schatten eines Mäuerchens.
  • Dann dachte er wiederum nach und überlegte, dass der Zitronenbaum dort auch nicht gut hinpasste, er riss ihn aus dem Boden heraus und pflanzte ihn wieder ein, unter dem Dachvorsprung des Hauses.
  • Dann überlegte er es sich noch einmal, dass der Zitronenbaum dort nicht gut hinpasste, er riss ihn aus dem Boden heraus und pflanzte ihn am Ufer eines kleinen künstlichen Sees wieder ein und …
  • Oh Gott, oh Gott, ich sehe, dass deine Zweige und deine Blätter schlaff sind, vertrocknest du etwa? –
  • Ja, ich vertrockne, du hässlicher Dummkopf! Du hast mir durch das Hin- und Hertragen die Wurzeln zertrümmert! Es wäre besser gewesen, wenn du mich im Topf in Frieden gelassen hättest! -
  • Es vergingen drei Tage und der Zitronenbaum verdorrte und … und der Mann blieb ein Hysteriker.
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  • DIE ERINNERUNGEN DES HUNDES MASTINO (MOSTAR)
  •  
  • Der Hund Mastino, das Briefträgerlein, war betrunken, vom vielen Wein, er weinte, das war bekannt, in einem Weinkeller in einem fernen Land, und er weinte ... er weinte! Er bellte Erinnerungen ... und streichelte mit der Pfote über die große gelbe Glaskugel, in der ein runder, schnurrbärtiger Fisch schlief: Sein Freund, ein Flussfisch.
  • Es war einmal ... oh!
  • Es war einmal ein schöner Wald ... große blühende Bäume ... voll, voller Vogelnester, die im Wind schwankten ... ein schöner Wald, wo der Fluss lachte, der ihn genau in zwei Hälften teilte, und den die kleinen Rosenbüsche, die unendlich viele Farben trugen, ein gutes Stück lang begleiteten; und sie neigten sich ihm immer wieder zu und schenkten dem Wasser so manch wohlriechende Frucht!
  • Und jeden Tag erzählte der Fisch Margherita seinen Freunden viele Geschichten, so viele wie seinen sonnenrunden Körper Blütenblätter schmückten! So viele Geschichten gelebten Lebens ... ein Tintenfisch aus dem Meer wurde gefunden, in eine Korbflasche Chinamartini hineingewunden, ... eine tiefblaue Meduse spielte Violine, ausgebreitet wie ein Schirm auf den Zweigen einer Mittelmeerpinie ...
  • Und der Fisch Sympathie sammelte die Luftbläschen des Flusses, indem er sie in Glasgefäßen aufbewahrte, die mit Splittern aus grünem Stein verschlossen waren.
  • Und der Fisch Lieblich schlürfte einen likörähnlichen Algenextrakt aus einem kleinen silbernen Becher, den er gefunden hatte, zwischen anderen Sachen, und er hüpfte voll trunken machender Freude unter seinen Freunden herum, die fast platzten vor Lachen!
  • Und die Schnecke Orange machte die Kieselsteine glänzend mit ihrem Schleim und einem Schleier aus himmelblauen Algen.
  • Und die untergehende Sonne zerbrach in Rot, das sie das Flussbett entlang ausgoss, und sie bespritzte die faulen Wolken, die immer schliefen, mit Farbe!
  • Am Ende des Waldes lag ein Dorf, das ein Ameisenhaufen von Häusern war, die am Felsen klebten, wie die Weinbeeren rund um den Stiel einer Traube, und jeden Tag feierten meine Freunde, die Tiere ein großes Fest auf dem Bananenplatz! Auf dem Bananenplatz.
  • Neben dem Brunnen gab es das alte Eichhörnchen Feger, das gebratene Nüsse verkaufte ... Auf den Stufen des alten Klosters war die Biene Honorata, die an alle gesponnenen Honig verteilte!
  • Die schwatzhaften Hennen verkauften Eier vom Hof und ... und die Murmeltiere stellten sich tot um in Ruhe schlafen zu können, nachdem sie die ganze Nacht gearbeitet hatten!
  • Die alten Schildkröten, die am Hals über und über mit Falten bedeckt waren ... bestickten mit Grashalmen aus dem Wald getrocknete Salatblätter ...
  • Eine einsame Eselin lebte in diesem schönen Dorf, weil ihr der Ehemann ungefähr einen Monat zuvor gestorben war, während er den Karren zog, der gelbrot bemalt und randvoll mit teuren Kostbarkeiten gewesen war.
  • Und mich, den Hund Mastino, hatten sie zum Briefträger gemacht ... sie hatten mich zum Briefträger gemacht und ich überbrachte allen die Expresssendungen und die Postkarten ... einige Briefe und einige Rechnungen.
  • Der Bäcker, der Hund Laschi, schob die Teigwaren in den Ofen und sie kamen lasch heraus! -
  • Komm zum Ende! Komm zum Ende, Briefträger Mastino! Wir haben nicht die Geduld, uns dein raues und weinerliches Gebell anzuhören! –, schrien die alten Fasanen, die mit ihren jungen Freundinnen, den Hennen, anstießen.
  • Ich komme zum Ende, ich komme zum Ende ... ihr ... ihr versteht nicht ... Dann kamen die Wölfe! Die Wölfe! Jetzt ist nichts mehr da in meinem Dorf! Die einen sind geflohen, die anderen tot und aufgegessen ... wieder andere sind in die Falle gegangen ... es ist nichts mehr da in meinem Dorf! Intrigen, Intrigen ... Auseinandersetzungen ... Mein schönes Dorf! Die Wölfe, die Wölfe ... meine Freunde ... oh, der Hund Laschi, die Biene Honorata ... die Biene Honorata ist tot und aufgegessen ... andere sind gefangen ... versteht ihr jetzt? Versteeeht ihr? – Und er brach in ein langes und verzweifeltes Heulen aus.
  • Los, hör auf! Gib ihm zu trinken, gib ihm zu trinken, Wirt, unserem Freund, dem Hund Mastinooo! –, krähte ein Pariser Hahn, der frenetisch in zwei hohe Weingläser hineinpickte.

 

 

DER BÄR ALS REGISSEUR

  •  
  • - Los, los, Henne! Spiel deine Rolle! –, rief der Regisseur Bär, während er ein seltsames, perlendes Getränk schlürfte, das in seinem Glas prickelte.
  • Die Henne hopste auf die Bühne, schlug das Regiebuch auf und erhob die Stimme: - Eine Füchsin wurde berühmt, weil sie Bücher schrieb, über die Dinge des Lebens! Versteht ihr? -
  • Über die Dinge des Lebens der anderen! –, unterbrach sie frech der Auerhahn, der den Schnabel zwischen die Federn seiner Freundin, der Henne gesteckt hatte, während er im gleichen Regiebuch las.
  • Sie meditierte, sie las und las ... sie hielt sich für unsterblich! -, quiekste der Steinmarder, nachdem ihm der Regisseur Bär mit der Pfote ein Zeichen gegeben hatte.
  • Und die Schildkröte und der Schwan und die Eule und der Hund und die Katze und das Murmeltier und der Esel und das Schwein und die anderen ... sprangen auf die Bühne, ein jeder, um seine Rolle zu spielen.
  • Sein oder scheinen! Das ist überhaupt nicht schwer zu verstehen! –, iahte der Esel.
  • Und wer die Kunst nicht besitzt, will glauben machen, dass er es tut ... Er will so erscheinen! Das ist nicht schwer zu begreifen! Und man erhält alles eher mit dem Schein als mit dem Sein ... manchmal! Oft! Immer! Es gibt die Kunst des Scheins, wie die Kunst der Lüge und die Kunst der Diplomatie und die Kunst der Einschmeichelung ... das sind die Künste um würdig zu überleben ... et cetera, et cetera –, miaute die Katze.
  • Und die falschen Bewunderer? Sie war umgeben von falschen Bewunderern! –, grunzte das Schwein und fuchtelte mit den Pfoten herum.
  • Egal! Sein oder scheinen ... um scheinen zu können, paaren sich die Schmeichler! –, zischte der Schwan.
  • Sie meditierte, sie las und las ... sie analysierte die Gedanken der anderen! Das war ihre wahre Kunst ... –, quiekste der Steinmarder.
  • Außerdem suchte sie die Liebe! –, schnurrte die Katze.
  • Die falschen Bewunderer lieben nicht und können nicht geliebt werden ... aber sie sind sehr nützlich für den, der vom Schein leben will! –, der Schwan.
  • Die Jahre vergingen und die Füchsin wurde alt und immer noch suchte sie die Liebe ... aber ... –, der Esel.
  • ... aber die falschen Bewunderer können nicht lieben! –, der Schwan.
  • Sie meditierte, las und las ... analysierte die Gedanken der anderen ... schrieb ... begriff ... notierte sich Zitate ... machte Bemerkungen. –, der Steinmarder.
  • Sie begriff? – miaute die Katze.
  • Sie verbrachte das ganze Leben unter falschen Bewunderern! –, der Schwan.
  • Sie suchte die Liebe! –, die Katze.
  • Aber die falschen Bewunderer können nicht lieben! –, der Schwan.
  • Sie wurde nie geliebt und sie liebte nie. Konnte sie nie einen falschen Bewunderer lieben? –, bellte der Hund.
  • Sie hielt sich für unsterblich und konnte nur von falschen Bewunderern bewundert werden! Versteht ihr? –, maunzte die Katze.
  • Aber sie wurde nie geliebt! –, der Schwan.
  • Was sie suchte, das fand sie nicht, und was sie wirklich hätte begreifen sollen, das begriff sie nicht, aber sie sagte, sie würde die Dinge der anderen begreifen, und sie meditierte, sie las und las ... sie analysierte die Gedanken und Taten ... das war ihre Kunst! –, der Steinmarder.
  • Es ist wirklich komisch, das Leben in unseren Wäldern. –, der Schwan.
  • Der Regisseur Bär unterbrach den Schwan schimpfend und dann schmetterte er den erschreckten Schauspielern einen Schrei entgegen, dass diese sich hinter den Kulissen in Sicherheit brachten. - Das ist ein klebriger Brei, dieser Text! Wirklich ein Brei! Alles wiederholt sich! Keine Schlussfolgerungen! Es gibt keine Handlung! Das Thema könnte interessant sein, aber es gibt keine Handlung. Die Tatsachen, die Tatsachen! Sie fehlen! Wer hat das geschrieben? Ich will die Wahrheit wissen! Wer hat das geschrieben? -
  • Niemand antwortete. Das Schwein grunzte lachend und der Auerhahn krähte ironisch, während er den Schwan mit dem Fuß liebkoste.
  • Gut, gut. Für den Augenblick unterbreche ich alles. Alle Tiere nach Hause! Nein, nein, nein, mit diesem Text arbeite ich nicht! Nein. Ich fühle mich schlecht. Ich bin müde. Ich fühle mich entmutigt ... Ihr werdet von mir hören. Dieser Text, der ein wahrer Brei ist, hat meinen Appetit angeregt! Wirklich! Vor Ärger habe ich Hunger bekommen! Ich werde mir den Bauch voll schlagen, mit gebratenen Sardellen und mit Weißwein von der Schwertküste! Es bleibt mir nichts anderes zu tun! Ein Leinsamenbrei! Und fünfzig tierische Persönlichkeiten, die mir Dummheiten zwischen die Pfoten spucken, ekelhaft! Das Theater ist am Ende. Es existiert nicht mehr! Es existiert nicht mehr! Reißt sie nieder, die Theater! Reißt sie nieder!
  • Die Kunst ... Puah! Ekelhaft! Die Kunst ist tot! Wo sind die begabten Autoren hingegangen? Es gibt sie! Aber ... aber niemand will sie haben! Die Mittelmäßigkeit hat Oberwasser bekommen, in dieser Welt der Schwachsinnigen! Konsumdenken! – Und er begann zu weinen.
  • Ich sagte, geht alle nach Hause, Tiere! Versteht ihr nicht? Aber ... aber ich möchte wenigstens wissen ... kennen lernen ... wer diesen Text geschrieben hat. Hier ist ein Name ... einer Eselin! Wer ist diese Eselin? Ich bin nicht schuld ... Sie sagen mir: ‚Arbeite und schweige!‘ So dreht sich das Rad. Ich halte es nicht mehr aus, das zu erdulden ... vielleicht. Auf diesem Regiebuch steht ein Name einer ... -
  • Eselin! Ja, wirklich, einer Eselin! Herr Regisseur Bär –, krähte der Auerhahn.
  • Die Eselinnen! Also dann ist das Theater wirklich am Ende! Es gab noch einige Hoffnungsschimmer. Wer ist das, wo ist diese Eselin? -
  • Die Lebensgefährtin des Produzenten! –, quiekte der Steinmarder.
  • Sie lebt mit dem Produzenten zusammen ... vielleicht in Cinecittà! -, krähte der Auerhahn lauthals.
  • ... vielleicht in Cinecittà? Ah, die Eselin ... in Cinecittà ... diese hübsche Eselin mit der Schleife ist die Lebensgefährtin des Produzenten? Hübsch ... mit der Schleife ... Donnerwetter, sie hat wirklich schöne Beine. Wunderschöne Beine von schwarzen Spitzenstrümpfen liebkost ... Hufe mit gelbrotem Nagellack bemalt ... Und ... und also ... - sprach er zu sich selbst, – was tun ...Vorsicht, hier mit der Eselin kann ich mir wirklich einen Bärendienst erweisen! Ich denke, dass ... Bleibt hier, in Kürze nehmen wir die Arbeit wieder auf ... weil ... weil ... hier handelt es sich um Eselinnen ...Verstehe ... vielleicht wird dieser Text ... Er ist wirklich interessant! Los, los! In Kürze, das ist jetzt schon vorbei. Alle auf die Bühne, Tiere! Wir beginnen von vorne. Fang wieder an zu lesen, Henne! Bauch rein, Brust raus! Schnabel in waagerechte Position! Ich bitte euch! Vielleicht ist für mich ... für euch dieser Text sehr interessant. Das Theater wird überleben, dessen bin ich sicher! Mehr als sicher! Es wird überleben ... denn entweder gibt es die Kunst oder es werden die ... Es ist eine wirklich hübsche und intelligente Eselin, diese da! Die Eselinnen werden immer ihre Rolle spielen, in der Welt der Kultur, da bin ich sicher. Mehr als sicher. Los Henne, fang wieder an zu lesen! -

VIEL UND WENIG

  •  
  • Und eines Tages ging Wenig, so wütend wie noch nie, zu Viel.
  • Hör mal du! Du weißt ... du weißt schon, dass du mir das G kaputt gemacht hast ... -
  • Das G? -
  • Ja, das G. Und jetzt bin ich wütend. Da hast du es! -
  • Beruhige dich. Reg dich nicht auf, denk an dein Herzleiden! Setz dich hin und atme tief durch, du bist ja ganz abgehetzt. Außerdem ... warum bist du so wütend wie noch nie? -, antwortete Viel mit einem gewissen Überlegenheitsgefühl und blähte dabei sein IE auf, während es sich mit dem Aber beratschlagte.
  • Weil ... weil ... letzte Nacht konnte ich nicht schlafen und ich fing an nachzudenken und ich habe entdeckt, dass du nichts anderes bist als ich! ... Ich gebe dir das Leben! Ohne mich wärst du weniger als eine zerquetschte Null! -
  • Hah ... hah! Ich ... weniger als eine zerquetschte Null!? Da hast du dummes Zeug gedacht! Die Schlaflosigkeit spielt einem schlimme Streiche. Ich rate dir zu einem Doktor zu gehen! Zu einem guten Doktor. -
  • Das ist nicht wahr! Ich leide nicht unter Schlaflosigkeit. Du würdest ohne mich nicht existieren! Verstanden? Du bist nichts anderes als eine unendliche Anzahl von mir, aneinander gereiht, und du hältst dich für einen König und mich behandelst du wie das Letzte auf der Welt, beschimpfst mich arrogant mit bitteren und harten Worten, ohne eine Spur von Zärtlichkeit! -
  • Viel brach in ein großes Gelächter aus, und während es sich wieder aufblähte, murmelte es: - Wenig, geh weg, bitte, ich hör‘ dir nicht mal zu! Du hast heute Nacht schlecht geschlafen und keifst Dummheiten. Denn die ganze Welt, das bin ich! Sieh dort! Diese Unendlichkeit von Bäumen ... das bin ich! Sieh den Himmel an! Diese Unendlichkeit von Wolken ... Das bin ich! Viel! Ich bin Viel, ein König! Ich bin der Schnee! Bin der Regen! Bin der Tau! Bin das Meer! Ich bin der Strand! Ich bin der Reichtum! Ich bin ein Flugzeug! Das heißt ein Flugzeugträger ... das heißt eine Unendlichkeit von Flugzeugträgern, randvoll mit Flugzeugen! Wer bist du? Weniger als ein Sandkorn im Meer! Bestenfalls könntest du eine Schraube sein ... Ich ernenne dich zur Schraube eines Flugzeugs, bist du nun zufrieden, Schraube? Da hast du es , was du bist! Wenig! Du bist Wenig und wirst immer Wenig sein. Unbedeutend. Ja, wirklich unbedeutend. Eine eingeschraubte Schraube. -
  • Viel ... da ist Aber die Welt ... die Welt ... ich denke du willst sagen ... Wenig hat einige richtige Beobachtungen gemacht ... -
  • Aber, schweig! Misch dich nicht in unsere Angelegenheiten, verstanden? Wenn du dich mit Trotzdem berätst, dann bin ich still und würde kein einziges Wort sagen, auch wenn jemand versuchen würde, es mir mit dem Korkenzieher aus dem Mund zu ziehen! Haben wir uns verstanden? -
  • Aber duckte sich ganz klein auf die Erde und Wenig wurde zu einer Prise und es rutschte ihm das W herunter und verklemmte sich unter dem G und es wurde traurig und weinte einige Tränen, und weil es nicht wusste, was es antworten sollte, verabschiedete es sich von seinem Freund Aber und ging fort.
  • Und auf dem Nachhauseweg traf es in einem vergoldeten Buch eine kohlschwarze Ameise, die es tröstete; sie war ein wirklich intelligentes kleines Wesen, das eilig dahintrippelte, während es ein großes Maiskorn vor sich her rollte.
  • Lass es auf sich beruhen! Viel ist nur ein arroganter Clown! Ein Eingebildeter, der nicht weiß, was er sagt. Er kann keine Zusammenhänge herstellen. Es ist das Wenig, was die Dinge der Welt regelt, hör auf mich. Es ist das Wenig. Du. Du bist ein König. -
  • Wirklich? Ich ein König? Was sagst du da? Du willst mich trösten, weil ich traurig bin. -
  • Es ist so wie ich dir sage: Eine Ameise könnte einem Elefanten eine harte Nuss zu knacken geben, weißt du das? Ich meine nur, als Beispiel ... -
  • Hör auf, bring mich nicht zum Lachen! So ein bisschen Ameise ... -
  • Aber ich sage dir, es ist so. So ein bisschen Ameise kann Großes bewirken, es kommt nur darauf an, wo sie sich einmischt! Ein Virus im Körper eines Wals kann diesen vollkommen auffressen! Ein Hefepilz, der weniger ist als wenig, winzig klein, macht dir aus Trauben Wein, Wenig macht aus Wein Essig, aber was sage ich da ... eine Messerspitze voll Hefe lässt dir den Brotteig bis zur Decke aufgehen ... Es ist das Wenig, was die Erde beherrscht und das Viel zählt nicht ... das heißt es zählt schon, aber es zählt Wenig ... das heißt, ich will sagen ... es zählt, weil es mit Wenig gemacht worden ist. Ich schwöre es dir. Hör auf mich! Du bist Wenig! Es ist nichts anderes als du! Verstehst du? Es würde ohne dich nicht existieren! -
  • Ja ... mehr oder weniger ... dies habe ich ihm gesagt. Aber ... aber was kann ich tun, damit Viel es versteht? Es bläht sich in seinem IE auf, es wird böse ... es bedroht mich ... es flucht ... es sagt, dass es aus mir noch weniger als Wenig machen wird ... -
  • Umso besser ... weniger als Wenig macht das Wenig und das Wenig macht das Viel ... Ganz einfach. Ich habe eine Idee: Ich dachte ... Mit ... Du musst ein Attentat inszenieren! Wer steuert das Schiff, eh? Abgesehen davon, dass das Schiff, so wie du es siehst, eine Unendlichkeit von zusammengesetzten Wenigs ist, und ... und hast du dich je gefragt, wer es steuert? Das Wenig! Du steuerst es! Du hast es gebaut! Du bist Viel! Du kannst das Viel zu einem Blechhaufen reduzieren! Ohne jemanden umzubringen, versteht sich! Ein Blechhaufen, verstanden! Das Wenig steuert das Schiff. Das Wenig des Steuerruders. Verstehst du? Alle Dinge, die du siehst, wurden mit Wenig erbaut und mit Wenig gelenkt. Ein langer Zug wird von wenig gelenkt ... Tschüss Wenig! Ich gehe. Ich habe gesagt was ich zu sagen hatte. Verteidige dich! Lass mich dann wissen, wie es dir ergangen ist! Wenig, du bist ein König und glaubst ein Bettler zu sein. -
  • Und die Ameise verabschiedete sich von Wenig und verschwand in einer ihren vielen Höhlen.
  • Wenig ruhte sich hellwach in seinem vergoldeten Buch aus und dachte nach:
  • Die Ameise hat Recht! Viel hat mich beleidigt, als es sagte, ich sei eine eingeschraubte Schraube, und ... und wenn die eingeschraubte Schraube sich herausschrauben würde? Hier fällt des Pudels Kern herunter! Nein, der Pudel hat keine Schrauben. Das Flugzeug fällt herunter. Da haben wir es! Das Flugzeug fällt herunter! -, sagte es zu sich selbst. – Ich muss Viel und den anderen, die ihm Recht geben, vorführen ... wer ich bin! Und diese anderen, die, um Viel zu haben, die Welt einen krummen Weg gehen lassen! Ach, wenn sich alle mit Wenig zufrieden geben würden ... Das Leben, das Glück ist im Wenig zu suchen. Dummköpfe! Ich werde es allen zeigen, wer Wenig ist! Wer ich bin! Wohl der Ameise, die mich aus dem Schlaf der Naivität aufgeweckt hat! -
  • Dann, endlich, schlief es ein. Es schlief lange Zeit und wachte erst am Nachmittag um drei wieder auf. Es machte sich auf die Reise. Es musste sehr lange laufen und vor Müdigkeit rutschte ihm das W herunter und es stolperte über das G.
  • Es bestieg ein Schiff, das soeben vom Stapel gelaufen war und zum großen Hafen ablegen sollte, um anschließend unter der Flagge der Gesellschaft der Zerquetschten Bananen in See zu stechen.
  • Das Schiff fuhr hochmütig los und das Wenig rutschte achtern ins Wasser und erzählte dem Wenig des Steuerruders, wie die Dinge gelaufen waren ...
  • Und daraufhin löste sich das Wenig des Steuerruders vom Viel des Schiffes und zog sich auf den Grund des Meeres zurück.
  • Das Wenig wanderte noch lange weiter und weiter ... es schlüpfte in einen Kran, der Lasten hochhob; über den Standfuß der Maschine stieg es in den Arm hoch und erzählte alles, was passiert war, dem Ritzel ...
  • Und so löste sich das Wenig des Ritzels eines Kranarmes vom Viel des Kranes los, und als es auf den großen Platz fiel, rollte es davon, wer weiß wohin ...
  • Endlich zu Hause! Wenig ruhte sich in seinem vergoldeten Buch aus und ließ sich das, was es getan hatte, noch einmal durch den Kopf gehen. Es war um die halbe Welt gezogen, um den Wenigs zu erzählen, wie die Dinge liefen.
  • Plötzlich hörte es eine erstickte und verzweifelte Stimme, die nach ihm rief: - Wenig. Wenig, wo bist du? Wenig, wenn du da bist wo du bist, komm heraus, ich bitte dich. Ich bin‘s, Viel, dein Freund. Wenig, ich bitte dich: Komm heraus, sonst bin ich wirklich ruiniert. Ich sterbe auf der ganzen Welt ... überall. An jedem Ort.
  • Wenig, das begierig war zu schlafen, glitt zwischen den Seiten des vergoldeten Buches auf die Erde.
  • Wenig! Wenig, mein Freund! Tu mir nichts Böses mehr an, ich beschwöre dich! Die Schiffe sind ohne das Wenig des Steuerruders zwischen den scharfkantigen Klippen zerschellt! Die Flügel der Flugzeuge sind ohne die Schrauben in die Meere und Flüsse abgestürzt! -
  • Hast du es bereut? Hast du jetzt verstanden, wie das Rad sich dreht ... der Mühlstein? Mit dem Wenig! Jenem Wenig der Zahnräder ... Verstanden? -
  • Ja, ja, ich habe verstanden! In allen Dingen genügt jenes Wenig ... Habe verstanden. -
  • Im Wenig liegt das Geheimnis des Lebens! Das Viel halte sich zurück! ... Eine kleine liebevolle Geste, ein Spiel, ein Wenig Verständnis ... für das Wenig, nicht für das Viel, und ... und die Welt würde nicht in die Brüche gehen! Die Menschen bringen sich für so Wenig um, weil sie alles andere schon haben! Wenn sie den anderen ein Wenig weniger stehlen würden, würden sie in Frieden leben! Für jenes Wenig mehr würden sie in Frieden leben, je nachdem. -
  • Viel verkrampfte sich im V und zitterte mit dem IE.
  • Diese bösartige Gier sät Zwietracht! Dieses Wenig geben, dieses Wenig haben! Viel, du kannst das nicht begreifen! Du bist nur zu mir gekommen, weil du besiegt worden bist, und dann, wenn ich dich in Frieden lasse, wirst du mit deinen Irrtümern fortfahren! -
  • Es wird immer Zwietracht herrschen, zwischen dem Wenig und dem Viel. Es wird immer Zwietracht herrschen, zwischen dem Reichen und dem Armen! Und die Zwietracht ist in dem Wenig, was die Reichen übrig lassen! Wenn wir das Wenig und das Viel analysieren, im sozialen ... zum Beispiel. Entschuldige, wenn ich die Grenzen von Wenig und Viel erweitert habe! Ich habe eine fixe Idee hier im N.
  • Viel, ich bin müde. Komm morgen wieder, und wir überlegen in Ruhe. Jetzt werde ich in mein vergoldetes Buch schlüpfen, um mich auszuruhen.
  • Wie geht es dem Aber? Es ist so unentschieden, das Arme. Ewig unentschieden. Streichle es an meiner Stelle ein Wenig am A aber vorsichtig, damit das A nicht herunterfällt. Sonst wird daraus ein Ber ohne Ä. Viel, komm morgen wieder! -
  • Und das Viel ging sehr niedergeschlagen davon, und es dachte nach, mit seinem Kopf, der arg angeschwollen war, von den Vielen Dingen, die ihm darin brannten, und es fast umbrachten: - ... das Wenig ... im Wenig ... also dort war das Geheimnis des Lebens? Und ... und wer bin also ich? Wer bin ich? Bin ... bin ich wirklich aus dem Wenig geboren? –
  •  
  •  
  •  
  • GROßVATER, ERZÄHLST DU MIR EINE GESCHICHTE ?
  •  
  • Großvater. Groooßvater! Großvater! -
  • Was willst du, Orfeo? -
  • Erzählst du mir eine Geschichte? -
  • Jetzt, wo ich im Garten Unkraut jäte! -
  • Ja! Ich will eine Geschichte! -
  • Sag zur Großmutter, dass sie dir das Buch gibt: Da stehen ganz viele drin. -
  • Nein! Ich will dass du sie mir erzählen musst! -
  • Verflixt! Beim Unkraut jäten habe ich eine Tomatenpflanze herausgerissen. Sie ist zerbrochen. -
  • Tomaten schmecken gut. -
  • Ich habe sie mit dem Unkraut verwechselt, sie war zu klein.
  • Weißt du, was ich dir erzähle? Weißt du, was ich dir erzähle? Die Geschichte, die mir immer die Klosterschwestern erzählt haben! -
  • Ich dachte, Schwestern könnten keine Geschichten erzählen? -
  • Manchmal schon, manchmal auch nicht. Es gibt so viele Schwestern, auf all die Klöster verteilt. Warte, sehn wir mal, wie Schwester Monetta Geschichten erzählte: „Es war einmal ein Bauer, der ein Stück Land besaß, und es, nachdem er die Aussaat beendet hatte, sich selbst überließ. Zuerst spross das Unkraut ganz langsam aus den Samen, und dann alles auf einen Schlag, alles auf einen Schlag, und das Unkraut war schon mächtig gewachsen. Große, große Unkräuter! Seid brav Kinder!“, sagte Schwester Monetta, „Hört zu! Diese Geschichte lehrt euch etwas.
  • Und die Unkräuter wickelten sich um die gute Saat herum. Und sie schlangen sich so fest (Schwester Monetta, die im Kloster lebte, machte so eine Geste, mit ihren langen Fingern) um die Bohnen- und Erbsenpflanzen herum, dass alle vertrockneten. Alle vertrockneten! Es blieb nicht eine Schote übrig. ... Braaav Kinder!
  • Und es kam die Zeit der Ernte und der Bauer begab sich auf sein Land um das Gute zu holen und ... und was fand er? Das Hässliche! Bohnen und Erbsen, heruntergekommen zu dürftigem Stroh. Das Unkraut hatte nunmehr die Oberhand. Und der Bauer weinte, er weinte den ganzen Tag und die ganze Nacht lang, und ein Freund, der ihm zu Hilfe eilte, weil er so weinte, machte ihm Vorwürfe: < Du hättest aufpassen und das Unkraut ausreißen sollen, solange es klein war! Und jetzt steck es dir an den Hut! >
  • Seid brav! Hat euch die Geschichte gefallen Kinder?“
  • Und nur ein Kind hatte den Mut zu sagen: „Nein, Schwester. Mir hat nur gefallen < ... steck es dir an den Hut! > “.
  • „Schweig! Auch du bist ein böses Unkraut.
  • Und dir, Streber, hat sie dir gefallen?“
  • „Mir hat sie sehr gefallen. Papa erzählt mir immer solche Geschichten!“
  • „Tüchtig, Streber, tüchtig. Halte dich immer vom bösen Unkraut fern.“
  • „Ja, Schwester, mein Gehirn ist wie ein großer Eimer: Und ich werfe alles Gute hinein! Vater sagt das immer“, nuschelte Streber mit befriedigtem und gutmütigem Gesicht.
  • „Bitte bleib immer vom bösen Unkraut weg, hörst du, Streber!“
  • Orfeo, hast du dich amüsiert? –
  • Nein. -
  • Das wusste ich. -
  • Nur das < ... steck es dir an den Hut! > -
  • Aber diese Geschichte ist nicht von mir. Die Schwester erzählte sie uns. Weißt du, dass auch mir nur das < ... steck es dir an den Hut! > gefiel? -
  • Großvater, hast du dir jemals etwas an den Hut gesteckt? -
  • An viele, an viele! Aber nie an einen wirklichen Hut, leider, an andere Hüte. -
  • Großvater, sind die Schwestern böse? -
  • Es gibt gute Schwestern und böse Schwestern und gute Großväter und böse Großväter und gute Tanten und böse Tanten und gute Schokolade und schlechte Schokolade und gute Orangenlimonade und schlechte Orangenlimonade. Von allem, von allem, gibt es einen guten und einen schlechten Teil. So ist die Welt. -
  • Großvater, ist die Welt rund? -
  • Ja. Genau wie ein Pfirsich. -
  • Und Schwester Monetta, wohnt sie im Pfirsichkern? Ist der Pfirsichkern das Kloster? Nicht wahr, Großvater? -
  • Der Pfirsichkern ist ganz klein und Schwester Monetta war groß und kräftig. -
  • Großvater, wie weißt du, wann ein Ding böse ist? -
  • Langsam, langsam, immer mit der Ruhe! Häufig irrt man sich. Die guten Dinge hältst du für böse und die bösen hältst du für gut. -
  • Und Schwester Monetta war böse? -
  • Nein, aber ihre Augen sahen überall nur böses Unkraut. -
  • Und wann zieht man das Unkraut bei den Tomaten heraus? -
  • Wenn alles ein bisschen gewachsen ist. Man kann das Unkraut von den Pflanzen unterscheiden, die uns zu essen geben. Und häufig findest du zwischen dem Unkraut eine Blume, und du lässt sie stehen um das Land zu verschönern. -
  • Und warum hast du die Tomatenpflanze ausgerissen, die doch groß gewachsen war? Warum? -
  • Weil du mir seit heute Morgen in den Ohren liegst, und mein Gehirn ganz durcheinander ist. -
  • Gefiel dir die Geschichte als die Schwester sie dir erzählte? -
  • Nein. -
  • Warum? -
  • Sie ist platt. Es gibt keine Alternativen. Man macht es so und basta. Böses Unkraut ausreißen. Es gibt keine Nuancen. Es ist eine Geschichte fürs Priesterseminar. -
  • Was meinst du damit, Großvater? -
  • Solche Geschichten benutzen gewisse böse oder dumme Menschen, um tun zu können, was ihnen bequem ist. Schwester Monetta war aber nicht böse, sie war eine Gans und schnatterte quack quack quack. Sie wählen absichtlich platte Geschichten. Um die Gehirne der Kinder auf ihre Weise zu erziehen. Die Kinder sind kaum geboren, und ... könnten sich schon für böses Unkraut halten. -
  • Entschuldige Orfeo, ich weiß, dass du wenig verstanden hast, es ist nicht deine Schuld, es ist das Gehirnchen, das nur danach verlangt, zu spielen. Du hast mir geholfen, ein wenig mehr zu begreifen. Wenn du ganz groß bist, werde ich dir alles erklären; iss aber inzwischen tüchtig, ich bitte dich! -
  • Großvater, aber sind die Kinder böse? -
  • Aber nein! Kinder sind immer gut. -
  • Und wieso sagst du dann manchmal dass ich böse bin? –
  • Großvater macht Spaß! Außerdem, weißt du, was manchmal geschieht? Dass deine Energie so viel ist, dass sie mich verwirrt. Aber du macht es richtig, dich so zu verhalten, weil du neu auf der Welt bist. Der Großvater oder die Mama oder der Papa, sie müssen dich ein wenig schimpfen, weil du dir sonst wehtun könntest. Kinder sind nie böse, merk dir das. -
  • Waruuum? -
  • Weil sie Welpen sind. -
  • Großvater, was ist ein Welpe? Großvater, Großvater! Kaufst du es mir, das Eis ‚Großer Welpe‘? -
  • Oh Gott! Mir zerspringt der Kopf! Seit heute Morgen hast du schon drei Eis gegessen, davon tut dir nur das Bäuchlein weh! -
  • Nein! Ich will das Eis! Geh es kaufen! Ich will es! Den ‚großen Welpen‘! -
  • Orfeo, sei nicht so böse! -
  • Da hast du es gesagt, dass ich böse bin! Böse hast du gesagt! -
  • Ich habe es nur wegen des Eises gesagt, dass du böse bist, und ... und ich habe einen Fehler gemacht. Orfeo, geh mir nicht auf den Wecker. Ist das recht so?
  • Hast du gesehen, Orfeo, dass nichts einfacher ist, als euch wie böses Unkraut zu betrachten? Das geht schnell. Es ist bequemer in einen Haufen zu schießen. So und nicht anders. Schweigt! -
  • Nein! Ich bin nicht auf den Wecker gegangen! -
  • Orfeo, spiele nicht das böse Unkrauuut! -
  • Ich bin keine böses Unkraut! -
  • Also dann spiele nicht die Bohne und die Erbse! -
  • Bin keine Erbse! -
  • Oh Gott, oh Gott, was habe ich für Kopfschmerzen bekommen! Ich vergaß, ich muss ja gehen und mir eine Spritze gegen das Kopfweh geben lassen. Willst du mitkommen? -
  • Nein! Keine Spritze, nein! -
  • Manchmal muss man sich eine Spritze geben lassen. Sie nimmt die Krankheiten weg. -
  • Ich habe keine Krankheiten! -
  • Großmutter, Großmutter, komm und leiste Orfeo Gesellschaft, ich muss zum Doktor gehen und mir eine Spritze geben lassen! -
  • Ich kommeee! Orfeo, komm, komm, ich gebe dir ein bisschen Salz und Pfeffer. -
  • Geh, geh zur Großmutter, sie gibt dir Salz und Pfeffer! -
  • Nein, ich will den ‚Großen Welpen‘! Großvater, tut der Doktor dir weh, wenn er dir die Spritze gibt? -
  • Manchmal ja, manchmal nein. -
  • Also dann geh, geh, ich bleibe hier bei Großmutter! Großmutter gibt mir Pfeffer und Salz und dir nicht, dir nicht hu hu hu... Geh und lass dir die Spritze geben! Böses Unkraut! Salz und Pfeffer! Großmutter, nach dem Salz und Pfeffer, kaufst du mir dann den ‚Großen Welpen‘? -
  • Ja, aber zuerst Salz und Pfeffer. -
  • Und Orfeo zog plötzlich viele, viele Grimassen und rannte los, um die Großmutter zu umarmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

NACHMITTAG

  •  

Vati, gehen wir ans Meer? -

Es ist spät. -

  • Vati, gehen wir ans Meer, es ist heiß! -
  • Ist es heiß? Wirklich? -
  • Ja! Bringst du mich ans Meer? Wirklich? -
  • Ja, ich bringe dich hin, aber nicht wieder weinen! Ich kann dich nicht mehr weinen hören. Ich muss mich erbrechen, wenn ich dich noch einmal weinen höre. Erbrechen! -
  • - Also, dann bring mich ans Meer! -
  • Die heiße Sonne hatte die Basilikumpflanzen vertrocknen lassen. Die dürren Blätter erschienen wie tot und die Katzen spielten im Schatten eines Aprikosenbaumes, indem sie auf den untersten, u-förmigen Zweigen herumkletterten. Ein anderer Baum folgte mit den Augen einem weißen Schmetterling, der unentschlossen in der schweren Luft
  • umherflog.
  • Luigi hopste wie ein Eichhörnchen, wobei er das Eimerchen voll Wasser hin und her schwenkte.
  • Geh und zieh dich an, dann gehen wir spielen, an den Strand! -
  • Ans Meer? -
  • Ja. -
  • Und baust du mir ein Schloss aus Sand, mit einem König, mit Wasser und Fischlein drin? -
  • Ja. Du hast die Königin vergessen. Aber geh jetzt und zieh dein Badehöschen an, weil die Katze sonst dein Zipfelchen fressen
  • könnte! -
  • Es ist heiß … und außerdem frisst die Katze es nicht, weil sie weiß, dass es mein Zipfelchen ist! Verstanden? Siehst du, dass ich es noch habe? Du bist wirklich dumm, Vati. -
  • Ach, Vati ist dumm? Wenn die Königin dich hören könnte! -
  • Was … Lässt sie mich dann nicht in ihrem Schloss spielen? Vati? -
  • Ja, genau. -
  • Warum? -
  • Darum. Weil du ein Schlingel bist, lässt sie dich nicht in ihrem Schloss spielen. -
  • Na dann … ist die Königin wirklich dumm. -

TO BE THE PICTURE OF HEALTH

  •  
  • Wir sind Bestien, wir Leute von hier!
  •  
  • Vor kurzem, wirklich erst vor sehr kurzer Zeit, in einem schönen, nicht sehr großen, vielleicht sogar recht kleinem Haus, das in einen Stein gehauen war, wirklich, in einen großen, großen Stein, eine Masse mit ganz vielen kleinen Fensterchen, so wie die eines Schlosses, zu Füßen des Berges Epomeo aufgestellt, zwischen Meer und Land, lebte der Bauer Gioppino.
  • Wer weiß, wer weiß ... vielleicht, vielleicht ... war er der Urenkel des Bauern Cioppino aus Porcospino? Aber, wer weiß das schon? Na gut, wer es weiß, der weiß es.
  • Gioppino liebte all die schönen Dinge, die er in den Büchern entdeckte, nachdem er sie wieder und wieder gelesen hatte.
  • Er hatte drei Katzen und einen Hahn und eine Henne und außerdem sieben Frösche, die er in einen großen Bottich gesetzt hatte.
  • Der Hahn machte Kikeriki, einen Morgen ja, einen Morgen nein, und die Henne, die noch fast ein Küken war, legte einen Tag ja, einen Tag nein, ein Ei, das hart war wie ein Flusskiesel.
  • Und die sieben Frösche hatten es nie geschafft, auch nur eine einzige Kaulquappe großzuziehen!
  •  
  • Ein freundliches Stimmchen einer rolligen Katze deklamiert:
  • „Häppchen mit Nordmeerlachs“.
  • Eine andere Katze, im Badekostüm, zeichnet glücklich mit dem Pfötchen mit lackierten Krallen ein gesticktes Herz auf die Glasscheiben.
  •  
  • Und Flocky und die rote Ceppi und Marc‘Antonio hatten sich auf dem Polsterstuhl ausgestreckt und lauschten mit heraushängender Zunge. Dies war nunmehr die Standardszene, seit die schwarze Kiste ins Haus gekommen war, die, sobald sie eingeschaltet wurde, Stimmen und Blabla von sich gab, und manchmal sang. Auf dem Polsterstuhl ausgestreckt lauschten sie mit heraushängender Zunge.
  • Und ... und es war wirklich an jenem Tag, dass Gioppino, als er wieder einmal Flocky sah, der noch mehr als die anderen mit offenem Mund zuhörte ... eine Entscheidung traf. Er ging zum Supermarkt ... Er gab seinen drei Katzen aus einer Dose zu essen ... die ein Qualitätsetikett trug und die Abbildung einer Katze und außerdem die Aufschrift: „To be the picture of health!“
  • Flocky war dabei, sich die Oberlippe zu lecken, die noch nach Fleisch und Fisch schmeckte, während die rote Ceppi friedlich im Rucolabeet lag, im Schatten eines Feigenbaumes mit langen und kapriziösen Zweigen, und dann Marc‘Antonio, der sich mit angeschwollenem und hartem Bauch unter ein großes vergilbtes Kürbisblatt geduckt hatte.
  • Und plötzlich ließ sich auf einer Kürbisblüte ein schöner Schmetterling nieder; freundlich, mit langen, dünnen Flügeln; farbig bestickt in bizarren Farben.
  • Flocky jaulte. Er fixierte mit den Augen die leere Dose und streichelte mit den Pfötchen, die er so zart ansetzte, als ob er die Verlobte bei sich hätte, die Katzenabbildung, und es schien fast so, als wolle er einige weitere Fleischstückchen herausziehen, aus dieser rot phosphoreszierenden Aufschrift: „To be the picture of health!“
  • Und Marc‘Antonio schoss unter dem Kürbisblatt hervor und packte mit den Pfoten, die er wie Händchen hielt, den Schmetterling.
  • Und mit eingezogenen Krallen ließen die Pfötchen hin und wieder etwas locker.
  • Und der schöne Schmetterling erholte sich an der Luft und Marc‘Antonio ergriff ihn wieder übermütig und zerrte ihn durch Staub und Gestrüpp.
  • Lass mich –, lispelte artig der Schmetterling, - du bist doch schon satt und ... Willst du mich umbringen? -
  • Er spielt nur –, miaute flink die rote Ceppi.
  • Und Gioppino, der die rote Ceppi miauen gehört hatte, ergriff rasch einen Besenstiel und warf ihn nach Marc‘Antonio.
  • Lass den Schmetterling! Lass ihn! Wie kannst du nur seine schönen Farben so herumziehen! Statt Mäuse zu fangen! Willst du mit dem Schmetterling den Helden spielen? Der Dummkopf. Das bequeme Leben, he? Fang Mäuse! Sie haben sich so sehr vermehrt! Spielen die Helden mit Schmetterlingen! Diese Dummköpfe. Ab morgen gebe ich euch nur ein wenig Brot und vielleicht ein wenig Wasser, zur Strafe ... Vier Tage lang! Ins Haus kommt ihr mir nicht mehr herein! Fernsehen! Von wegen! Euch gefällt die zu viele Werbung, he? „To be the picture of health“? „Häppchen mit Nordmeerlachs“! Welch verkehrte Welt, hier so viel und dort nichts! Dort niiichts! –, deutete er mit dem kleinen Finger in Richtung weit entfernter Länder, genau in die Richtung, in die einige Möwen geflogen waren. - Wir sind Bestien, wir Leute von hier! Bestien! -
  • Marc‘Antonio hatte sich in eine Plastikröhre geflüchtet, die wie eine Schlange auf dem Boden herumlag, und der Schmetterling ordnete, noch ganz betäubt und übel zugerichtet, seine Beinchen, die wie Spinnenfäden waren, und als er sich in die Lüfte schwang, wandte er sich glücklich dem Meer zu, um seine langen, mit bizarren Farben bunt bestickten Flügel den dünnen elfenbeinfarbenen Segeln der kleinen Boote zu zeigen, die friedlich in dem leicht gekräuselten Wasser dahinglitten, wie viele, viele Nussschalen.
  •  
  • Sind wir Bestien, wir Leute von hier?
  • Es gibt Leute, die sagen das, und es gibt welche, die sagen nein, nicht ...
  • Manche sagen ja ...
  • Manche sagen nein ...
  • Entschuldigen Sie mein Herr, meinen Sie mich? Ich sehe, dass Sie aufgestanden sind, und mit dem Finger auf mich zeigen. Möchten Sie eine Frage stellen? -

  • Ja, Ihnen. Und Sie? Sind Sie eine Bestie? -
  • Aber ... Sieh einmal an, welche Frechheit! Was hat das mit dem Autor zu tun? –
  • „Ja, Ihnen. Und Sie? Sind Sie eine Bestie?“ Was hat das mit dem Autor zu tun? - wiederholte zirpend eine Dame im Pelzmantel. - Welche Frechheit! –
  • Ich danke Ihnen, gnädige Frau, seien Sie unbesorgt. Sie sind sehr schön. -
  • Danke. Sie sind tüchtig, Sie sind gut! -
  • Bitte. Gern geschehen.
  • Und ich?
  • Aber ich bin auch eine Bestie, weil ich hier sitze und mir den Bauch kratze: To be the picture of health.
  • Und dann ihr alle hier, die ihr mir zuhört und euch auch wieder die Bäuche kratzt.
  • Aber außerdem ist die Welt ein Bauch, und manche haben ihn leer, und manche haben ihn voll! Die Welt ist nur ein Bauch!
  • Ich will es zusammenfassen. Wir haben unsere Bäuche. Gut so?
  • No problem? Ehi, no problem? -
  • Ja, no problem. –
  • Tüchtig. Tüchtig. –
  • Interessant. –
  • Wirklich tüchtig. –
  • Ich habe mich amüsiert. –
  • So spritzige Fabeln ...
  •  
  • Applaus...Applaus...Applaus...Applaus.
  •  
  • Elena, kommst du mit uns zum Abendessen? Bohnensuppe mit mexikanischen Würstchen und Rouladen aus gebratenem Fleisch mit gebratenem Schinken und gebratenen Melonen und gebratenen japanischen Algen und gedünstetem Kellner! Gehen wir zu den römischen Schlössern! -
  • Giorgio, ich kann nicht, ich muss nach Neapel fahren ... ein Geburtstag! Meine Cousine wird hundertdreiundsiebzig Jahre alt! Da gibt es ein exzellentes Mahl. Im Restaurant „Abbuffati ca nu‘ schiatti“ * , in Marechiaro. -
  •  
  • Carla, hast du es bestanden, das Examen in Philosophie? –
  • Ja. Dreißig Punkte und Auszeichnung. Aber ich bin nicht Carla, meine Freundin heißt Carla. –
  • Was denkst du so, über eine westliche Katze, ‚Dreißig Punkte und Auszeichnung‘? -
  • Sie ist ein Anhänger der westlichen Welt. Ich heiße nicht ‚Dreißig Punkte und Auszeichnung‘! Uff, geh mir nicht auf den Wecker! -
  • Gehe ich dir auf den Wecker, weil ich hässlich bin, ‚Dreißig Punkte und Auszeichnung‘? -
  • Ja. -
  • Sieh mich gut an, dann siehst du, dass ich schön bin ‚Dreißig Punkte und Auszeichnung‘. Ciao, ‚Dreißig Punkte und Auszeichnung‘! Auszeichnung für dich, Dreißig Punkte! Aber du sagst mir nicht einmal, wie du heißt. Dreissig, vierzig, der Hahn irrt sich und das Huhn bellt. Weißt du, ich lebe auf dem Lande und habe ein Schaf, das Eier legt und sie dann warm hält, und es kommen lauter verblödete Küken heraus. -
  • Uff, geh mir nicht auf den Weckeeer! Gott, was für ein Dummkopf! Verschwindeee! Ich rufe den Pförtner! -
  • Entschuldige, ich bin einer aus dem Westen. Schau, hier gibt es keinen Pförtner, wir sind im Theater. -
  •  
  • Bewegt ihr euch? Essen wir? Dreissig, vierzig, die Kuh irrt sich. Hier so viel und dort nichts.
  • Gioppinooo. Rote Ceppi, auf, bewegen wir uns!
  • Ich bin keine Katze. Die rote Ceppi kommt nur in der Fabel vor.
  • Sie haben einen flachen Bauch wie diese Dünnen in den fernen Ländern. Gehen wir, ich habe Appetit bekommen. Häppchen mit Nordmeerlachs. -

 

 

 

 

 

DIE FLIEGE MIT DEN LANGEN HAAREN

  •  

Kindergeschrei, lauter als das Zirpen von tausend Zikaden und das Grunzen von fünfzehn Schweinen, die alle zusammen in einen Schweinestall eingesperrt sind! Und der aromatische Dampf von Essen, Nudeln mit Linsen, segelte in Form von dünnen Wolken durch die Luft und blieb an dem großen Spiegel in der Küche hängen.

  • Luigi sei brav! Mach keine Zirkuskunststücke mit diesem Glas! Trink! Du drehst und wendest es, du hebst es hoch und nimmst es zwischen deine Händchen ... Brav! Sei brav zu Papa! Papa ist müde ... Mama ist müde ... Und dem Ei fehlt das Huhn das es wärmt. Ah ah ah, mein Hübscher sei ruhig ... Schmeckt dir das Ei? -
  • Nein, Papa! Aber dein Auto, ist es weiblich? -
  • Nein Luigi. Mein Auto ist ein Auto. -
  • Nein! Dein Auto ist weiblich! -
  • Ja, sei brav. Mein Auto ist weiblich. -
  • Und heiratet es, dein Auto? -
  • Ja, es heiratet. -
  • Das Dreirad von Onkel Guido? -
  • Ja. -
  • Warum ist das Dreirad von Onkel Guido männlich? Hat es ein Zipfelchen, das Dreirad von Onkel Guido? Und wo hat es sein Zipfelchen, das Dreirad von Onkel Guido? -
  • Zwischen den Rädern. Genug! Schluss, aus, es reicht! Du hast es geschafft, dass mir der Kopf schwirrt. Lass das Glas sein! Stell es hier hin! Still! Still, oder ich ziehe dich an den Haaren!
  • Daria, schrei nicht so und ziehe nicht die Katze am Schwanz!
  • Lass sie in Frieden, sonst wird sie nervös und kratzt dich. -
  • Daria du tust mir weh! Schau her, ich kratze dich, dass du einen Monat lang hässlich aussiehst! –, erwiderte die Katze Betty, die auf einem Auge nicht gut sah, weil Orfeo sie am Morgen in einen Eimer mit Chloroform gesteckt hatte, indem er sie am Schwanz fest hielt.
  • Diana! Raus hier! Raus! Du bekommst das heiße Öl aus der Fritteuse ab! Dann kommst du ins Krankenhaus und dir geht die ganze Haut ab. Ihr bringt mich um. Ihr bringt eure Mama um. Ich kann nicht mehr, ich sterbe. -
  • Und Brunella schaltete den Herd mit dem Omelett darauf aus und setzte sich in den Sessel, fix und fertig, wie eine Kranke.
  • Ich bringe überhaupt nichts mehr fertig! Seit heute Morgen macht ihr es so. Es geht mir schlecht! Ich lasse alles stehen und gehe fort. Auch noch die Katzen! Die Katzen haben mir gerade noch gefehlt! Vier Kinder und drei Katzen! Die Katzen müssen im Garten bleiben! -
  • Ich will die Katzen auch nicht hier haben! Ich will sie hier nicht! –, stieß ungestüm der Papa aus. – Orfeo, was hast du in den Mund gesteckt? Das ekelhafte Zeug, das du an den Schuhen hattest? Spuck‘s aus! Spuck‘s aus! Dummkopf, spuck! Du bist ein Dummkopf! So etwas isst man nicht! Hast du Hunger? Und wenn du die Nudeln mit Linsen nicht isst, ich schwöre, dass ich dir den Kopf ... in den Eimer stecke. Wie du es mit der Katze gemacht hast. -
  • Daria ging den Nussknacker holen und dann spürte sie die Katze auf, die sich unter einer alten Nähmaschine zusammengerollt hatte und zwickte sie zwischen die Beine.
  • Die Katze sprach nicht. Sie miaute nur.
  • Miaue wenig, oder hier geht es schlimm aus! Ich mag nicht mehr draußen herumstreunen. Sei still und flüchte unters Sofa! –, befahl Kater Romeo der Katze Betty, denn er hatte das Kommando.
  • Verstecken wir uns gut hier irgendwo! Es ist schön warm hier; im Garten ist eine Eiseskälte, dass die Steine zerspringen! –, murmelte der rote Flocky.
  • Lauf weg, lauf weg! Betty lauf davon! Orfeo kommt, vielleicht wirft er dich wieder ins Chloroform! – schrie Romeo.
  • Los, geben wir Pfotengeld! Unters Sofa! -, schrie wieder der rote Flocky.
  • Papa, ist es wahr, dass ich heirate, wenn ich groß bin, und Kinder bekomme ... bekomme ... und dann, und dann rauche ich Zigaretten und trinke Kaffee und sogar Wein? -
  • Ja, Luigi, und heirate bloß schnell, denn ich halte es nicht mehr aus, und trinke Wein und rauche und das Dreirad von Onkel Guido ist männlich und mein Auto ist weiblich und mache das Glas nicht kaputt, sonst beiße ich dich in den Arm! -
  • Die Energie der vier Kinder elektrisierte die Luft, die nach Essen roch. Diana zog mit ihren elastischen Händchen einen massiven Holzstuhl durch die Wohnung und schob ihn zu der großen Kaminöffnung hin, sie stieg hinauf, und während sie die Kekse auf der Kaminkonsole ergriff, rutschte sie aus und...
  • Fang sie auf! Fang sie auf! Sie fällt ins Feuer! -
  • Diana wurde an einem ihrer Ärmchen vom Papa aufgefangen. Der Papa schloss bewegungslos für einen Augenblick die Augen, um nicht vor Angst ohnmächtig zu werden.
  • Oh Gott! Du wärst ganz verbrannt! Verkohlt, wärst du! -
  • Diana wurde blass und nach einer Weile begann sie: - Wäre ich ganz verbrannt, wie die Frikadellen? -
  • Ja, wie die Frikadellen! Und wenn du jetzt die Frikadellen nicht isst, bekommst du jede Menge Hiebe, so viele Hiebe...nur Gott weiß wie viele, - warnte Brunella mit angespanntem und müdem Gesicht.
  • Das Feuer im Kamin verursachte Explosionen wie ein kleiner Vulkan und glühende Funken wurden in die Wohnung geschleudert, weil Kastanienklötze angezündet worden waren, und Tausendfüßler, Würmer und Ameisen beim Versuch zu fliehen in die glühende Asche fielen.
  • Dieser Halunke hat mir Kastanienholz für Eichenholz gegeben! Sobald du den Rücken kehrst, puff, und sie legen dich herein! –, brummte der Papa.
  • Die Kinder, außer Orfeo, rannten zum Kamin, um die Kohlenstückchen zu sehen, die in der Wohnung herumhüpften.
  • Papa, warum hüpft das Feuer? –, nuschelte Daria.
  • Weil dieser Halunke mir Kastanienholz verkauft hat und kein Eichenholz. -
  • Wieso Halunke? Was ist eine Eiche? -
  • Willst du wissen wieso er ein Halunke oder was eine Eiche ist? -
  • Was eine Eiche ist! -
  • Das ist ein großer Baum mit ganz vielen ganz kleinen Blättern, und er macht ganz viele Eicheln, die von den Schweinen aufgegessen werden. -
  • Und warum essen die Schweine sie? -
  • Damit sie uns ganz viel Schinken geben. -
  • Ist der Schinken gut? -
  • Er ist gut und jetzt kann ich dich nicht mehr hören; verschwinde von hier, sonst verbrennst du dir ein Ohr. Siehst du nicht wie das Feuer herumspritzt? -
  • Papa, weißt du, dass in meiner Schule Brigida und Vincenzo geheiratet haben, weil sie sich auf den Mund geküsst haben, und dass die Schwester Vincenzo geschlagen hat, und Vincenzo tot ist? -
  • Daria, hast du Papa lieb? -
  • Ja! -
  • Also dann sei brav, sonst wird Papa tot, wie Vincenzo! -
  • Papa! Papa! Das ekelhafte Zeug von den Schuhen ist nicht gut und ich habe es gegessen. Sterbe ich jetzt? –, nuschelte und gestikulierte Orfeo mit der Angst im Leib.
  • Ah, du hast das ekelhafte Zeug von den Schuhen gegessen? Und jetzt stirbst du. -
  • Sterbe ich Papa? Sterbe ich und bringt man mich ins Krankenhaus? -
  • Ja, und dort lassen sie dich ganz alleine im Bett, ohne Mama und ohne Papa. -
  • Und was machen sie mit mir, wenn ich gestorben bin? -
  • Sie geben dir eine Spritze! Eine ganz, ganz lange Spritze. Wie ein halber Prügel. -
  • Orfeo weinte verzweifelt, als er sich vorstellte die Spritze wäre so lang wie ein Besenstiel.
  • Wie der Besen? So lang? -
  • Ja, wie der Besen. Der Besen hat einen Stiel, so lang, und das hast du dir selbst zuzuschreiben. Willst du ins Krankenhaus gehen? Dort ist auch Schwester Vincenzina! Und sie gibt dir die Spritze. -
  • Nein! -
  • Also, wenn du alles ganz aufisst, vielleicht wirst du wieder gesund, trotz des ekelhaften Zeugs, das du gegessen hast. Wirst du den Brei ganz aufessen? -
  • Wie? Vielleicht...? -
  • Und dann sagte Orfeo ja.
  • Und dann füllte Luigi das Glas mit Brotresten und Papierservietten und mit den elektrisierten Händchen knetete er alles durch und dann noch ein wenig Spucke und mit den Händchen...
  • Das Glas fiel zur Erde!
  • Es zerbrach in tausend Scherben.
  • Überall Glas auf der Erde!
  • Und Luigi bekam solche Angst und weinte, dass die Katze Betty wie ein Eichhörnchen unter seinen Stuhl hüpfte und murmelte: - Sag dass es die Fliege mit den langen Haaren gewesen ist! Sag dass es die Fliege mit den langen Haaren gewesen ist, die das Glas auf den Boden geworfen hat! Dummkopf, beeile dich! -
  • Wer war das, wer hat das Glas auf die Erde geworfen? –, rief Brunella nervös.
  • Wer war es? –, rief der Papa.
  • Es war die Kat... -
  • Nein! Die Fliege, die Fliege mit den langen Haaren! Dummkopf! -, wiederholte die Katze.
  • - Es war die Fliege mit den langen Haaren. Die Fliege mit den langen Haaren –, wiederholte Luigi.
  • Ah, es war die Fliege mit den langen Haaren? -, sagte der Papa.
  • Schlag ihn nicht! Ja, die Fliege mit den langen Haaren –, sagte die Mama.
  • Na gut. Wenn es die Fliege mit den langen Haaren gewesen ist ... Wir müssen sie fangen, die Fliege mit den langen Haaren! Luigi ist unschuldig. -
  • Ja! Die Fliege mit den langen Haaren. Mit den langen Haaren! Sie ist herumgeflogen und hat alles auf die Erde geworfen -, stotterten die Kinder, fast sicher, dass sie damit aus dem Schneider waren.
  • Ja, es ist die Fliege mit den langen Haaren gewesen. Es ist die Fliege mit den langen Haaren gewesen. Wenn ich sie kriege, schlage ich sie tot! Wenn ich sie kriege, schlage ich sie tot! Also sei brav Luigi, weinst du? Sei brav! Es war die Fliege mit den langen Haaren, die das Glas kaputt gemacht hat. Du hast nichts gemacht, Luigi. Luigi ist brav, nicht wahr? Kopf hoch! Heule Papa nicht voll! -
  • Also, dann schlag sie tot, schlag sie tot! –, schrie Luigi, der sich fast beruhigt hatte und sein zartes Gesicht vorzeigte, über das drei lange Tränen liefen, die in großen Tropfen endeten, und ihm fast auf das Frotteehemdchen fielen. – Die Fliege mit den langen Haaren! Die Fliege mit den langen Haaren! -
  • Die Mama schickte sich an, das Glas vom Boden zu beseitigen und die Kinder lachten und lachten und amüsierten sich damit, immer wieder zu sagen, dass es die Fliege mit den langen Haaren gewesen sei, die dieses Durcheinander angerichtet habe.
  • Fang sie, fang sie! Sie hat sich dort hinten versteckt, dort hinten, die Fliege mit den langen Haaren! -
  • Wo, wo? Ich sehe sie nicht, ich sehe sie nicht! –, schrie der Papa und lachte laut.
  • Es reicht, es reicht! Sie ist fortgeflogen, die Fliege, sie ist fortgeflogen, die Fliege, – wiederholte die Mama, - Achtung! Werft mir nicht die Teller zu Boden! Setzt euch alle! Esst die Nudeln mit Linsen alle auf! Sie sind sehr gut. Hier sind sie: Für dich. Für dich. Für dich. -
  • Mama, es ist heiß! -
  • Puste. -
  • Ich kann nicht pusten. -
  • Lass dir von der Fliege mit den langen Haaren helfen! -
  • Sie ist fortgeflogen! Ganz weit fort. -
  • Papa –, fing Luigi wieder an, – ist das Grün männlich? -
  • Ja, das Grün ist männlich. -
  • Und ist das Rot männlich? -
  • Nein, das Rot ist weiblich. -
  • Und die Farbe Hellblau? -
  • Männlich. -
  • Papa, heiratet das Grün das Rot? Bekommen sie Kinder? -
  • Ja. Sie bekommen welche, ganz viele. -
  • Und wie heißen sie? -
  • Die Grünroten! -
  • Die Grünroten? Und dein Auto? -
  • Ist weiblich. -
  • Und wo schläft dein Auto? -
  • Beim Ehemann. -
  • Papa ich will trinken. Dieses Wasser dort. -
  • Aus der Flasche? -
  • Ja. Papa, ist die Flasche weiblich? -
  • Oh Gott, noch immer? Ja, die Flasche ist weiblich und die große Flasche ist männlich. -
  • Aber heiraten sie auch? -
  • Ja, sie heiraten, die Flasche und die große Flasche, und sie bekommen zusammen kleine Fläschchen. -
  • Die kleinen Fläschchen sind die Kinder? -

 

Und außerdem... und außerdem... Die Fliege mit den langen Haaren war davongeflogen... und das Rot ist männlich und das Grün ist weiblich...

Und warum ist das Dreirad von Onkel Guido männlich? ...

Schläft das Auto auf einem Kissen? ...

Die Grünroten ziehen in den Krieg ...

Wie macht das Schwein die Schweinsbratwürste..?

 

Die Kinder schliefen ein, auf dem Boden, auf dem Sofa, mit dem Kopf auf dem Tisch...

  • Los -, sagte Brunella, – bringen wir sie nach oben ins Bett. Ich bin
  • todmüde. Wer hat mich umgebracht? -
  • Die Kinder! Gott, wie schwer Luigi ist! In welchem Bett soll ich ihn abladen? -
  • Auf dem dort mit der Bettdecke mit Mohnblumenmuster. -
  • Wie schön: Der Tag ist zu Ende! Ruhen wir uns eine Stunde aus, die Nacht beginnt wieder! Luigi, ich bitte dich, wach diese Nacht nicht auf! -
  • Vielleicht legst du in einer Stunde die Kissen, Schlümpfe und Teddybären alle um ihn herum aufs Bett, sonst müssen wir ins Krankenhaus rasen, wenn sie herunterfallen. Vier Kinder! Denk nur: Wir müssten sie alle ins Auto setzen! Erinnerst du dich an diesen schlimmen Tag, voriges Jahr? -
  • Ja! Ich möchte ein Baum mit einer Kapuze aus Schnee sein, ganz allein in einem weißen Wald, umgeben von ganz vielen schweigenden Bergen. -
  • Neapolitanisch: Stopf dich voll, du kannst ja nicht platzen.

FLOCKY, MARC‘ANTONIO UND DIE ROTE CEPPI

  •  
  • Gioppino war müde, weil er die ganze Nacht gegrübelt und immer wieder über die vielen Dinge auf der Welt nachgedacht hatte, und dabei nicht einmal ein wenig die Augen geschlossen hatte. Dann, in der letzten Stunde, fast am frühen Morgen, fiel er in seinem Bett in einen tiefen Schlaf. Und er wachte erst wieder auf, als es fast Mittag war, und nur dank seines großen Gockels, der ganz verschwitzt war und sich total verausgabt und sogar die Stimme verloren hatte, um ihn durch sein Krähen aufzuwecken, und am Ende gelang es ihm.
  • Er las sehr viele Bücher, Gioppino. Er blätterte in ihnen herum, er drehte und wendete sie hin und her, mit seinen kleinen Händen und den mit Spucke benetzten Fingern, die einem Kind zu gehören schienen ... außerdem stellten einige Bücher Fragen an den Leser und zögerten aber mit den Antworten.
  • Und manchmal wankte er deswegen halb betäubt im Garten seines winzigen Häuschens herum, fast so als ob er auf die Erde stürzen wollte. Der Ausgangspunkt von allem ist das Nichts? Deswegen, oder vielmehr ... Null dividiert durch Null ...
  • Kosmogonie, Doktrin die ...
  • Warum dreht sich die Erde immer weiter auf einer gekrümmten Bahn ...
  • Warum haben die Fische nie aus den Brunnen getrunken ...
  • Unsere Fliege hat keinen Stachel ... dagegen die Mücke ...
  • Die Affen, wie halten sie die Bananen in den Händen ...
  • Warum hat das Schaf keinen Schnabel, wie das Huhn und macht määähmäääh, und nicht wauwau, wie der Hund ...
  • An jenem Morgen glaubte Gioppino, dass ihm der Kopf zerspringe! Und er hatte sich entschlossen, für eine Weile das Lesen sein zu lassen. Zu viel davon konnte ihm schaden, so hatte er sich gedacht, und dann hatte es ihm auch der Doktor gesagt, Prof. Esser Spinnig, der Kardiologe des Dorfes.
  • Seine drei Katzen hatten gerade die von Werbeeinschüben unterbrochene Tagesschau zu Ende angesehen, und dann hatten sie begonnen zu miauen und ihn zu umschmeicheln, weil sie essen wollten!
  • Und Menio, der sabbernde Zwerg, der losgegangen war, um ihm sein Land zu bestellen, fluchte, dass ihm die Ameisen alle Spinatsamenkörner geraubt hatten, die er erst kürzlich ausgesät hatte!
  • Menio, fluche nicht, das ist Sünde! -, sagte ihm schwankend und noch mit halb geschlossenen Augen Gioppino.
  • Und du, sag deinen Katzen, dass sie die Ameisen fangen sollen! Es sind Myriaden. Sie sollen sich anstrengen. Die Ameisen haben den ganzen Spinatsamen vertilgt.
  • Und dann war Gioppino gezwungen gewesen, mit dem Fahrrad zum Supermarkt zu fahren, weil ihm die Katzen mit ihrem Miauen keine Ruhe ließen, und er hatte für sie Fertigfutter gekauft.
  • Schon einmal hatte er mit seinen Katzen gestritten, weil sie, obwohl sie schon satt waren, Schmetterlinge töteten; dann hatte er ihnen verziehen, weil Ceppi, die Rote, ihm nicht mehr von der Seite wich, und ihm überallhin nachlief und sich einschmeichelte, und langsam drängelte sie sich zwischen seine Beine, und streichelte sie mit ihrem weichen Fell, um ihn um Verzeihung zu bitten.
  • Dies hatte ihn gerührt und ... Genug mit dem Starrsinn, er hatte ihnen schlussendlich ...
  • Für diesmal erteile ich euch die Absolution von der Sünde! Ihr Spitzbuben, und dann ... wollt ihr nicht mehr die Makkaroni essen. Ihr mögt sie nicht! Drei Jahre sollte ich euch hungern lassen. -
  • Aber ... Aber sie mussten sich gut benehmen! Respekt war angesagt. Und er verlangte, dass sie mit hocherhobenen Pfoten schworen, für immer ehrerbietig gegenüber ihrem Herrn zu sein, die anderen Tiere zu respektieren, die in einer weniger glücklichen Lage waren als sie, und den Tod riskierten, um sich ein wenig Nahrung zu beschaffen.
  • Um euch Nahrung zu geben, bringe ich viele Opfer, ich nehme das Geld von meiner elenden Bauernrente.
  • „Man muss sie impfen, Gioppino! Sie leben auf dem Lande und da gibt es Mäuse, die überall hinpinkeln, und sie können sich leicht die Leptospirose zuziehen, deine Katzen! Sie ist sehr gefährlich, die Leptospirose“, sagte mir der Tierarzt. Und sie haben mich ein Vermögen gekostet, die Impfungen! Spitzbuben! –
  • Und seine drei Katzen schworen gehorsam, mit zu Boden gesenktem Blick und hoch erhobenen Tatzen.
  • Menio waren sie nicht sympathisch, Gioppino‘s Katzen, weil sie zu sehr im Überfluss lebten, und außerdem, weil sie faulenzten und herummaunzten und sich gegenseitig ableckten, mitten auf der Tenne, nachdem sie vier Stunden ohne Unterbrechung ferngesehen hatten!
  • Dummköpfe, ihr sollt euch nicht lecken, dann bilden sich Haarballen und es kommen Tumore! -
  • Heh, was soll das! -, antworteten sie im Chor.
  • Der Gockel war ihm sympathisch, weil er ihm auf ein Zeichen hin die Weinflasche brachte, und Menio trank sie ganz aus, und wenn er betrunken war, sah der Gockel für ihn wie ein Löwe aus.
  • Geh mir die Weinflasche holen, so mache ich dich zum Löwen. -
  • Und der Gockel krähte lachend, während er sich auf den Weg in den Weinkeller machte.
  • Flocky, rote Ceppi und Marc‘Antonio, kommt frühstücken! -
  • Und Gioppino öffnete die übliche große Dose mit der üblichen englischen Aufschrift: “To be a picture of health!“, in rot phosphoreszierenden Buchstaben darauf und mit Lachshäppchen darin.
  • Und die Katzen stürzten sich auf die Schüsseln wie es die Stiere in der Arena machen.
  • Und die letzten Lachshäppchen schubsten sie spielerisch mit den Pfoten und der Zunge umher, und dann liefen sie fort und kehrten wieder zurück und aßen sie auf.
  • Und jetzt, wo ihr satt seid, geht ja nicht Schmetterlinge umbringen! Verstanden? Ihr habt es mir mit erhobenen Pfoten geschworen. -
  • Und dann bat die rote Ceppi Gioppino um ein Leckerli.
  • Warte, ich bringe euch sechs, zwei pro Kopf. Wo ist Marc‘Antonio hingegangen? Ich sehe ihn nicht! Geh ihn rufen! -
  • Er will auf den Feigenbaum klettern –, antwortete Flocky. – Jetzt gehe ich. -
  • Flocky, Flocky, komm, die Leckerli die sie im Feeernsehen zeigen! -
  • Und die Katzen prügelten sich beinahe, um die Leckerli zu verteilen, die alle zusammen in einer Schüssel lagen.
  • Seid lieb. Ruhig. Oh ich Ärmster ... Ist diese Welt noch richtig oder verkehrt herum? Bah, wer weiß das schon. Es ist so schwierig eine Antwort geben zu können! Und außerdem, ich als Mensch ... Impfungen, Leckerli ... Nie, niemals. Bah, wer weiß. Und wer hätte sich vorgestellt ... bah ... dies alles. Eine Katze erhält heute in der westlichen Welt mehr Pflege als ein König vor gar nicht langer Zeit oder ... oder ein Kind von heute, in fernen Ländern ... wenn wir so wollen. Wer weiß. Meine Katzen mögen keine Makkaroni. Wie viele Könige sind jung gestorben, als Idioten, weil es keine Impfungen gab!
  • Und arme Irre, die sich anstrengten, mit Kriegen und Betrügen ihre Königreiche zu vergrößern! –
  • - Aber ... lass doch gut sein! Wenn die Leckerli gut sind, dann leben die Mäuse länger -, schrie Menio.
  •  
  • Und Marc‘Antonio: - Kümmere dich um deine Angelegenheiten! –
  •  
  • Meine Angelegenheiten? Wisst ihr warum ich euch nicht ausstehen kann? Und warum ich euch in der Suppe kochen würde? Neulich, wenn ihr euch erinnert, habt ihr miaut wie die Dummbärte, dass ihr Hunger hättet, und ich nahm ein schönes Stück Parmesankäse aus dem Kühlschrank und schnitt es in Stückchen für eure zarten Schlemmermäulchen ... und da sind sie heute noch, in der anderen Schüssel! Spitzbuben! -
  • Es war kein Käse, es war die harte Rinde! -
  • Es war kein Käse, es war die harte Rinde! -
  • Es war kein Käse, es war die harte Rinde! -, maunzten die Katzen frech.
  • Empfindliche Zähnchen. Ja, Rinde. Und im Übrigen ist die Rinde gut. Es ist noch so viel Käse daran, nennt ihr das Rinde? Es war auch Rinde dabei ... na gut! An allen Dingen gibt es immer eine Rinde. Zum Beispiel eure Haut, mit so vielen Härchen drauf, die könnte man auch Rinde nennen. Katzenrinde! Die Käserinde ist gut, zum Essen gut, eure nicht! Und wenn ich euch ins heiße Wasser stecken werde, werde ich euch vorher schälen. -
  • Probiere das und wir kratzen dich, dass du gestreift bist! -
  • Probiere das und wir kratzen dich, dass du gestreift bist! -
  • Probiere das und wir kratzen dich, dass du gestreift bist! -
  • Lass sie sein, Menio. Sie sind ungezogen, siehst du das nicht? Und doch haben sie geschworen! Sie haben ... Gioppino Ruhe, lass dir nicht die Galle hochkommen. -
  • Und Menio wurde so nervös, dass er an jenem Tag das Land nicht mehr bearbeiten wollte, und er bat den Gockel, in den Weinkeller hinunter zu gehen, und ihm eine Korbflasche zu holen.
  • Geh, damit ich einen Löwen aus dir machen kann! -
  • Und als er die Korbflasche bekommen hatte, ging er, um sich in den Schatten unter einen Zitronenbaum zu legen, und er trank und trank die ganze Korbflasche leer, bis zum letzten Tropfen, und seine vom Wein wässrig gewordenen Augen verwandelten den Hahn, der begonnen hatte, auf der Mauer herum zu flattern, in einen Löwen!
  • Löwe, brülle nicht und ... und iss mich nicht auf. – Und ... Menio schlief ein und schnarchte wie eine kaputte Trompete. Langsam, langsam brach die Nacht herein und Gioppino sah ihn nicht mehr und suchte ihn besorgt auf dem Land.
  • Hast du Menio gesehen? -, fragte er den Hahn.
  • Ja. Er hat mich zum Löwen gemacht und dann ist er eingeschlafen, dort unter dem Zitronenbaum. -
  • Naiver Dummkopf! Du bist ein Hahn. -
  • Aber manchmal werde ich für lange Zeit ein Löwe und dann erschrickt Menio. -
  • Er tut so als ob. – Und Gioppino entdeckte Menio, der zur Kugel eingerollt schnarchte und sich mit den Händen auf den Wangen vor den Ameisen schütze.
  • Menio, los steh auf, ich bringe dich ins Bett, du kannst hier nicht die Nacht verbringen. -
  • Und er hob ihn langsam und vorsichtig hoch, und indem er sich eines der winzigen Ärmchen auf seine Schulter lud, führte er ihn ins Haus und legte ihn aufs Bett, so wie er war, angezogen.
  • Und mitten in der Nacht heulten Flocky, Marc‘Antonio und die rote Ceppi wie die Verdammten, und danach hörte man den Lärm zersplitternder Flaschen und das Gekreische verängstigter Tiere.
  • Was ist, was ist? -, brummelte Menio, als er im Schlaf hochschreckte.
  • Schlaf! Die Katzen! Morgen früh werden wir wissen, was passiert ist. Diese Spitzbuben! -
  • Die beiden Freunde wachten spät auf: Es war elf Uhr vormittags.
  • Und kaum dass Gioppino die Tür öffnete, um hinaus zu gehen, fand er die drei Katzen, die miauten und geziert um Nahrung baten.
  • Gibst du uns die Lachshäppchen zu essen ...? Öffnest du sie, die Dose? -, sagte die rote Ceppi.
  • Wir haben Hunger. -
  • Welch ein Hunger. Dose! -
  • Ah, tüchtig, habt ihr euch abgesprochen? Wartet, ich muss zuerst nachsehen, was ihr heute Nacht herumgewerkelt habt! - Und Gioppino ging dorthin, wo die Flaschen auf den Regalen standen. Und auf der Erde, unter dem Regal ...
  • Oh du Elend! Verbrecher, was habt ihr angestellt! Vier kleine Wildkaninchen, ohne Grund umgebracht. -
  • Die Katzen starrten sich gegenseitig verängstigt an und dann ...
  • Ja, aber ... aber wir sind Katzen und Beutegreifer. Es sind Kaninchen, keine Schmetterlinge. Es ist unsere Natur, wir müssen Jäger sein! -, riefen sie im Chor, davon überzeugt, im Recht zu sein.
  • Jaaa! Ihr seid Beutegreifer, und niemand will euch das nehmen! Aber esst sie auch auf! Esst sie auf! Es ist nicht richtig, dass ich sie begraben muss, jetzt ist es eine Sünde ... und ihr fragt mich nach der Dose mit den Laaachshäppchen? O Gott, auch die Katzen! Die Erde sinkt tiefer und tiefer und wird untergehen, die Erde wird uns nicht mehr ernähren können. Versteeeht ihr? Und die Makkaroni die muss ich fortwerfen, weil ihr sie nicht esst, und auch das Brot? Ich muss wegwerfen was eure Mägen irritiert und jetzt muss ich die Kaninchen begraben, und außerdem, die Lachse, fangen wir die etwa, um sie euch zu geben? Und die Kinder in den fernen Ländeeern!? Heh?
  • Es ist richtig ... ihr seid Katzen ... Aber esst sie auf, die Kaninchen!
  • Genuuug! Ich werde euch Brot und Wasser und ein paar Knochen geben solange ihr lebt ... Und ... und ich werde gutmütig sein, ich werde euch auch Makkaroni geben! Ihr Spitzbuben! –
  • Und unten, unten im Tal glänzte das Meer, weil die Sonne zu sehr schien, und mitten auf der Tenne war ein Hahn, der auf seinen kräftigen Beinen herumhüpfte und sich für einen Löwen hielt!
  • Gioppino, pass auf deinen Hahn auf, gestern habe ich einen Löwen aus ihm gemacht! -, nuschelte Menio vom Balkon herunter.
  • Was für ein Idiot! Auch heute hält sich der Hahn für einen Löwen ... Er schaut die Zeichentrickfilme im Fernsehen an, und außerdem ist da auch noch Menio, der ein großer Filou ist. -

 

 

  •  

 

 

 

 

DIE KATZE, DIE EIN BETTLER UND TAGEDIEB WAR

  •  
  • Es lebte einmal in einem alten Hof eine heruntergekommene Katze.
  • Sie verbrachte die Tage nachlässig ausgestreckt am Ufer eines sumpfigen Altwassers, weil sie sich nur mit Mühe auf den Pfoten halten konnte, und, was Wunder, indem sie sich in den Hüften schaukelte, gelang es ihr, einige halbe Schrittchen zu machen, und dann plumpste sie wieder hin.
  • Sie hatte einen Schwanz, der kein Schwanz zu sein schien: Eingeringelt und kahl schien er ein toter Wurm zu sein.
  • Das Fell, das kein Fell zu sein schien, so sehr war es mit Schmutz vollgesogen, sah aus wie ein Stück alter Teer, welcher der Sonne ausgesetzt gewesen war. Und außerdem besaß sie große, schlaffe Ohren und kleine, nässende Augen, die von Bergen Übelkeit erregenden Augensekrets zerfressen waren.
  • Und eines Nachts ging ein tüchtiger Fuchs am Hof vorbei, und satt wie er war, aus der Schnauze strömte ihm noch das Aroma der Hühner, sah er die Katze, die so übel zugerichtet war, und er hatte Mitleid und näherte sich ihr.
  • Was ist dir zugestoßen, arme Katze? Hast du die Pest oder die Malaria im Leib? -
  • Es ist der Hunger, der mich am Wickel hat und ... und außerdem kommt mit dem Hunger der Schmutz, man weiß, wie die Dinge in dieser Welt laufen. Lass mich nachrechnen ...
  • Es ist fast ein Monat, dass ich nichts gegessen habe! Ich kann mich nicht mehr auf den Pfoten halten und ... und es ist fast so weit, dass ich sterbe. Nimm mich mit, ich bitte dich. Ich werde ... dir gehorchen, das schwöre ich dir! Ich werde dir treu sein. Immer und für alle Zeit meines Lebens. -
  • Und der Fuchs sagte ja.
  • Und die Katze, die sich ganz langsam bewegte, und sich auf den Pfoten krümmte, folgte ihm.
  • In der Höhle gab ihr der Fuchs Nahrung und die Katze aß.
  • Die Nacht verging und es kam der Morgen.
  • Der Fuchs brachte sie zum Bach und die Katze wusch sich.
  • Der Fuchs erbeutete einen kleinen Hasen und die Katze aß wieder.
  • Und die Katze, schön sauber und satt, begann zu plaudern.
  • Es verging ein Monat und die Katze erholte sich.
  • Und sie erzählte errötend ihre Geschichte: Ihre Familie beherrschte seit vielen Jahren den Hof und ihr hatte es nie an etwas gefehlt, sie hielten Vorräte an Mäuse- und Vogelfleisch in großen Löchern in der Mauer, die den Hof umgab, und die als Lager dienten, und sie gaben aus Mitleid allen streunenden Katzen aus der Gegend zu essen.
  • Ich sage dir gar nicht, wie viel Mäusefleisch meine Familie verbrauchte, um allen streunenden Katzen zu essen zu geben, die kamen. Es war eine Prozession. Stell dir vor, ich aß nur Vogelfleisch! Das Mäusefleisch ist meinem Magen nie gut bekommen. Die Katzen, die uns aufsuchten, um nach Nahrung zu fragen, verfünffachten ihre Zahl, und so entschied ‚VaterKatze‘, keinem mehr etwas zu geben. Er sagte, dass es außerdem nicht gerecht sei.
  • Und so entschieden wir, da wir wenige waren, nur noch Vogelfleisch zu essen.
  • Und ... und dann starben eines Tages ‚VaterKatze‘ und ‚MutterKatze‘ an Altersschwäche und ich fiel in eine Depression. Ich wollte nicht mehr essen, ich wollte nicht mehr essen ... Und ... und ich wurde magersüchtig. -
  • Und die Katze, schön sauber und satt, begann zu plaudern ...
  • Der Fuchs lachte, hörte ihr zu und sagte dann: - Ah, wie hattest du dich zugerichtet, meine Katze. Aber sag mir, Mäusefleisch, das magst du nicht? Magst du es wirklich nicht? Du sahst ekelhaft aus. Erinnerst du dich? Du wärest jetzt schon tot. -
  • Die Katze antwortete nicht.
  • Ein Gebüsch bewegte sich wie verrückt.
  • Sicher ist da drin ‚SteinmarderinAusverkauft‘, die gerade dabei ist, einen Frosch zu fangen. Nur sie macht so viel Lärm im Gebüsch -, sagte der Fuchs.
  • Ja, natürlich, sie muss es sein -, stimmte die Katze zu.
  • Und unter dem Laubwerk kam ‚SteinmarderinAusverkauft‘ hervor mit einer sooo großen Kröte in der Schnauze! Sie legte sie auf die Erde, dann lief sie hinter ihr her und foppte sie mit der Pfote, indem sie sie immer wieder im trockenen Laub herumwälzte ... Und dann bekamen ihre Augen etwas Grimmiges, und unter heftigem Gekeife und Geknurre zerriss sie sie in mehrere Stücke, die Kröte.
  • ‚SteinmarderinAusverkauft‘! Was stellst du mit dieser Kröte an! Iss sie auf und mach keine Geschichten. Das ist doch kein Kaninchen, das du in Stücke zerfetzt! –, schrie ihr der Fuchs zu. Und so aß die Steinmarderin sie auf.
  •  
  • Und dann häufte die Steinmarderin an einer Stelle dürre Zweige auf und entzündete ein Feuer und lud den Fuchs und die Katze ein, sich zu wärmen.
  • ‚SteinmarderinAusverkauft‘, ich stelle dir ‚KatzeEdel‘ vor. -
  • Freut mich, ‚SteinmarderinAusverkauft‘. -
  • Freut mich, ‚KatzeEdel‘. -
  • Und sie schüttelten sich die Pfoten.
  • Fuchs, Katze und Steinmarderin waren erkältet, und deshalb bildeten sie einen so engen Kreis um das Feuer, dass sie sich fast verbrannten; und dann begann die Katze zu reden und zu reden: Dass sie dieses und jenes gemacht hatte. - Und außerdem ... -, so wandte sie sich an die Steinmarderin und machte ihr Vorwürfe ... Ein langer Sermon, der damit endete: - Eine Steinmarderin, die Kröten frisst und keine Hühner? -
  • Die Steinmarderin starrte sie an und ihre Augen waren zu ganz engen Schlitzen geworden, vor Wut, und sie dachte daran, die Katze anzufallen, aber dann machte sie es doch nicht, ein wenig wegen ihrer guten Erziehung, und ein wenig weil ... sie begriff, dass die Katze die Freundin und der Schützling des Fuchses war. Sie blieb noch ein bisschen und dann ging sie aus Wut von dannen.
  • Die Katze war wunderschön und kugelrund geworden und bekam ein langes Fell, das so weich war wie das Kopfkissen des Königs. Sie verbrachte die Tage damit, sich im Wasser des Baches zu baden, und sich dann, mal in der Sonne, mal im Schatten auszustrecken, und dann stand sie plötzlich wieder auf, um mit den lachenden Wasserblasen zu spielen; und sie zerquetschte diejenigen, die einzeln herum wirbelten, und sie tunkte ihren Mund dort hinein und schüttelte ihn, wo sie in großen Trauben vorkamen.
  • Und inzwischen rackerte sich der Fuchs ab wie ein Verdammter, um Nahrung in die Höhle zu tragen.
  • ...........................................
  • Und eines Tages bewegte sich ein Gebüsch wie verrückt.
  • „Sicher ist da drin ‚SteinmarderinAusverkauft‘, die gerade dabei ist, einen Frosch zu fangen. Nur sie macht so viel Lärm im Gebüsch“, dachte sich der Fuchs.
  • - ‚SteinmarderinAusverkauft‘!‚ SteinmarderinAusverkauft‘, was stellst du mit der Kröte an!? -, rief ihr der Fuchs zu.
  • Und aus dem Gebüsch kam ‚SteinmarderinAusverkauft‘ hervor und hüpfte wie eine Feder.
  • So eine Angst, ich dachte, es wären die Jäger! -, nuschelte atemlos die Steinmarderin. – Wegen dir ist mir eine sooo große Kröte durch die Lappen gegangen! Und sag mir: Wo ist die Katze? -
  • Ich habe sie mit Pfotenhieben fortgejagt! Und ich habe sie nicht aufgegessen. Sie wusste sich zu helfen; sie wollte, dass ich nach und nach Katze würde und sie Fuchs! Und ich, der ich unter meinem Alter leide und nur wenige gute Zähne im Mund habe, ich habe erst jetzt begriffen ... -
  • Fuchs, mein Fuchs, der Wald ist auf den Kopf gestellt. Möchtest du, dass es dir sehr schlecht geht? Ganz einfach! Du musst nur viel Gutes tun. Je mehr Gutes du tust, umso schlechter geht es dir, je mehr Gutes du tust, umso schlechter geht es dir ... Das heißt, wenn das Gute wächst, wächst auch das Böse, und wenn das Gute wächst, wächst auch das Böse, und wenn das Gute wächst, wächst auch das Böse, und wenn das Gute wächst, wächst auch das Böse, und wenn das Gute wächst, wächst auch das Böse, und wenn das Gute wächst, wächst auch das Böse ... So ist das! Immer.
  • Man muss... Vor allem musst du du selbst sein... Das was du bist. Du darfst nie etwas Böses tun, aber wenig Gutes. Denn wenn du viel davon tust ... Du verwickelst dich in einer Kette, die du selbst konstruiert hast. Um dich zu befreien musst du entsprechend dem Guten, das du getan hast reagieren. Je mehr Gutes du gegeben hast, umso mehr musst du schwitzen, um wieder in Frieden leben zu können. -
  • Genau, so ist es wirklich. Der Wald ist wahrlich auf den Kopf gestellt! Aaach die Katze. Es gibt kein bettelarmes Tier in dieser Welt, das keine Laster hätte.
  • ‚SteinmarderinAusverkauft‘. Ich habe mir Knochen und Zähne abgebrochen, um auch ihr Nahrung zu geben! –
  • - Das geht immer so: Wer sich sehr erniedrigt, um etwas zu bekommen ... erhält es, okay, aber sofort danach stellt dieses etwas alles auf den Kopf, es gräbt, es sucht und forscht mit allen Mitteln ... es will dich ganz unten im Schlamm und versucht sich zu befreien, indem es dich mehr erniedrigt, wie es selbst sich erniedrigt hatte, um diese Macht zu bekommen, die du ihm gegeben hast. Sie, schön und kugelrund und mit dem langen Fell ... du siebenmal am Tag ein Hemd durchgeschwitzt um ihr Nahrung herbeizuschaffen! Der Katze. Es geschieht selten, dass das Gute, welches man anbietet, mit ein bisschen Liebe und Anerkennung erwidert wird.
  • Mein Fuchs, lach nur darüber! Außerdem, außerdem ... am Ende fällt das Böse, auch wenn es noch so schön verpackt ist, alles auf den zurück, der es gemacht hat. –
  •  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DIE SCHILDKRÖTE UND DER HASE

  •  
  • Und es trug sich zu, dass im Wald eine große Hungersnot herrschte, und eine Schildkröte es nur noch mit Mühe schaffte, ihren Panzer mit sich herumzutragen. Seit vielen Tagen hatte sie nichts mehr gegessen; alle Pflanzen hatten trockene Blättchen und die Insekten, wer weiß wohin sie verschwunden waren, und die Erde sah aus wie zerborstene Steine.
  • Im Tal sah die Schildkröte zwei Füchse miteinander sprechen, und sie näherte sich ihnen mit Trippelschrittchen, wie die einer Ameise, weil das Gewicht ihres schweren Panzers ihre Beine zu Boden drückte, dabei versteckte sie sich und beugte ihr kleines Köpfchen, und sie hörte Folgendes:
  • Weit, weit entfernt, dort unten, zwischen den Bergen, in einem anderen Tal, da gibt es ganz viele Karotten, lange und kurze. Schade, dass ich kein Kaninchen bin! Was soll ich mit diesen Karotten anfangen? Ein Fuchs will Fleisch! -
  • Wie schön wäre es, wenn die Karotten aus Fleisch wären ... aus Hühnerfleisch oder, eben aus Kaninchenfleisch. Verdammt, dass die Natur die Karotten aus Karotten macht, und nicht aus Fleisch -, antwortete der andere Fuchs.
  • Es gibt so viele Karotten dort, ich schwöre es! Ich schwöre es dir. Ekelhaft dieses Gemüse. Ich trippelte an einem Karottenfeld entlang, ich wusste nicht, dass es Karotten waren, und dann sah ich ein Mäuschen aus seiner Höhle kommen, das eine Karotte im Mund hatte, und ich begriff, dass dies ein Karottenfeld war, und ... es sah mich und versteckte sich, aber ich packte es und drückte es auf die Erde und habe es so hergerichtet wie einen gekreuzigten Menschen, und es weinte und wollte nicht, dass ich es aufaß, und es bot mir die Karotte an und bat mich, es zu verschonen, und ich antwortete, dass ein Fuchs nur Fleisch isst und keine Karotten, und ich sagte flink, dass ich seine Karotte gegessen hätte, wenn sie aus Fleisch gewesen wäre, aber nicht nur seine Karotte.
  • Wie sind diese Mäuschen dumm: Damit du ihr Leben schonen sollst, bieten sie dir in einem Karottenfeld eine Karotte an, die aus Karotte gemacht ist. –
  • Was hast du gemacht? Hast du es aufgegessen, das Mäuschen? –
  • Klar habe ich es aufgegessen, das Mäuschen, und ich habe seine Karotte dort auf der Erde liegen gelassen, inmitten vieler Karotten. -
  • Und dann entfernte sich die Schildkröte ganz, ganz langsam.
  • Sie drehte sich immer wieder um und sah einen Hasen, der beim Laufen klapperte, so standen ihm die Knochen hervor, und wenn die Haut sie nicht zusammengehalten hätte, wären sie auf die Erde gefallen, die Knochen.
  • Heh! Komm her, komm her, jetzt weiß ich, wo es ganz viele Karotten gibt. -
  • Karotten? -
  • Ein ganzes Feld! Dort unten, weit, weit weg, in einem Tal zwischen den Bergen dort. Siehst du sie, jene Berge, ganz in der Ferne? Dort unten gibt es ein Tal voller Karotten. Ich sage es dir, weil du ein Hase bist; die Hasen sind schnell. Aber ich bitte dich, bringe mir auch zwei mit, so klein und langsam wie ich bin, könnte ich nie dort hinunter gelangen. Aber ... aber hüte dich vor den Füchsen, die dort hingehen, um Mäuse zu essen. -
  • Oh Gott wie schön! Dich schickt ein Engel, seit drei Tagen habe ich kein Blatt mehr angerührt. Oh Gott, oh Gott, es gibt nicht mehr den klitzekleinsten Bissen auf der Welt. Nicht einen Bissen. Die Hungersnot! Los, los, sag mir, wo sind diese Karotten? Mach schnell, sonst fallen mir meine Knochen zur Erde wie ein Haufen Stäbchen aus trockenem Holz. -
  • Klar sage ich es dir sofort! Ich fühle eine solche Schwäche; ich schaffe es nicht mehr, den Panzer hochzuheben, verdammt, ist der schwer. Aber auch ich muss einige Karotten zwischen die Zähne bekommen. Also hör gut zu: Dort unten, dort unten, ganz, ganz weit weg, zwischen jenen Bergen und vor dem Meer, gibt es ein schönes großes Tal, und dort gibt es ein großes Karottenfeld. -
  • Und die Schildkröte hatte noch nicht aufgehört zu sprechen, als der Hase mit den Pfoten schon auf die Erde trommelte und verschwand.
  • Es verging ein Tag und die Schildkröte sah den Hasen und fragte ihn, ob er ihr einige Karotten mitgebracht habe, und dieser antwortete: - Ich hatte solchen Hunger und dachte an nichts anderes, als daran, Karotten zu essen und Karotten zu essen. Weißt du, ich war wirklich zum Skelett geworden; und entschuldige, Freundin Schildkröte, aber ich werde dir welche bringen, zweifle nicht daran, und außerdem, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Zweifle nicht daran. -
  • Und es verging ein weiterer Tag und die Schildkröte sah den Hasen wieder und fragte ihn wieder, ob er ihr zufällig einige Karotten mitgebracht habe, und dieser antwortete wieder: - Ich hatte solchen Hunger und dachte an nichts anderes als daran, wieder Karotten zu essen und wieder Karotten zu essen: Weißt du, ich war wirklich zum Skelett geworden; und entschuldige nochmals, Freundin Schildkröte, aber ich werde dir welche bringen, zweifle nicht daran, und außerdem, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Zweifle nicht daran. -
  • Und jedes Mal, wenn die Schildkröte den Hasen nach Karotten fragte, antwortete dieser: - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Entschuldige nochmals, Freundin Schildkröte. Zweifle nicht wieder daran! -
  • Und es geschah, dass die Schildkröte es nicht mehr aushielt, und dass sie vor zu großer Schwäche zu sterben drohte, und jedes Mal, wenn sie hin und wieder den Hasen traf, antwortete der ihr immer: - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! -
  • Und so entschloss sie sich, loszulaufen.
  • Ganz langsam, ganz langsam, schleppte sich die Schildkröte dort hinunter, ganz weit fort, noch weiter weg als die Berge, und schließlich, nach zwei Tagen und drei Nächten, setzte sie ihren Fuß in das Karottenfeld und begann Karotte für Karotte herauszuziehen und daran zu knabbern (sie glaubte zu träumen) und plötzlich sah sie den Hasen!
  • Hase! Widerlicher Hase! Die Füchse sind gutmütiger als du. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und es fehlte wenig und ich wäre gestorben. Glaubst du der Magen würde sich von Gerede füllen? Und du könntest warten so lange du willst? Was gäbe ich darum, zwei oder drei Füchse hier zu haben; ich würde den Kopf in meinen Panzer zurückziehen und mich daran erheitern, wie dir das Fell abgezogen und du aufgegessen würdest. -
  • Aber sag mir, du dumme und beschränkte Schildkröte, weißt du nicht, dass immer wieder aufgeschoben eben aufgehoben bedeutet? Und dass dem, der sich auf andere verlässt, der Tod sicher ist? Und ich, bei all der Hungersnot die hier herrscht, hätte dir Karotten bringen sollen? Blicke zum Himmel auf und danke Gott, dass du dich rechtzeitig besonnen hast; heute wäre dein Panzer schon voller Würmer. Hör zu und vergiss nicht: Traue nie einem Hasen, wenn es sich um Karotten handelt! -
  •  

SCHLAFLIED

  •  
  • ... Und ... und dann hat die Fliege gekotzt! -
  • Dummkopf! Sie kann gar nicht kotzen, die Fliege! -
  • Na klar kotzt sie, die Fliege. Auf ihre Art, auf ihre Art kotzt die Fliege. -
  • Und ... das Märchen ist zu Ende? -
  • Ja. -
  • Es ist damit zu Ende, dass die Fliege gekotzt hat? -
  • Ja. -
  • Also, dann erzähl mir ein anderes, in der die Fliege am Ende nicht kotzt, in all deinen Märchen ist immer am Ende ein Fliege oder eine Mücke, die kotzt. -
  • Einverstanden. Spitz die Ohren und hör zu. Es war einmal ... es war einmal ein Tag ... -
  • Was für ein Tag!? Ein König!! –
  • Ein König und ein Tag. -
  • Wie? Ja. Es war einmal ein Tag. Oder wenn wir wollen ... es war einmal ein Tag von vielen Tagen und ein König von vielen Königen. -
  • ... Das genügt! Wenn du zuhören willst, hör zu, wenn du verstehen willst, versuche zu verstehen ... Oder geh ins Bett! Ja, geh ins Bett, deine Augen sind ganz klein geworden, wie ein Wasserkörnchen, wie ein Wassersandkörnchen. -
  • Dummkopf. Sieh mal, es gibt keine Wassersandkörnchen. Los, los, Brüderchen, ich bitte dich, erzähle, und spiele nicht den Dummkopf.
  • Du weißt doch, dass ich nicht erzählen kann, wenn ich nicht den Dummkopf spiele. -
  • Also los: Erzähle wie ein Dummkopf. -
  • Und an einem von vielen Tagen, mitten am Tag ... Und ... und ein König, an einem Tag ... Es war ein Tag, an dem ein König, an diesem Tag ... An welchem Tag? An einem Tag von vielen! Und, alles in allem, an einem Tag von vielen, in einem Jahr von vielen, lebte ein König.
  • Eines Tages, am helllichten Tag, beschloss ein König ein großes Fest in den Gärten seines Schlosses zu veranstalten. Die Gärten seines Schlosses waren so schön, dass sie schöner nicht sein konnten, im Angesicht der Erde gab es keine solchen mehr, die verschiedene Wasserspiegel in den seltsamsten Formen besaßen, und die überall hervorsprudelten, hier ein wenig und dort ein wenig und ein bisschen oben und ein bisschen unten. Dort, auf den kleinen Seen mussten sich die Schwäne präsentieren, und der König, der hatte Schwäne. Aber der Tod, der das Hässliche liebt, und nicht das Schöne, trug sie in einer plötzlichen Laune fort. Und der König, der gute Figur machen wollte, rief den Hofstaat auf, zu tun, was getan werden musste. Und dann wurde dem größten Schwanenhändler des Königreichs befohlen, zu tun, was getan werden musste. Und vier mal acht achtundvierzig und drei mal drei dreiunddreißig und fünf mal fünf fünfunddreißig und zwei plus zwei zweiundzwanzig und acht mal acht und einer fehlt im Boot und du bist tot! Es wurde fast alles getan, was getan werden musste, aber ein Schwan wurde nicht gefunden, weil er fehlte. Und wenn ein Schwan fehlt, was kann man da tun? Und der Kaufmann Zante kratzte sich den Kopf und kratzte sich, und dachte nach und überlegte und rief aus: - Ich hab’s! Hier ist ein Altweiß nötig, das einem Schwan so ähnlich ist wie ein Wassersandkörnchen. Und schau hierhin und dorthin und schau oben und unten ... man muss es so und dann so machen ... Das Gelb, das einem Schwan gleicht, wurde gefunden. Und der Kaufmann Zante instruierte sie alle und der Hahn und die Schwäne sagten ja.
  • Brüderchen, der Hahn sagt nicht ja, er sagt kikerikiiii! -
  • Sei still, das verstehst du nicht, der Hahn im Märchen kann ja oder auch nein sagen. Aber dieser hier sagte ja. -
  • Und der Händler Zante legte Wert darauf, das zu tun was er tun musste. Er rief den Hahn zu sich und sagte zu ihm: „Du musst wissen, wie man sich als Schwan verhält, wenn du den Schwan darstellst, ich schwöre dir, ich werde dich wie einen Schwan behandeln. Und ... Wenn nicht ... Ich ziehe dir ... Schau zu, wie es die anderen machen, und mach es genauso und halte den Hals hoch und stecke ihn ab und zu ins Wasser, und außerdem und außerdem, die Füße, strecke sie nach hinten, lege sie an deinen Körper an, damit man sie nicht sieht, sie sind kurz und hässlich!“ Und dann wurden sie alle auf einen schönen, wirklich prächtigen Karren aufgeladen, der Hahn und die Schwäne, und ... und ein Pferd brachte sie hin.
  • - Bist du schläfrig? -
  • Und das Fest begann. Und ... Und bevor das Fest begann, wurden die Schwäne und der Hahn ein wenig verteilt, hierhin und dorthin gesetzt. Und ... Und der Hahn, wo landete er? In einem kleinen See, der sich in der Mitte der Gärten befand, wo alle vom Hofe ihn sehen konnten. Und ... Und er strengte sich an, den Hals hochzuhalten, und schien wirklich ein Schwan zu sein, da er die kurzen, großen, gelben Füße unter dem Wasser versteckt hielt. Und ... und der Ärmste, der Hahn entdeckte einen Wurm, der in der Nähe des kleinen Sees, auf einer schönen Wiese, bäuchlings auf der Erde entlang kroch. Und als er den Wurm sah, plusterte der Hahn den Hals auf und stürzte sich platschend ins Gras und stach den Wurm dreimal an und verspeiste ihn!
  • Und all jene vom Hof, über den Skandal empört, begannen zu zetern und zu schreien, als sie den Hahn sahen, der so schlecht als Schwan verkleidet war. Und einige, die sich verspottet fühlten, verließen das Fest.
  • Und der König schnaubte vor Zorn, keifte und fluchte, und während er sich in sein Schloss zurückzog, schwor er, sich zu rächen.
  • Und Zante, der Händler, wurde gelb, rot und grün, weil der König wer weiß was, wie und wo mit ihm machen würde, weil er es nicht gut getan hatte, das was getan werden musste.
  • So packte Zante, der Händler, den Hahn am Hals und stammelte: „Meine Schuld, meine Schuld, weil ich um jeden Preis aus dem Hahn einen Schwan machen wollte, und du Dummkopf warst einverstanden.“
  • Und so hat Zante an jenem Tag, der einer von vielen war, dem Hahn den Hals lang gezogen; und es verging nur kurze Zeit, und jener König, der nur einer von vielen war, ließ Zante an einem Tag, der nur einer von vielen Tagen war, einen Fuß abschneiden und ein Horn, weil er es nicht zu tun gewusst hatte, das was getan werden musste.
  • Und ... Und dann, dann ist ein Fisch ertrunken und eine Ameise wurde gekaut und eine Mücke hat gekotzt und Diana ist eingeschlafen.
  •  
  •  
  •  

 

 

 

 

  •  
  •  

 

 

 

 

DIE KATZE UND DAS HUHN

  •  
  • Auf einem Hof, in der Tenne, begegneten sich eine Katze und ein Huhn und ...
  • Kokodiiih kokodiiih kokodiiih! -
  • Miau miauu miauuu! -
  • Und sie schlossen Freundschaft.
  • Das Huhn legte ein Ei und bot es der Katze an.
  • Miauuu, delikat! Wie ist dieses Ei gut! Gibst du mir noch eins? -
  • Ich kann nicht: Weißt du nicht, dass die Hühner nur ein Ei pro Tag legen? -
  • Nur ein Ei pro Tag legen die Hühner? Und wieso? Wie ist das möglich? Wo ich doch zehn oder auch zwölf kleine Kätzchen auf einmal bekomme? -
  • Aber ... aber ich lege fast jeden Tag ein Ei und ... und ich glaube nicht, dass du jeden Tag kleine Kätzchen bekommst! -
  • Früher kam es vor, dass ich jeden Tag welche bekam ... Jetzt, jetzt bin ich beinahe alt, weißt du ... Und ich kann nicht mehr. -
  • Willst du noch ein Ei? Ich werde es dir morgen geben. -
  • Miau miauu miau -
  • Kokokokokodiiih kodiiih -
  • Und die Katze und das Huhn verabschiedeten sich voneinander.
  • Die Nacht ging vorbei und am frühen Morgen machte sich die Katze auf die Suche nach dem Huhn und das Huhn legte das Ei und die Katze aß es auf.
  • Es verging eine weitere Nacht und am frühen Morgen machte sich die Katze wieder auf die Suche nach dem Huhn und sie fand es wieder und das Huhn legte wieder ein Ei und die Katze aß es wieder auf.
  • Miauuuu miauuuu auu -
  • Kokko-kodiiih -
  • Und die Katze kletterte auf die Mauer des Hofes und das Huhn begann zwischen den feuchten Tuffsteinen des Hofes zu scharren, um einen Wurm zu finden. Das Huhn fand zwei Würmer und verschlang sie.
  • Und es verging eine weitere Nacht und es kam der Morgen und am frühen Morgen ging die Katze abermals auf die Suche nach dem Huhn und fand es abermals wieder und es legte abermals ein Ei und die Katze aß es abermals auf.
  • Miauuu-au -
  • Kokkokkokodiiiih -
  • Und dann vergingen viele Tage und die Katze sah das Huhn nicht mehr, weil der Bauer es im Hühnerstall einschloss, um nicht mehr die Eier zu verlieren.
  • Und die Katze wurde fast verrückt, weil sie das Huhn nicht mehr sah, und sie lief sich die Pfoten wund, weil sie so viel in der Tenne und im Hof herumlief.
  • Und eines Tages, ganz plötzlich, sah die Katze das Huhn, und sie näherte sich ihm, und weil sie dies so sehr erregte, stöhnte sie, und stöhnend sagte sie zum Huhn: - Wie kommt es, dass du dich nicht mehr hast sehen lassen? Wo bist du gewesen, ich habe mir die Füße wund gelaufen in all diesen Tagen und ich habe fast geweint! Warum kommst du mich nicht mehr besuchen, wo ich dich so gern habe? Warum kommst du mich nicht mehr besuchen? Ich weiß, wo es ganz viele Wasser getränkte Tuffsteine gibt, und darunter befinden sich bestimmt ganz viele schöne, große Würmer, die nur darauf warten, von dir aufgepickt zu werden.
  • Das Huhn starrte die Katze an und stupste sie mit dem Schnabel und dann sagte es: - Aber ... aber warum begehrst du mich so sehr? Bin ich wirklich so schön? Dieser verdammte Bauer wird mich in Kürze wieder in den Hühnerstall zurückbringen und er wird mich nicht mehr heraus lassen, da bin ich sicher! Außerdem ... außerdem, warum suchst du ausgerechnet mich auf, die ich ein Huhn bin, und nicht diesen Hund dort, der immer alleine ist, und der sich vielleicht sehr nach Gesellschaft sehnt. -
  • - Iiich soll zum Hund gehen? Du bist sicher im Hühnerstall verrückt geworden! Und ... oh Gott, oh Gott! Was sagst du mir da? Du wirst immer im Hühnerstall bleiben? Ich bin ohnmächtig, fast tot! Und wenn die Dinge wirklich so stehen ... dann kann ich deine Eier nicht mehr essen ... dieser verdammte Bauer ... Ich werde dir die Wahrheit sagen: Ich hoffe, dass du so schnell wie möglich in der Suppe landest, damit ich einige deiner Knöchelchen abknabbern kann, die man mir in den Hof wirft! Wie dumm du bist, armes Huhn! Wenn die Natur euch nicht einige Grenzen gesetzt hätte, wärt ihr im Stande, sogar quadratische Eier zu legen! Ich soll mich mit dem Hund zusammentun? Aaach diese Hühner! Du gabst mir das Ei und dieser Hund dort würde mir mit einem Biss meinen Körper in zwei Teile zerreißen! Aaach diese Hühner, alle wollen sie und die Hunde will keiner! Weißt du nicht einmal dies? Miauuauu! - Und ... Es näherte sich der Bauer und mit einem Fußtritt jagte er die Katze fort und dann schloss er das Huhn wieder in den Hühnerstall ein.
  •  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DER WOLF UND DIE SCHILDKRÖTE GILLA

  •  
  • Die Schildkröte Gilla begegnete im Wald einem Wolf und sie wurden Freunde, und während sie über dieses und jenes und über jenes und dieses sprachen, begann der Wolf, um bei der Schildkröte einen guten Eindruck zu machen, über seine Heldentaten und Geheimnisse zu sprechen.
  • Und die Schildkröte Gilla, die sehr, sehr alt war, und wirklich nicht mehr noch älter werden konnte, unterbrach ihn und sagte: - Freund Wolf, wir können gerne bis morgen weiterplaudern, aber sprich mir nicht von deinen Heldentaten und Geheimnissen! Ich könnte dadurch in verschiedene Schwierigkeiten geraten: Im ersten Fall, wenn sich deine Geheimnisse durch deinen eigenen Fehler über die Luft verbreiten, oder weil andere es schon wissen, oder dich ausspioniert haben, wirst du an mir zweifeln, und auch wenn dies nicht geschehen sollte, werde ich wegen dir in ständiger Angst leben, weil ich denke, dass es eines Tages geschehen könnte, und dann, und dann ... Freund Wolf, glaube mir, die Dinge sind so verzwickt in diesem Wald, dass du es dir wirklich nicht vorstellen kannst; ich bin sehr, sehr alt, und noch älter kann ich wirklich nicht mehr werden, und ich habe so viel gesehen, so viel, dass ich mich, allein wenn ich daran denke, müde fühle.
  • Schau dort, der Himmel: Der Mond scheint.
  • Los, los, reden wir über den Himmel und über den Mond. –
  •  
  • Alle zwinkerten mit einem schlauen Lächeln und streckten die Pfoten aus, um zu streicheln.
  • Am Schluss wurde ihr das Schaf ‚Naive‘ vorgestellt, das in einem eingezäunten Gehege frisches Gras fraß.
  • Freut mich, Tella. -
  • Angenehm, ich bin das Schaf Naive. -
  • Seit wann bist du hier? -
  • Ich kam und ging, ich kam und ging und schließlich habe ich entschieden, hier zu leben, sie sind wirklich freundlich hier und sie machen so viel Aufhebens um dich, sie lächeln dich an und machen, dass du dich wie ein wichtiges Schaf fühlst, und ich sage dir, hier ist es schön, und man weiß nie, wer von ihnen freundlicher zu dir sein will. -
  • Ja das ist wahr, das habe ich auch bemerkt. Und ... und seit wie viel Tagen bist du hier? -
  • Gerade einen Tag und ich hoffe, für immer hier zu bleiben. -
  • Der Wolf ‚Esbleibtdirnichtsübrig‘ hörte zu, und während er sich die Zähne leckte, dachte er: „Du wirst solange in meinem Bauch bleiben, wie es nötig ist, um dich zu verdauen.“
  • Wie auch immer, es war ein großes schönes Fest, und alle vergnügten sich miteinander und abends kam das weibliche Kaninchen fröhlich in die Höhle zurück.
  • Um diese Zeit kommst du in die Höhle zurück? –, fauchte ihm Gilla ins Gesicht, die Schildkröte, die sehr, sehr alt war, so alt, dass sie wirklich nicht mehr noch älter werden konnte.
  • Ja, aber was willst du, was ist seltsam daran? -, antwortete das weibliche Kaninchen abweisend. – Mir ist ein sympathischer Wolf begegnet, der mich mitgenommen hat, und wir haben uns amüsiert und ein Fest gefeiert, und dort waren noch ganz viele andere Wölfe, Freunde, die mir vorgestellt worden sind! -
  • Ein Wolf kann dir nur viele Wölfe vorstellen! -
  • Aber ... aber da war auch ein Schaf, das so gutmütig war und vergnügt jede Menge frischen Grases verspeiste. Und froh und zufrieden erzählte es mir schöne Dinge. -
  • Das Schaf, das seine Bestimmung nicht kannte, ist bereits schön verspeist! Und dann werden morgen alle zusammen dich verzehren! Ein Wolf kann nur der Freund eines anderen Wolfs sein und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und eines anderen Wolfs und ...
  • Pass auf: Morgen fressen sie dich alle zusammen auf! -

 

  •  

 

 

  •  
  •  

 

 

 

DER WOLF, DER DIE ZÄHNE FLETSCHTE

  •  
  • Es war einmal ein Wolf, der gegen jeden die Zähne fletschte, um ihm Angst einzuflößen, und sich dann nach einer Weile beruhigte; und mit der Andeutung eines Lächeln auf der Schnauze, sprach und erklärte er seine Gründe und erreichte somit seine Ziele.
  • Er ärgerte sich über die Bären, über die Füchse, über die Steinmarder und selbst über die Wölfe.
  • Onkel Wolf, warum fletscht du so sehr die Zähne und ärgerst dich über alle und dann beendest du es mit einem halben Lächeln? –, fragte ihn eines Tages ein Fuchs.
  • - Wie? Du bist ein Fuchs und fragst mich solche Sachen? Zunächst stelle ich mich absichtlich böse; und wenn nicht ich die Zähne fletsche, dann fletschen die anderen sie; und wenn ich dann nicht mit einem halben Lächeln abschließe, um sie ein wenig freundlich zu stimmen, dann tun sich alle Tiere zusammen und sie reißen mich in Stücke. So ist das Leben in diesem Wald –, antwortete der Wolf dem Fuchs.

 

DIE WÖLFE, DIE HUNDE UND DIE SCHÄFER

  •  
  • In einem Land, weit, weit weg von hier, hoch oben in einem Gewirr von Bergen, lebten Schäfer und so viele Schafe, dass es vielleicht unmöglich war, sie zu zählen.
  • Und wo Schäfer und Schafe leben, da fehlen nie die Wölfe und die Hunde.
  • Die Wölfe fanden immer Nahrung und deswegen vermehrten sie sich so sehr. Wie viele sie waren, das wusste man nicht, es war unmöglich, sie zu zählen.
  • Und es kam eine Zeit, in der die Wölfe begannen zu übertreiben, indem sie Schafe töteten, auch wenn sie keinen Hunger hatten.
  • Und man weiß auch, dass, wenn der Bauch schön voll ist, man Lust am Spiel bekommt, und so war es bei den Wölfen, sie töteten die Schafe und ließen sie dann in der Sonne vertrocknen.
  • Welch ein Gemetzel! Es ist schade, wirklich schade. Die Wölfe haben sich vermehrt -, sagte ein Schäfer.
  • Häufig bringt zu große Toleranz den Ruin -, sagte ein anderer Schäfer.
  • Und die Hunde? Wir sind selber Schuld! Auch sie sind zu Komplizen der Wölfe geworden! –, sagte wieder ein anderer.
  • Dann geschah es eines Nachts, dass sich alle Wölfe zusammenrotteten, mit Hilfe des Mondes ins Dorf hinunterstiegen, die vielen Schafställe überfielen und sogar ein Kind auffraßen.
  • Sie richteten ein verheerendes Blutbad an.
  • Die Hunde sahen nur zu.
  • Auf dem Dorfplatz versammelten sich die Schäfer mit Gewehren und langen Messern. Und voller Wut, die ihnen bei den Augen und Ohren herauskam, eröffneten sie die Jagd. Und alle Tiere mit vier Pfoten, grauer Farbe und mit Schwanz wurden getötet und gevierteilt.
  • Und die Hunde wurden für Wölfe gehalten und ließen ihr Fell.
Wir sind selber Schuld –, sagte ein verletzter Hund, während er rasch dahinstarb, – nie haben wir die Wölfe bekämpft, und wir hätten doch begreifen müssen, dass, wenn es ganz schlimm kommt, auch wir für Wölfe gehalten werden. -

STEINMARDER FUCHS UND BAUER

  •  
  • Eines Tages begegnete in einer Brombeerhecke einem Fuchs ein Steinmarder, und während sie über Mäuse und Hühner sprachen, wurden sie Freunde. Der Steinmarder sagte dem Fuchs, dass er in einem Garten lebte, in einer geräumigen und schönen Höhle, die sich unter den Wurzeln einer schönen duftenden Magnolie befand; und der Fuchs antwortete ihm, dass er sich seine Höhle in einer Hütte auf dem Lande gebaut habe, die aus verrostetem Blech war, und dass er sich wohl fühle, weil er vor dem Regen geschützt war.
  • Und er erzählte dem Steinmarder, dass einst seine erste Höhle, die er sich zwischen den Wurzeln eines Olivenbaumes gebaut hatte, vom Regen überschwemmt worden war, und dass er ums Haar ertrunken wäre.
  • Und wie kommt man zu der verrosteten Blechhütte? -
  • Schau von diesem Gebüsch aus zu jenen Nussbaum dort hin, und dann tripple geradeaus los, so dass du ihn im Rücken hast, und dann ist rechter Pfote ein verrosteter Kanister (so ein großer, hoher, für Dieselöl), du erkennst ihn sofort, weil er mit Teer verschmierten Plastiktüten voll gestopft ist, und tripple noch ein gutes Stück weiter geradeaus, und linker Pfote ist die Baracke und genau dort habe ich meine Höhle gebaut. -
  • Sie ist also wirklich schön, deine Höhle. -
  • Und danach erzählte der Steinmarder dem Fuchs viele Dinge und viele Sachen ...
  • Meine kahl gewordene Freundin, die Steinmarderin, hat sich neulich in die Höhle der Füchsin ‚Schielauge‘ eingeschlichen, und, deren Abwesenheit ausnutzend, ihre neugeborenen Jungen verschlungen.
  • Aber ich rate dir, sage es ja niemandem!
  • Oh! Wenn Füchsin ‚Schielauge‘ das wüsste! Gerade gestern habe ich sie gesehen, wie sie sich wütend das Maul kratzte, während sie ihre kleinen Welpen überall suchte.
  • Und ich konnte es mir nur schwer verkneifen, nicht zu ihr zu sagen: „Geh in deine Höhle zurück, Füchsin ‚Schielauge‘, gräme dich nicht, deine Jungen sind schon schön verdaut.“
  • Dann dachte ich: Halt den Mund, was mische ich mich da ein? -
  • Mit diesen Dingen scherzt man nicht! Man muss den Mund halten, und wenn nötig, mit Spagat zubinden –, meinte dazu der Fuchs.
  • Und weißt du was noch passiert ist?
  • ‚BrauneFüchsin‘ hat erst gestern ‚BöserWolf‘, als der für einen Moment nicht in der Nähe war, ein gar gekochtes und zum Essen fertig zubereitetes Huhn aus der Höhle gestohlen. -
  • Und der Fuchs leckte sich mit der dünnen Zunge die Schnauze, weil er solchen Hunger hatte.
  • Nun sag mir doch, kleiner Steinmarder, wenn du schon all diese Dinge weißt, wüsstest du nicht zufällig auch, wo wir hingehen könnten, um etwas zwischen die Zähne zu kriegen? -
  • Klar weiß ich das. Da gibt es drei Gruben, mit ganz vielen wunderschönen Kaninchen drin, genau dort. Schau: Ein bisschen weiter unten als die Spitze dieses kleinen Hügels dort. Wo schaust du denn hin? Dort, dort, genau auf dem Rücken des anderen kleinen Hügels daneben. -
  • Und der Fuchs und der Steinmarder gingen los.
  • Und der Fuchs stürzte sich in die Grube und der Steinmarder stürzte sich in die Grube.
  • Und all diese göttlichen Gaben, die beiden Tiere fühlten sich wie zwei Könige.
  • Und der Fuchs zog einem weißen Kaninchen das Fell ab und der Steinmarder verschlang die Jungen davon.
  • Und der Fuchs hatte sich sehr satt gegessen und beschloss, aus dem Graben herauszuklettern, und vom Rand aus rief er den Steinmarder und forderte ihn auf, herauszukommen: - Spring herauf, hehe, spring herauf! Hast du dein widerliches Bäuchlein voll oder nicht, spring herauf, sonst kriegt uns der Bau ... -
  • Und er brachte nicht einmal das Wort ‚Bauer‘ zu Ende, da sah er den Schatten eines Mannes und den eines Gewehrs, und der flinke Fuchs rannte davon und schrie dabei: - Der Bauer mit dem Gewehr, der Bauer mit dem Gewehr! -
  • Und der Fuchs rannte so schnell davon, dass ihm das Herz nach hinten rutschte, bis zum Schwanz.
  • Schon nach kurzer Zeit war er in seiner Höhle unter der Hütte aus verrostetem Blech. Fix und fertig von der Anstrengung und der Angst rollte er sich ein und schlief, mit der Schnauze auf dem Boden.
  • Und der Steinmarder wurde nicht von Schrotkugeln durchlöchert, er wurde in einem Netz gefangen.
  • Ich will dich lebend! Seit Monaten bringst du andere Tiere hier her; du hast wohl überall von meinen Kaninchen herumerzählt, hehe? Ich habe dich immer gesehen, weißt du. -
  • Der Steinmarder begann am ganzen Körper zu zittern und er sabberte vor Angst und er war in das Netz eingeschnürt, wie ein schlaffer Ball.
  • Foltern sie mich nicht, ich bitte Sie um Erbarmen, ich sage Ihnen alles Herr Bauer. Alles was Sie von mir wissen wollen. -
  • Sprich und mach schnell, oder ich hänge dich für den Rest deines Lebens an der Decke auf, wie eine Salami, und dort wirst du sterben und die Spinnen werden dich mit großen Netze überziehen. –
  • Ja, ja, Sie brauchen mir nicht so zu drohen, ich spreche sofort.
  • Welche Schuld habe ich schon ... Er hat zu mir gesagt: „Komm mit mir, ich habe Gruben entdeckt, mit so vielen schönen Kaninchen darin“. Und weil ich Angst hatte, wollte ich dann nicht, ich bin ja ein Steinmarder ... So, so ist es immer gelaufen; und weil er mich immer nachts überredet hat, mitzukommen, habe ich nicht bemerkt, dass er mich immer an den selben Ort führte. -
  • Und wo ist er jetzt? Was hat er zu dir gesagt? -
  • Er lebt in einer verrosteten Hütte. -
  • Und bald schon waren sie bei der verrosteten Hütte ...
  • Der Bauer stellte eine Falle vor dem Loch der Höhle auf und der Fuchs tappte hinein, als er herauskam.
  • Und er wurde in das Netz eingewickelt, wie ein Bündel.
  • Der Fuchs schien zu sterben, so wütend war er, als er sah, dass ihn der Steinmarder betrogen hatte, es war, als ob er vergiftet worden wäre.
  • Er begriff alles und Speichel spritzte aus seiner Schnauze, als er schrie: - Das geschieht mir recht! Wie konnte ich dir nur vertrauen, auch du kanntest mich nicht, und erzähltest mir doch alles über alle! Hast du die schlimme Untugend, das Gehirn durch den Mund zu ersetzen? -
  • Und es geschah etwas wirklich, wirklich sehr Seltsames: Der Bauer tötete den Steinmarder und ließ den Fuchs laufen.
  • Danke Herr Bauer, Sie lieben die Gerechtigkeit und haben ... bestraft.-
  • Sei still! Du brauchst mir nicht zu danken. Es ist nur etwas sehr, sehr Seltsames geschehen. Gerechtigkeit gibt es nicht auf dieser Welt. -

ZWEI MISPELBÄUME

  •  
  • Jeden Sonntag ging ein Bauer fort, in das Dorf Cozzoli, um seine Pflanzen zu verkaufen, die er akkurat in Blumentöpfen heranzog, und mit einer wahren Liebe pflegte.
  • Im Morgengrauen war er in Cozzoli.
  • Auf einen Bürgersteig, hinter dem gleich ein verlassenes Stück Brachland begann, und neben dem die Kirche des Dorfes stand, stellte er nach und nach den Mispelbaum, den Feigenbaum, den Zitronenbaum, den Mandarinenbaum und den Orangenbaum und die Mimose und die Magnolie und viel, viele andere Arten von Pflanzen.
  • Ein Mispelbaum, der auf dem verlassenen Stück Brachland stand, und übersät war von Schildläusen und Ameisen, und zum Trotz seine schüttere grüne Krone hoch reckte, fasste eines Tages Mut und wandte sich an den Mispelbaum im Blumentopf … - Wie kommt es, dass du in so wenig Erde bequem und glücklich lebst, und ich, in so viel Erde, fühle mich scheußlich und habe Schmerzen, die mir den Stamm zerreißen? -
  • Aber ... wo ist dein Herr? Siehst du nicht ... nicht wo du eingepflanzt bist? Zwischen Brennnesseln, Brombeersträuchern und Quecken und ... was klebt da an dir dran? Danke Gott, dass sie dir noch nicht den Garaus gemacht haben.
  • Ich habe wenig Erde... habe wenig Erde aber ich werde mit so viel Freude gepflegt.
  • Danke Gott, dass du noch nicht durch Schlund des Kamins gegangen bist. -

Der verlassene Mispelbaum weinte, er weinte den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch.

 

  •  

 

 

 

 

 

 

 

 

NICHT EINMAL EINE GELBE AMEISE BLEIBT ÜBRIG

  •  
  • Eines Tages verließ ein Wolf, der sehr großen Hunger hatte, seine Höhle und er sah in einem Kanal einen Hasen und er rannte ihm nach und dann sah er ihn nicht mehr, weil dieser verschwand, indem er sich unter die Steine mischte.
  • Er lief immer wieder suchend dort umher und entdeckte einen Fasan in einer Hecke und er bekam ihn zu fassen weil dieser nicht wegflog: Er hatte einen gebrochenen Flügel.
  • Er erwürgte ihn und aß ihn auf und sättigte sich.
  • Und ein Specht pickte einen Wurm mit dem Schnabel auf und aß ihn und sättigte sich. Dann pickte er noch einen auf und brachte ihn seinem Jungen, das im Nest auf ihn wartete. Und es zwitscherte glücklich und war’s zufrieden.
  • Nicht weit davon entfernt lebte ein König in seinem Schloss.
  • Und an jenem Tag schrie der König, der halb verblödet war und fett wie das Euter einer alten Kuh, in einem aufgeblasenen Polstersessel sitzend, wie ein Verrückter: „Auf zur Jagd!“
  • Und er ging los, mit seinen Untertanen, die mit so vielen Gewehren bewaffnet waren und auf so vielen Pferden saßen und denen so viele Jagdhunde folgten, die zappelig waren, wie Marionetten.
  • Und sie töteten so viele Tiger und so viele Löwen und so viele Giraffen und so viele Elefanten und zwei erschöpfte Kolibris und so viele Zebras und so viele Störche und so viele Schlangen und so viele Flusspferde und so viele Krokodile und so viele Kraniche und so viele Straußen, die Spastiker waren, und so viele Murmeltiere und so viele Uhus und so viele Füchse und so viele Affen und so viele Wölfe und so viele Spechte und so viele Fasanen und fünf Eisvögel und so viele Schildkröten und so viele Adler und so viele Falken und so viele Nerze und so viele Fledermäuse und vier Nacktschnecken und so viele Enten und so viele Schwäne und so viele Hirsche und so viele Steinmarder und drei Rotschenkel, einen Clownsfisch, zwei Kugelfische, ein lahmendes Stinktier, zwei Bären und drei Pythons.
  • Es wurde Abend und der König ließ all die toten Tiere auf die Karren aufladen und kehrte ins Schloss zurück.
  • Er befahl, aus den toten Giraffen Teppiche anzufertigen, die er dem König von Äthiopien schenken musste, seinem Kriegsverbündeten; er befahl, aus dem Elfenbein der toten Elefanten drei geschnitzte Leiern anzufertigen, die er dreien seiner Geliebten schenken musste; er befahl, aus den toten Nerzen einen langen und wunderschönen Pelzmantel anzufertigen, den er der Geliebten eines mächtigen Religionsführers schenken musste, damit sie ihn davon überzeugte, dass er dem Volk sagen ließ, dass er der Sohn des Gottes Tocus, des Schöpfers des Universums sei.
  • Dann erlaubte der König, dass der übrig gebliebene Teil der Jagdbeute an seine Untertanen ging.
  • Diese nahmen ihn und man weiß, was sie damit machten!?
  • Es verging ein Monat und der König vereinte seine Truppen mit denen des Königs von Äthiopien und so besiegten sie den Feind.
  • Und dann beschlossen die beiden Könige, die Kriegsbeute zu teilen und die Rechnung ging nicht auf und es kam zu Kämpfen und ...
  • Die gleichen Geschichten wiederholen sich seit Jahrtausenden und wir haben es wirklich satt! Denn wenn sie immer so laufen, die Dinge, und vielleicht immer so laufen werden, wird auf dieser Welt nicht einmal mehr eine gelbe Ameise übrig bleiben.

 

 

DER FUCHS WAR NICHT NUR HÜFTLAHM, ER WAR SEHR KRANK

  •  
  •  
  • Und es war einmal ein Fuchs, der mehr als nur hüftlahm war, er war sehr krank. Er näherte sich einem jungen Wolf ... und machte ihm einen Vorschlag: - Dort, dort zwischen den Kastanienbäumen gibt es viele Schafe in einem Pferch, wollen wir nicht eine Gesellschaft gründen? Wir raffen sie alle zusammen und machen dann halbe-halbe? -
  • Der Wolf starrte den Fuchs an, der sich bei jedem Schritt auf den Boden kauerte und antwortete ihm: - In diesem Gebüsch lebt der arme Fuchs ‚Kaputtepfote‘, warum fragst du nicht ihn? Wenn ich eines Tages nicht nur hüftlahm, sondern sehr krank werden sollte, werde ich mich an deinen Vorschlag erinnern. -
  • Und ... Und wenn wir beide nicht nur hüftlahm, sondern sehr krank wären, was könnten wir dann ausrichten? –, erwiderte der Fuchs.
  • Nichts. Geh hin wo der Pfeffer wächst! Du hast ja nicht mal Zähne, um zu kauen –, antwortete der Wolf.
  •  
  •  

DIE FÜCHSE, DIE WÖLFE UND DIE BÄREN

  •  
  • Eines Tages fanden sich alle Füchse und Wölfe im Wald der Tausend Kastanienbäume ein, um darüber zu entscheiden, wie der Krieg gegen die Bären zu führen sei, weil jene den gesamten Wald in ihren Besitz gebracht hatten, und auf ihre Weise die fruchttragenden Pflanzen und alle wohlschmeckenden essbaren Tiere verwalteten.
  • Die Wölfe fanden nichts mehr, was sie sich zwischen die Zähne stecken konnten, und genauso die Füchse, die vergessen hatten, wie der Geschmack von Fleisch war.
  • Wölfe und Füchse waren so ausgehungert, dass ihnen die Knochen vom Leib standen und bald die Haut durchstachen. Sie beschlossen: Sie mussten sich auf den niedrigen Hügeln, welche einen überfluteten Wald umgaben, in den Hinterhalt legen, dort wo die Bären alle miteinander hingingen, um sich zu baden; dann würden die Füchse das Signal geben und an diesem Punkt würden sie sich alle zusammen auf den Feind stürzen.
  • Die Nacht verging und es wurde Morgen und es kam der Mittag und mit ihm kam die sengende Sonnenhitze.
  • Die Bären sind im Wasser! –, schrie ein Fuchs.
  • Sie rannten alle zusammen los.
  • Die Wölfe platzierten sich auf einem Hügelkamm und die Füchse auf einem anderen. Ein Fuchs blies in eine Eierschale und es kam ein betäubender Lärm daraus hervor: Das war das Signal zum Angriff.
  • Die Wölfe rannten los, wie die Gehenkten, rasend vor Hunger, die Füchse, schlau wie sie eben sind, blieben dort und schauten zu.
  • Staub und Wasser wirbelten durch die Luft und bei Sonnenuntergang herrschte wieder Schweigen, in diesem Teil des Waldes.
  • Plötzlich schrie ein Fuchs: - Eine einzige Schlacht hat uns Bären und Wölfe aus dem Weg geschafft! -
  • Dann schlichen sie sich mucksmäuschenstill an und dort, auf dem Schlachtfeld, begann ein verletzter Wolf zu sprechen: - Warum habt ihr euch nicht vom Fleck bewegt? -
  • - Hör zu: Wie auch immer die Schlacht ausgegangen wäre, entweder von den Bären oder von den Wölfen hätten wir uns trotzdem kommandieren lassen müssen. Wir dachten, dass wir so zumindest nicht sterben würden. Dann ... Dann war das Glück auf unserer Seite ... eine einzige Schlacht hat uns Bären und Wölfe aus dem Weg geschafft! -, so sprach ein alter Fuchs, dem im Alter die Haare ausgegangen waren.
  •  
  •  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DER FUCHS, DER BEGRIFF, DASS ER EIN FUCHS WAR

  •  
  • Es war einmal ein Wolf, der mit allen Streit suchte. Ein Haar nicht am rechten Fleck, und schon fiel er über einen her. Er biss sogar seine Gefährten, die Wölfe! Man lebte nicht ruhig, in diesem Teil des Waldes, der auf den wunderschönen, so genannten "Silbersee" blickte.
  • Viele Tiere hatten es sich in den Kopf gesetzt, ihn zu beseitigen. Und eines Tages gingen eine Schildkröte und ein Fuchs zusammen spazieren; plötzlich sahen sie den Wolf, der keifte und ihnen mit hoch in die Luft erhobenen Pfoten drohte.
  • - Müsst ihr gerade hier durchlaufen, wo ich jagen muss? - Und er bereitete sich darauf vor, den Fuchs anzufallen.
  • - Halt! Lass gut sein –, rief die Schildkröte dem Fuchs zu, – höre nicht auf ihn, mische dich nicht ein! Dieser Wolf macht es alle Tage so. -
  • Der Fuchs fletschte mehrmals die Zähne und war im Begriff den Wolf anzufallen.
  • - Halt ein, verflixt, ruhig, lass ihn laufen und riskiere nichts! Es lohnt sich nicht für dich! Sei kein Dummkopf! Du musst wissen, und da kannst du sicher sein, dass der Wolf nicht lange leben wird! Er wird früher oder später einem anderen Tier begegnen, das wilder und dümmer ist als er. Mach dir keine Sorgen, weil du sicher sein Ende sehen wirst. Du bist ein Fuchs, also benimm dich wie ein Fuchs! -, so sprach die weise Schildkröte, der aufgrund ihres Alters viele, viele Falten vom Hals herunterhingen.
  • Und der Fuchs blieb ruhig und verstand, dass er ein Fuchs war, und sich wie ein Fuchs benehmen musste.
  •  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Fuchs, der anfing Kurse zu geben

  •  
  • Und es war einmal ein Fuchs, der, weil er nirgends mehr etwas zu essen fand, beschloss, zu tun, was er tun musste, und indem er sich in seiner Höhle einschloss, und seinen Kopf in die Pfoten stützte, begann er, sich zu kratzen, und dann nachzudenken und hin- und her zu überlegen.
  • Und zwei Tage hintereinander blieb er dort drin und dann endlich kam er heraus. Er hatte gut überlegt und nachgedacht.
  • Er ergriff ein großes Blatt und ein paar Kohlenstückchen und fertigte damit ein Schild an, das er am Eingang seiner Höhle anbrachte, und auf dem geschrieben stand: „Wilder und sachkundiger Fuchs gibt ab morgen, beginnt wirklich ab morgen mit der Erteilung eines Kurses in Jagd und Fischfang, mit Fallen stellen, für junge Tiere. Anmeldegebühr: ein Ei pro Kopf. Monatliche Kursgebühr: zwei Eier pro Kopf. Das ist günstig für euch!“
  • Und so trafen viele Tiere, die Schwierigkeiten hatten, Nahrung zu finden, scharenweise beim Fuchs ein. Das erste Tier, welches sich zum Kurs anmeldete, war ein Steinmarder, der so mager war, dass ihm spitzige Knöchelchen aus dem Fell hervorstanden.
  • Dann fanden sich eine Katze, ein Fuchs, drei Wolfsjunge und zwei Wiesel ein ... alles in allem, es waren viele Tiere, die teilnehmen wollten.
  • Und dass ihr mir daran denkt, das Ei für die Einschreibung, es muss frisch sein, weil es leicht verderblich ist; und es muss ein Hühnerei sein, kein Vogelei! -
  • Und an jenem Tag sammelte der Fuchs zwanzig Eier ein und trug sie in seine Höhle und reihte sie, eines neben dem anderen, auf und zwei davon verspeiste er und die Augen leuchteten ihm vor Freude.
  • Zwanzig Tiere, die am Kurs teilnehmen! Wie schön, wie schön! –, rief er aus.
  • Und am Tag darauf führte er sie in den Wald und begann mit dem Unterricht.
  • Also, ich setze mich auf diesen Baumstumpf und ihr setzt euch alle um mich herum, und, wenn ich bitten darf, bedrängt mich nicht und hört mir aufmerksam zu, denn wenn ihr nicht aufpasst, ich wiederhole nichts. Ich spreche nur einmal, und wenn sich nicht bestimmte Regeln durchsetzen, gibt es eine Katastrophe und ... ihr gebt mir die Eier und ohne Gequieke und Gekläffe und ich verlange von euch, dass ihr lernt. Ich verlange, dass ihr lernt.
  • Und also: Die Unterrichtsstunden beinhalten einen theoretischen und eine praktischen Teil. Heute machen wir, dass ist klar, ein wenig Theorie.
  • Der Gebrauch der Fallen. Der Gebrauch von Fallen ist alt, sehr alt, und ihre Verwendung hat immer hervorragende Resultate erbracht. Unsere Vorfahren aus dem Paläolithikum benutzten sie bereits. Es wurden gerade kürzlich aus diesem Zeitalter archäologische Fundstücke wieder entdeckt. Dort, dort, schaut sie euch an, unter diesem Kastanienstumpf. Die Fallen ... Wir haben die halbautomatischen Fallen und die vollautomatischen Fallen. Die Ersteren funktionieren mit Hilfe von Tieren, die im Hinterhalt liegen, um die Beute zu fangen, und die zweite Sorte funktioniert von alleine. Die vollautomatischen Fallen werden wir nächstes Jahr studieren und wir werden viele davon bauen, weil ich im Augenblick keine davon hier habe. Ah, ich vergaß, euch zu sagen, dass der Kurs drei Jahre dauert, und dabei werdet ihr hier mit mir sicher viele Dinge lernen und ihr werdet sicher viele Gelegenheiten haben, ich schwöre es euch.
  • Machen wir weiter: Hört mir bitte aufmerksam zu, ich sage es euch. Ruhe bitte! Ich werde damit beginnen, die halbautomatischen Fallen zu erklären. Da gibt es verschiedene Typen: die senkrechten Netze, die trichterförmigen Palisaden und so weiter und so fort. Die, welche ihr hier seht, sind Fangnetze, die auf dem Boden ausgebreitet, und dann zusammengezogen werden, wenn sich die Beute darüber befindet.
  • Sie erfordern pro Netz die Anwesenheit von nicht weniger als vier Tieren, die an den Seilen ziehen. Ich möchte aber darauf hinweisen, ihr alle, ihr alle hört mir gut zu, denn das ist wichtig, dass die Beutetiere, die euch ins Netz gehen, mir gehören, dass die Netze mir gehören! Diese Netze sind nach einem komplizierten Muster geknüpft, mit Knoten und Schlingen, dreifachen Schlingen und doppelten Knoten, und um sie herzustellen braucht man, was braucht man da ... besondere Fähigkeiten... sie werden nur gut, es ist seltsam was ich sage, aber es ist so, wenn der Mond doppelt ist und die Luftfeuchtigkeit schwer und außerdem braucht man Schmalz dafür. Als ich sie herstellte, spürte ich die Pfoten vor Schmerzen nicht mehr, was für eine Arbeit! Verflixt noch mal. -
  • Und dann und so weiter und so fort...
  • Die Unterrichtsstunde ging zu Ende und alle Tiere standen froh und zufrieden von ihren Baumstümpfen auf, bildeten Grüppchen und begannen untereinander zu sprechen.
  • Er ist tüchtig, er ist tüchtig unser Meister Fuchs und nach diesen Unterrichtsstunden werden wir sicher unsere Bäuche mit vielen guten Dingen füllen! –, sagte der Steinmarder, der vor Hunger fast durchsichtig geworden war.
  • Er ist ganz erstaunlich! -, kommentierte die Katze.
  • Und dann kehrten sie eilends, in ihre Höhlen zurück.
  • Am folgenden Tag, zur gleichen Stunde wieder alle Tiere im Wald, beim Unterricht.
  • Heute -, fuhr der schlaue Fuchs fort, - heute werden wir dazu übergehen, ein wenig Praxis zu machen. Du Steinmarder, komm hier her! Warte, wo setzt du dich hin? Lass das Seil sein, alleine ziehst du dieses Netz niemals zu.
  • Du Katze und du und du. Dorthin, dort, direkt dort hinter jenes Gebüsch, mit dem Seil zwischen den Pfoten, zieht fest, sobald das Wild darauf tritt. -
  • Und all die Schüler legten das Netz zusammen aus und entfernten sich, und die vier lagen dort im Hinterhalt, mit den Pfoten an den Seilen.
  • Und ein schöner Vogel setzte sich darauf und wurde gefangen.
  • Tüchtig, tüchtig! - Und dann packte ihn Meister Fuchs am Schnabel und verschlang ihn!
  • Und die Schüler leckten sich mit der Zunge den trockenen Mund.
  • Am folgenden Tag wurde ein anderes Netz ausgelegt und zugezogen und ein kleines dummes Kaninchen geriet hinein und Meister Fuchs nahm es bei den Ohren und stopfte sich den Bauch damit voll und die Schüler standen da und leckten sich mit der Zunge den trockenen Mund.
  • Es verging ein Monat und Meister Fuchs machte es weiterhin so und die Schüler leckten sich immer mit der Zunge den trockenen Mund.
  • Und dann ... Und dann wurde ihm der Kurs bezahlt und jeder gab ihm zwei Eier.
  • Und Meister Fuchs hob ein Ei mit der Pfote hoch und machte vergnügt mit der Kralle der anderen Pfote ein Loch hinein und trank es ganz aus und der Steinmarder starrte ihn an und dann begann er, sich den trockenen Mund zu lecken, mit der Zunge, die troff vor Geifer und Zorn.
  • Und wie viele Eier hatte er in seine Höhle hineingestopft! Aus dem Haufen kam sogar ein Küken hervor und Meister Fuchs zermalmte es zwischen den Zähnen. Dann lernte Meister Fuchs Kuchen backen und nahm um einen Doppelzentner zu.
  • Es vergingen viele Monate und das erste Jahr des Kurses ging dem Ende entgegen und eines Tages fasste sich der Steinmarder, der vor Hunger fast tot war, ein Herz, und sagte: - Meister Fuchs, wann lehren Sie uns die halbautomatischen Fallen zu bauen, wenn wir sie hätten, könnten auch wir uns etwas in den Bauch stopfen ... und wissen Sie: Die Zeit vergeht, die Zeit vergeht ... Das erste Jahr geht eilends zu Ende; und was bleibt uns dann? -
  • Steinmarder, nur nichts übereilen! Man muss die Dinge langsam angehen. Langsam kommt man auch ans Ziel. Wir müssen vorher noch die vollautomatischen Fallen studieren. Nächstes Jahr! Nächstes Jahr warten die vollautomatischen Fallen auf uns ... Die Theorie! Denn wenn man die Theorie nicht kennt, kann man nicht zur Praxis übergehen. -
  • Hast du jemals gesehen, wie ein Luftschloss gebaut wurde? Niemals ist das geschehen!
  • Und die Zeit verging und der Kurs ging zu Ende, einfach so.
  • Meister Fuchs konnte es nicht erwarten, dass der Sommer zu Ende ging, um den Kurs wieder aufzunehmen: Das zweite Jahr.
  • Seine Essenvorräte waren zu Ende und die Fallen lagen alle auf einem Haufen, in einer Ecke seiner Höhle, weil er sie alleine nicht in Funktion setzen konnte: Er brauchte dazu Hilfe!
  • Und endlich war der Tag gekommen ... und Meister Fuchs ergriff ein großes Blatt, ein noch größeres, und Kohlenstückchen und fertigte damit ein Schild an, das er am Eingang seiner Höhle anbrachte, und auf dem geschrieben stand: „Wilder und sachkundiger Fuchs gibt ab morgen, beginnt wirklich ab morgen das zweite Jahr des Kurses in Jagd und Fischfang ...
  • ................
  • die Anmeldung für das erste Kursjahr hat begonnen. Anmeldegebühr: ein Ei pro Kopf. Monatliche Gebühr: zwei Eier pro Kopf. Das ist günstig für euch!“
  • Und es waren viele Tiere, die teilnehmen wollten.
  • Und als alle Schüler zwischen den Kastanienstrünken vereint waren, stieg Meister Fuchs auf den Baumstumpf und keifte: - Dass mir das Ei für die Einschreibegebühr aber auch ja frisch ist, wo es so leicht verderblich ist, und dass es auch mir ja ein Hühnerei ist, und kein Vogelei! – In der Menge befand sich der Steinmarder, der sich auf die Hinterpfoten aufrichtete und wie ein Verrückter schrie: - Hier sind die Eier und es sind Hühnereier und ich trinke sie aus, und wenn ich nicht das erste Jahr des Kurses gemacht hätte, und die Eier gegessen hätte, die ich dir gegeben habe, wäre es nicht so mit mir zu Ende gegangen, ich spüre, dass ich sterben muss! Ich habe noch immer wehe Pfoten, weil ich für dich immer das Netz zugezogen habe! Alles bringst du uns bei, aber nicht das, was uns nützt. Du bringst uns nur bei, was dir nützt! -
  • Und damit schlüpfte der Steinmarder, dem am Rücken ganz spitze Knochen herausstanden, in eine große Hecke, und wer weiß, wohin er gegangen ist.
  •  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Fuchs, der von sich sagte, anständig zu sein

  •  
  • Und es war einmal ein Fuchs, der von sich sagte, anständig zu sein: Er hasste die Jagd, weil er behauptete, dass es nicht richtig sei, den Tieren das Fell über die Ohren zu ziehen, und dass auch sie das Recht hätten, glücklich im Walde zu leben oder im Wasser umher zu flitzen und mit Schaumblasen zu spielen!
  • So weit so gut -, sagte ein alter Fuchs zu einem kleinen Füchslein, während sie gemeinsam über die Sache nachdachten.
  • Und er fuhr fort: - Man muss aber auch sehen, warum er sich so verhält! Manche glauben daran und essen bitteres Gras und schnell wird aus so einem Fuchs ein Heiliger! Ein wirklicher Heiliger! Hier in all den Wäldern wird sich mit viel Mühe einer finden lassen, und weißt du wer es ist? -
  • - Wer ist es, wer ist es? Onkel Fuchs, wer ist es? -, sagte das kleine Füchslein, das die Welt noch nicht kannte, während es die eh schon krumme Schnauze verzog und die Stirne runzelte.
  • Wer es ist? Es ist der Fuchs Himmelsrose! Es sind schon viele Jahre, dass er so denkt und es auch wirklich so macht!
  • Er ist stark wie ein Wolf und schlau, so schlau, dass, wenn er Nahrung haben wollte, es ihm nie an etwas fehlen würde! Aber er zieht es vor, bitteres Gras zu essen, und kein zartes Kaninchen, und nicht einmal ein Huhn aus dem Hühnerstall.
  • Ich erinnere mich daran, als er anfing Gras zu essen und das Fleisch abzulehnen, wir alle hier im Wald, und ich vorneweg, hielten ihn für verrückt. Dann ... dann habe ich meine Meinung geändert: Er ist wirklich ein Heiliger.
  • He, he! Da ist er, da ist er: Dies ist der Fuchs, von dem ich dir erzählt habe. Der Fuchs, der von sich sagt, anständig zu sein! Er hat eine lang gezogene Schnauze, von all den Lügen die er erzählt hat. Er ist ganz verkrüppelt und läuft breitbeinig; ein Bauer hat ihn so zugerichtet. Ich frage mich: Was machte er dort im Hühnerstall? Wächst im Hühnerstall Gras?
  • Allein wenn ich ihn so ansehe, gefällt er mir nicht: Er macht mich beklommen. -
  • Und der Fuchs, der von sich sagte, anständig zu sein, schlug einen Feldweg ein und schlich sich davon.
  • Und die Sonne ging unter und der Mond wollte gerade aufgehen und das kleine Füchslein verabschiedete sich vom Onkel Fuchs, um zu seiner Höhle zurückzukehren, und es trippelt und trippelt, da, aus einem Gebüsch sieht es Staub und trockene Blätter herausfliegen, und leise, leise schlich es näher und dort war der Fuchs, der von sich sagte, anständig zu sein, und er verzehrte ein aus dem Nest gefallenes, bereits totes kleines Vögelchen, das noch ohne Federn war. Wer weiß, vielleicht hatte es versucht, zu fliegen.
  • Oh, schau an, wen ich da sehe, hast du schon damit aufgehört, Gras zu essen? Aber ... aber, was soll ich sagen, wenn du Fleisch isst, warum sagst du dann allen, dass du Gras isst? -
  • Also... also... Wie man sieht, bist du naiv, und das Leben ist dir noch neu. Also gut, ja! Dir will ich die Wahrheit sagen: Wenn man ein Niemand ist, mein Sohn, kommt man vorwärts, indem man Lügen über Lügen verbreitet, und kein Fuchs hat den Mut zu sagen, dass er kein Fuchs ist! So ist das, ich weiß, dass es nicht richtig ist, was ich tue! Aber versuche, mich zu verstehen; die Anständigen, mein Sohn,
  • das sind wenige Auserwählte. Sie sind wenige, so wenige, wirklich wenige! Ich bin als Fuchs geboren, konnte ich so jemals allen sagen, dass ich nicht mehr gut jagen kann? Und ihnen erzählen, dass ich immer kranke und halb tote Vögel verzehre?
  • Ja! Ich habe gesagt, dass ich anständig geworden sei, um meine Unfähigkeit zu rechtfertigen. Ich bin noch immer ein Fuchs, und die Füchse, weißt du, sie sind schlau. Ich bitte dich um etwas: Sage es niemandem, was du gesehen hast. Wenn ich Gras essen würde, würde ich morgen sterben. -
  •  
  •  
  •  

 

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

 

 

Der Edelstein, der in den Morast gefallen war

  •  
  • Und eines Tages fiel der Edelstein eines wertvollen Ringes aus seiner Fassung heraus und auf die Erde. Und dann all die Fahrzeuge, die diese Straße entlang eilten, und der Wind und der Staub und der Regen...
  • Wie auch immer, es war eben geschehen, der Edelstein war im Wirrwarr eines riesigen Morasthaufens gelandet!
  • Und der Edelstein bekam in dieser finsteren Schwärze so große Angst, dass er zu weinen begann.
  • Er konnte nichts mehr sehen und funkelte und funkelte umso mehr, um zu begreifen, wo er sich befand und was er tun konnte!
  • Und seine glitzernden Strahlen wurden immer länger und länger und zappelten wie silbrige Fischlein im Wasser eines Tümpels.
  • Aber vergeblich, er begriff überhaupt nichts.
  • Plötzlich hörte er leise und lang gezogene Geräusche: Augenblicklich wurde er von hässlichen schwarzen Steinchen ins Visier genommen, die, als sie sich ihm näherten, damit begannen, ihn herumzuschubsen, und dabei recht großspurig taten.
  • Wer bist du? –, sagte ein Steinchen, das kleiner und hässlicher war als die anderen.
  • Schau, schau: Er funkelt! –, sagte ein anderes.
  • Was tust du hier? Wer hat dich hierher gebracht? –, sagte wieder ein anderes.
  • Nicht ... Tut mir nicht weh! Wo...wo befinde ich mich? -
  • Ha, hahaa! Sicherlich nicht in einem Schloss, das von Bäumen und Blumen umgeben ist. Im Morast! Wir sind schon ein Leben lang hier, in dieser Hölle! –, so brüllten all’ die Steinchen im Chor.
  • Aber ... aber, ihr, wer seid ihr? I...ich bin vielleicht, wer weiß wie, von dem wertvollen Ring meiner Herrin heruntergefallen. -
  • Und jetzt bist du hier im ekelhaften Morast mit uns zusammen! Ah, du warst an einem wertvollen Ring? Funkeltest du? Hier ist das Leben hart. Man funkelt nicht, man kann nicht funkeln, weil wir nicht funkeln! Dein Funkeln lässt uns vor Neid erblassen! -
  • Ja also, ich ... ich bin ... -
  • Schweig! Wie auch immer, ob du nun willst oder nicht willst oder nicht kannst, wenn du hier bleiben willst, dann darfst du nicht mehr funkeln! Wir haben hier das Sagen. -

Und der wertvolle Edelstein bekam so große Angst, dass er davon wie gelähmt war; doch dann fasste er Mut und mit seinem dünnen und zarten Stimmchen begann er zu sprechen:

- Das Funkeln gehört zu meiner Natur. Wenn es von mir abhinge ... wenn ich aufhören könnte, zu funkeln, ich schwöre euch, ich würde nicht funkeln, nur damit ihr zufrieden wäret. Ich flehe euch an: Tut mir nicht weh! -

Und es verging ein Monat und der wertvolle Edelstein hatte immer nur geweint und war traurig gewesen, darüber, dass sein „Funkeln der Liebe“ in jenem düsteren und schrecklich stinkenden Schwarz vergeudet war.

Und es kam, wie es kommen musste, er wurde krank, und durch die Krankheit zerbrach er in sehr viele kleine Splitter und dann wurden die Splitter zu Staub und der Staub vermengte sich mit Unrat.

Aber das ist der Lauf der Welt, sie denkt nur daran, sich zu drehen, und so erfuhr sie nie, dass in jenen Morasthaufen ein Edelstein gefallen und darin gestorben war.

 

HOME PAGE